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EU-Ausschuss zu Neonikotinoiden Deutschland will Insektengift-Verbot zustimmen

Ein EU-Ausschuss soll heute entscheiden, ob Landwirte einige umstrittene Insektengifte weiter gegen Schädlinge einsetzen dürfen. Sie können auch Bienen und Hummeln töten.

Traktor versprüht Spritzmittel

Neonikotinoide werden etwa gegen Kartoffelkäfer eingesetzt.

Sogenannte Neonikotinoide sind für Landwirte eine gute Sache, könnte man meinen - denn mit Hilfe der Insektengifte werden sie Schädlinge los. Das Problem: Sie vernichten auch Nützlinge.

Neonikotinoide: Überbegriff für Insektengifte

Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata)

Der Kartoffelkäfer ist in der Lage, ganze Felder zu vernichten.

Die Blattlaus, der Kartoffelkäfer und die Kohlfliege sind nur drei von zahlreichen berüchtigten Insekten, die den Landwirten das Leben schwer machen.

Viele Bauern sind deshalb froh, dass sie eine Art Wunderwaffe gegen diese Schädlinge haben - die Neonikotinoide. Diese Insektengifte lassen sich auf dem Rapsfeld genauso einsetzen wie auf dem Kartoffelacker, im Weinberg oder der Obstplantage.

Eingriff ins zentrale Nervensystem

Hinter dem Sammelbegriff steht eine ganze Gruppe hochwirksamer Insektenschutzmittel. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie in das zentrale Nervensystem der Schädlinge eingreifen und sie so töten.

Die Mittel lassen sich spritzen oder bereits mit dem Saatgut ausbringen, dann hat die Pflanze den Wirkstoff gespeichert und bekämpft die Schädlinge von innen.

Segen für Landwirte - Fluch für Umweltschützer

Tote Biene liegt neben einem Blatt

Einige Schädlingsbekämpfungsmittel tragen zum Bienensterben bei.

Für viele Landwirte sind die Neonikotinoide ein Segen, Umweltschützer und Imker sehen sie dagegen als Fluch an.

Die Mittel stehen im Verdacht, neben Schädlingen auch nützliche Insekten wie Honigbienen, Wildbienen und Hummeln zu schädigen. Unter anderem sollen sie die Lern- und Erinnerungsfähigkeit der Honigbiene verschlechtern und bei der Hummel für weniger Nachkommen sorgen.

Doch erst seit die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, EFSA, kürzlich drei der Mittel als bienengefährlich eingestuft hat, mehren sich die Stimmen für ein Verbot auch in der Politik.

Verbot würde nur im Freiland gelten

Heute könnte in Brüssel der zuständige Fachausschuss zumindest drei der Gifte verbieten. Deutschland hat seine Zustimmung dazu angekündigt. Allerdings würde das Verbot nur im Freiland gelten, in Gewächshäusern wäre der Einsatz der Mittel weiterhin erlaubt.

Autor: Dominik Bartoschek, SWR Umwelt und Ernährung | Online: Jutta Kaiser

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