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Falsche Verbrauchswerte beim 911er? Wie groß der Schaden für Porsche sein könnte

Der niedrige Verbrauch war noch nie ein Argument für Sportwagen - die Angaben der Hersteller müssen aber stimmen. Der Stuttgarter Autobauer Porsche hat sich wegen falscher Werte selbst angezeigt. Das könnte Konsequenzen haben.

Ein Porsche Mitarbeiter geht an der Produktionsstraße entlang

Mehrere Zehntausend Porsche laufen allein vom Modell 911 jedes Jahr vom Band.

Jeder Liter Benzin, den ein Auto mehr verbraucht, bedeutet auch: einen höheren CO2-Ausstoß. Porsche hat die zuständigen Behörden nach eigenen Angaben selbst informiert, dass die Werte abweichen.

Fragen an Michael Wegmer, SWR Aktuelle Wirtschaft

Welche Autos sind betroffen?

Ein Mitarbeiter des Automobilherstellers Porsche im Werk der Porsche AG in Stuttgart an einem Fahrzeug vom Typ 911.

Ein Porsche-Mitarbeiter arbeitet im Stuttgarter Werk an einem Modell 911.

Es geht um das Sportwagen-Modell 911, einen der Porsche-Klassiker. Das Magazin Spiegel schreibt, die Baujahre 2016 und 2017 seien betroffen. Autos dieser beiden Baujahre sollen mehr Sprit verbrauchen als im offiziellen Datenblatt angegeben. Der Stuttgarter Autobauer selbst sagt, dies könne man nicht bestätigen.

Porsche gibt zu, es gebe Unregelmäßigkeiten. Das habe man bei internen Untersuchungen rund um so genannte Ausrolltests festgestellt - und zwar beim Windwiderstand. Wird der Windwiderstand zu niedrig berechnet, verbraucht ein Auto auf der Straße mehr Sprit als angegeben und stößt damit auch mehr Schadstoffe aus.

Der Verbrauch eines Autos wird im Labor berechnet, also unter theoretischen Bedingungen, ohne Wind, ohne den Widerstand der Reifen beim Rollen auf der Straße. Diese Werte müssen dann in die Laborberechnung mit rein, und wenn da ein Wert falsch angesetzt wird, dann verfälscht das die gesamte Berechnung.

Was sagt Porsche dazu?

"PORSCHE"-Schriftzug auf Firmenfassade

Porsche hat sich selbst angezeigt: Aktive Information gehöre zur Firmenkultur.

Porsche bestätigte dem SWR zwar die Selbstanzeige, nennt aber keine Details zu betroffenen Modellen oder Stückzahlen. Solche Infos lägen im Augenblick noch nicht vor.

In einer aktuellen Unternehmens-Mitteilung heißt es: Nachdem die Abweichungen beim Windwiderstand festgestellt worden seien, habe man diese Information sofort an die zuständigen Behörden übergeben.

Ein Unternehmenssprecher sagte, im Augenblick würden weitere Test laufen, um das konkrete Ausmaß der Abweichungen festzustellen. Diese könnten einige Wochen dauern.

Was heißt das jetzt für Porsche?

Das kommt darauf an, was die internen Tests bei Porsche ergeben und wie groß die Abweichungen tatsächlich sind. Weichen die Werte der entsprechenden 911er mehr als zehn Prozent von den offiziell genannten Werten ab, würde das einen Mangel bei einem Neuwagen darstellen, so hat der Bundesgerichtshof entschieden. Mangel heißt Wertminderung. Und dann hätten Kunden vermutlich Anspruch auf Schadenersatz und im für Porsche schlimmsten Fall vielleicht sogar auf eine Rückabwicklung des Kaufs.

Außerdem droht eine Strafe pro Auto, immer dann, sollte sich herausstellen, dass bei der Zulassung eines Autos mit falschen Werten gearbeitet worden ist. Das können ein paar tausend Euro pro Wagen sein. Und um mal eine Zahl zu haben, um wie viele Autos es gehen könnte: Vom 911er hat Porsche nach eigenen Angaben allein im ersten Halbjahr 2018 mehr als 21.000 Stück verkauft, also keine Kleinigkeit.

Online: Jutta Kaiser