Bitte warten...

Flugzeuge der Zukunft Space-Taxis sind nicht in Sicht

Selbstfliegende Flugzeuge und elektrische Kisten, die durch den Weltraum schweben - so stellen sich viele die Luftfahrt der Zukunft vor. Werden sie im Jahr 2050 Wirklichkeit sein?

Kampfszene aus Eve online

Der Traum vom Fliegen - für jedermann und durch den Weltraum: In Computerspielen erwachen solche Visionen zum Leben

Volker Gollnick, Professor an der Technischen Universität Hamburg und beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), dämpft die Erwartungen: "Die Flugzeuge im Jahr 2050 werden zu großen Teilen so aussehen, wie wir sie heute haben. Es ist bei realistischer Betrachtung weder vernünftig, noch erkennbar, ein komplett neues Flugzeugprogramm in den nächsten 30, 35 Jahren aufzulegen."

Flugzeuge von heute werden noch in 50 Jahren fliegen

Flugzeug vom Typ Airbus A380-800 (Archivbild)

Der Doppeldecker A380 - eine langjährige und kostspielige Innovation von Airbus

Denn Flugzeugkonzerne wie Boeing und Airbus haben Milliarden in die Entwicklung gesteckt. Dieses Geld muss erst mal wieder verdient werden. Die Flugzeugtechnik ist außerdem weitgehend ausgereift. Und Flugzeuge, die jetzt in Dienst gestellt werden, werden bei einer Lebenszeit von 30 bis 40 Jahren auch 2050 noch fliegen. Trotzdem hat die Elektrik-Euphorie auch den Luftverkehr erreicht.

Volker Gollnick ist auch in diesem Bereich skeptisch: "All diejenigen, die sich etwas seriöser mit Physik und technischen Zusammenhängen beschäftigen, wissen: Elektrische, auch hybridelektrische Antriebe werden auf absehbare Zeit nicht das Leistungsverhältnis aufweisen, das notwendig ist, um einen 150-Sitzer in die Luft zu kriegen. Für Regionalflugzeuge bis etwa 40 oder 50 Personen oder für Kleinflugzeuge besitzen solche Antriebe dagegen ein attraktives Potenzial, besonders wenn man an kürzere Reichweiten denkt."

Elektroantriebe nur für kleinere Flugzeuge

An der Universität Stuttgart werden elektrische Antriebe bereits seit vielen Jahren in Flugzeugen erprobt, erklärt Andreas Strohmayer, Professor für Flugzeugentwurf. "Wir hatten schon vor 20 Jahren einen Solarflieger und seit sechs Jahren auch einen Batterieflieger. Mit dem erforschen wir, wie elektrisch geflogen werden kann."

Mit eigenen Batteriesystemen will Daimler die Produktion von E-Autos beschleunigen

Kniffliges Bauteil auch für E-Flugzeuge: Teile einer Batterie für E-Autos von Daimler

Ein großes Problem dabei ist, wie auch beim elektrischen Auto, die Batterie. Die Energiezellen sind zwar in den vergangenen Jahren viel effizienter geworden, aber lange Strecken und große Flugzeuge lassen sich damit nicht betreiben. Eine Alternative wäre ein Hybrid-Antrieb. Ein Verbrennungsmotor treibt dabei einen Generator an, der Strom erzeugt. Zehn bis 20 Prozent Treibstoff ließen sich so sparen.

Andere innovative Antriebe, wie sie in der Raketentechnik für den Flug ins Weltall verwendet werden, sind für Flugzeuge auf absehbare Zeit ebenfalls nicht in Sicht, so Volker Gollnick von der DLR: "Neue Antriebe mit Flüssigwasserstoff wurden in der Vergangenheit immer wieder untersucht. Ein wesentliches Problem dabei ist, Flüssigwasserstoff unter Druck zu speichern. Dazu braucht man eine Masse an Material für den Druckkörper und das bedeutet erhebliches Gewicht. Insofern sind da einfach physikalisch-konzeptionelle Nachteile mit verbunden, die bislang noch nicht lösbar sind."

