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Fast 400.000 Reisende im Fernverkehr pro Tag Fahrgastrekord bei der Bahn

Die Deutsche Bahn hat einen neuen Fahrgastrekord im Fernverkehr aufgestellt. Doch es fehlt an Personal und Material. Zudem verdient das Unternehmen an vielen Fahrgästen nur wenig.

ICE

Die Deutsche Bahn erzielt einen neuen Fahrgastrekord im Fernverkehr.

Die Bahn ist unpünktlich und unzuverlässig, aber beliebter denn je. Jedenfalls wenn man die Zahl der Fahrgäste im Fernverkehr betrachtet. Die ist so hoch wie nie zuvor, berichten verschiedene Zeitungen und Zeitschriften. Demnach steigen jeden Tag fast 400.000 Menschen in Deutschland in einen Intercity, Intercity Express oder andere Fernzüge. Vor allem Sparpreise hätten die Kunden angelockt, darunter Tickets, mit denen man für 19,90 Euro quer durch Deutschland fahren kann.

Fragen an Tobias Frey, SWR Wirtschaftsredaktion

Verdient die Bahn an den Sparpreis-Tickets noch etwas?

Nein, damit verdient die Bahn wirklich fast nichts mehr. Mit einer Bahncard 25 oder 50 sparen Fahrgäste noch einmal 25 Prozent, das heißt also, diese Spar-Tickets gibt es teilweise für rund 15 Euro. Zieht man die Kosten für Personal und Wagenmaterial ab, bleibt da nicht viel übrig. Allerdings kann die Bahn auch nicht so einfach die Preise erhöhen, denn es gibt mittlerweile eine ziemlich starke Konkurrenz. Die Fernbusse sind eine echte Alternative zur Bahn geworden und auch immer mehr Billig-Airlines wie zum Beispiel Easyjet fliegen quer durch Deutschland - und das für relativ wenig Geld. Da muss die Bahn eben auch auf niedrige Preise setzen.

Hat die Bahn derzeit genügend Personal und Züge?

Endersbacher Bahnhofsuhr zeigt 16:15 Uhr

Die Züge der Deutschen Bahn sind oftmals unpünktlich.

Nein, definitiv nicht. Es fehlt an allen Ecken und Enden und deshalb fallen so häufig Züge aus oder sind unpünktlich. Das Wagenmaterial ist veraltet, die Dienstpläne sind auf Kante genäht und wenn ein paar Lokführer oder Zugbegleiter krank werden, dann müssen Verbindungen gestrichen werden. Die Bahn hat mittlerweile darauf reagiert: Es wurden neue Züge bestellt, und es sollen in diesem Jahr auch wieder einige zehntausend Mitarbeiter eingestellt werden. Aber es dauert noch, bis die neuen Züge da sind und bis die Bahn auf dem leergefegten Arbeitsmarkt fündig wird.

Wer kann diese 19-Euro-Tickets überhaupt nutzen?

Die Tickets müssen frühzeitig gebucht werden, denn es gilt bei den Sparpreisen das Motto: "Wenn sie weg sind, sind sie weg" - und dann steigen die Preise. Es ist das sogenannte dynamische Preissystem, das gibt es auch bei Fluggesellschaften: Anfangs, wenn noch viele Tickets da sind, sind die Preise niedrig. Je mehr Menschen buchen, je mehr Tickets verkauft werden, umso höher werden die Preise. Deshalb empfiehlt es sich auch immer, so früh wie möglich zu buchen. Also wer morgen oder übermorgen ganz spontan zum Beispiel von Mainz nach Hamburg fahren möchte, der muss aktuell mindestens 90 Euro bezahlen.

Wo wird das Geld, das die Bahn braucht, in den nächsten Jahren herkommen?

Ein Intercity (IC) fährt am 02.10.2012 in der Nähe des Hauptbahnhofs in Hamburg.

Die Waggons der Deutschen sind teilweise sehr alt.

Das ist die große Frage und bislang gibt es dazu noch keine richtige Lösung. Viele sagen, die Politik muss Geld beisteuern, also der Bund soll die Bahn jedes Jahr mit Finanzspritzen in Milliardenhöhe unterstützen. Andere sagen, die Bahn sollte ihre Tochterfirma Arriva verkaufen. Die ist für das Bus- und Bahngeschäft im Ausland zuständig. Da könnten durch den Verkauf mal kurz vier Milliarden Euro in die Kasse kommen. Allerdings ist Arriva profitabel, und es stellt sich die Frage, ob man sich von einem erfolgreichen Tochterunternehmen trennen sollte. Es gibt also viele offene Fragen.


Autor: Tobias Frey, Aktuelle Wirtschaft | Online: Thomas Oberfranz