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EU-Rettungsschirm eingeklappt Warum Griechenland ein Sorgenkind bleibt

Die Zeit der Hilfskredite ist vorbei, in Zukunft muss Griechenland sich selbst finanzieren - und braucht dafür Investoren. Wir erklären, warum die Suche schwer werden wird.

Kirche in Griechenland

Urlaub in Girechenland bringt dem Land wichtige Einnahmen, löst aber keine Probleme.

Jahrelang stand das hoch verschuldete Griechenland unter dem Schutzschirm der Europäischen Union, bekam Kredite in Milliardenhöhe. Aber die Hilfsprogramme sind beendet, Griechenland muss sehen, wie es in Zukunft allein bestehen kann.

Fragen an Eva Röder, SWR Aktuelle Wirtschaft:

Griechenland braucht Geld - Wer könnte in das Land investieren?

Eine griechische Flagge vor einem Haufen Euro-Scheine.

Griechenland ist immer noch schwer verschuldet, muss sich aber jetzt selbst finanzieren.

Griechische Staatsanleihen sind am Markt platziert und versprechen 4,3 Prozent Rendite - das ist richtig viel. Wahrscheinlich werden trotzdem erst mal nur Hedgefonds-Manager und andere Anleger kaufen, die auf riskante Papiere spezialisiert sind. Wie viel finanziellen Spielraum das den Griechen bringen wird, steht in den Sternen. Das Land muss seine Wirtschaft in Gang kriegen. Das funktioniert noch nicht, denn das meiste Geld geht für Schulden drauf.

Dazu kommt, dass im nächsten Jahr in Griechenland eine neue Regierung gewählt wird. Die Parteien wissen, welch heftige Einschnitte die Bevölkerung hinnehmen musste in den letzten Jahren. Es ist davon auszugehen, dass die Parteien den Bürgern im Wahlkampf etwas entgegen kommen und den straffen Reformkurs nicht wie jetzt beibehalten werden.

Auch Deutschland hat Griechenland unterstützt. Haben wir daran verdient?

Die Abgeordneten stimmen über weitere Griechenland Hilfen ab

Jahrelang trug auch Deutschland immer wieder Kredite an Griechenland mit.

Deutschland hat seit 2010 knapp drei Milliarden Euro an den Zinsen für Griechenland-Kredite verdient. Aber Deutschland gehört auch zu den internationalen Gläubigern, die Griechenland Schuldenerleichterungen von 34 Milliarden Euro zugestanden haben.

Außerdem sind Milliarden in den europäischen Rettungsschirm geflossen, um Griechenland Geld zu niedrigeren Zinsen als üblich zu leihen. Dieses Geld kommt erst in vielen Jahren zurück - nach dem aktuellen Stand.

Wie kann Griechenland seine Schulden ohne Rettungsschirm bewältigen?

das Parlamentsgebäude in Athen

Kommendes Jahr stehen Parlamentswahlen an - ein Ende des harten Sparkurses in Athen?

Das hängt von den nächsten Jahren ab. Das Rating für griechische Staatsanleihen ist nach wie vor nicht so gut, dass einschlägige Investoren sie kaufen.

Frisches Geld braucht Griechenland aber, um die Wirtschaft zu stabilisieren - gerade, wo unsicher ist, wie es nach den Parlamentswahlen 2019 politisch weitergehen wird.

Die Schulden sind momentan noch höher als zum Höhepunkt der Krise, sie liegen 180 Prozent über dem Bruttoinlandsprodukt. Die zulässige Obergrenze nach den Regeln des Europäischen Stabilitätspakts liegt bei 60 Prozent. Mit diesem Schuldenstand ist es schwer, eine Wirtschaft zum Laufen bringen.

Ein Schuldenschnitt muss her, sagen die meisten Ökonomen, nur: Den müssten die Euroländer dann ihrer Bevölkerung verkaufen, das würde sicher nicht leicht.

Hilft es Griechenland, wenn wir verstärkt dort Urlaub machen?

Es ist nicht so, dass Reisen nach Griechenland billiger werden. Aber wenn der Tourismus boomt, kommen in diesem Bereich vielleicht ein paar mehr Arbeitsplätze zustande, die woanders fehlen. Und schöne Tage am Strand und leckeres Essen hat das Land jedenfalls zu bieten.

Autorin: Eva Röder, SWR Aktuelle Wirtschaft / Online: Jutta Kaiser