Die Zukunft wird schnell Geschichte

Eine Vision, die Vergangenheit ist: Das Überschall-Flugzeug Concorde

Eine Vision, die Vergangenheit ist: Das Überschall-Flugzeug Concorde

Gerade die Luftfahrt zeigt auch, dass neue, revolutionäre Innovationen nicht unbedingt am Markt gebraucht werden. Beispiel ist das Überschall-Passagierflugzeug Concorde. Keine 40 Jahre verband das französisch-britische Gemeinschaftsflugzeug die Kontinente mit zweifacher Schallgeschwindigkeit. Hier ist die Zukunft schon wieder Geschichte.

In einem anderen Bereich könnte der Überschall aber eine zweite Chance bekommen, meint Volker Gollnick: "Es gibt tatsächlich auf Grund der Wirtschaftsentwicklung einen Markt  für kleine Überschallflugzeuge in der Größenordnung ungefähr zwischen acht und 20 Sitzen. Hier kann man im individuellen Charterbetrieb, aber auch im Linienbetrieb tatsächlich einen wirtschaftlichen Betrieb gewährleisten."

Fliegen werden diese kleinen Überschall-Maschinen aber nach wie vor mit Piloten. Auch das autonome Fliegen scheint bei großen Passagiermaschinen noch in weiter Ferne. Allerdings ist denkbar, dass im Jahr 2050 nur noch ein Pilot die Maschine fliegt - und der Co-Pilot wegrationalisiert wird.

Bei kleinen Fluggeräten wird autonomes Fliegen allerdings schon heute erprobt. Gerade erst hat die Bruchsaler Firma Volocopter eine große Drohne im Wüstenstaat Dubai autonom fliegen lassen.

Passagierdrohnen für das Wüstenemirat

Pionier der autonomen Luftfahrt? Alex Zosel vor der Passagierdrohne Volocopter VC200

Pionier der autonomen Luftfahrt? Alex Zosel vor der Passagierdrohne Volocopter VC200

Die Drohe ist ungefähr zwei Meter hoch und der Rahmen hat einen Durchmesser von acht Meter, auf dem 18 kleine, batteriebetriebene Propeller sitzen. In der Kabine haben zwei Personen Platz. Darin sollen in einigen Jahren Menschen über Dubai schweben und beispielsweise den Weg vom Flughafen in die Innenstadt in wenigen Minuten zurücklegen.

Alexander Zosel, dessen Firma den Volocopter vermarktet, weiß, was der Wüstenstaat sich davon erhofft: "Dubai hat sich auf die Schultern geschrieben, sie wollen die smartest City der Welt sein. Eines ihrer großen Ziele ist, bis 2030 25 Prozent des Massenverkehrs autonom zu gestalten. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es eigentlich ein autonomes Lufttaxi."

Der große Wurf in 100 Jahren?

Doch ob es dafür auch einen großen Markt gibt? Andreas Strohmayer von der Uni Stuttgart forscht zu solchen kleinen autonomen Fluggeräten. Ihm ist aber auch klar, dass sie die Luftfahrt bis zum Jahr 2050 nicht revolutionieren werden. Vorher müssen andere Probleme gelöst werden. "Flugzeuge werden leiser sein. Wir werden auch Vehikel sehen, die elektrisch oder hybrid-elektrisch betrieben werden, die Stadtzentren mit dem Umland verbinden. Aber radikal neue Flugzeuge, unkonventionelle Konfigurationen, würde ich in den kommenden 20 bis 30 Jahren nicht erwarten."

Wirklich große Veränderungen wie Flugzeuge, die ganz andere Formen haben und vielleicht teilweise durch den Weltraum fliegen, wird es vielleicht in 100 Jahren geben.

Von Wolfgang Brauer, SWR Wirtschaft und Soziales | Online: Michael Herr