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Erstes Open-Source-Gemüse in Deutschland Eine Tomate, frei für Alle

Open-Source, freier Zugang, kennen wir aus der Computerwelt. Nun wird die erste Open-Source-Tomate in Deutschland vorgestellt - eine kleine Revolte gegen die großen Saatgut-Konzerne.

Tomate "Sunviva"

Tomate "Sunviva" - von sonnengelb bis tomatenrot

Eine kleine rote Cocktail-Tomate - süß und saftig, so wird sie angepriesen. Aber ihr viel wichtigeres Markenzeichen, eine Open-Source-Lizenz, lässt sich nicht schmecken. Oder doch? Wo die industrielle Züchtung sich auf eine Sorte konzentriert, die flächendeckend überall gedeihen muss, damit es wirtschaftlich ist, sagen die Ideengeber für die Tomate "Sunviva", wir brauchen viele verschiedene Sorten, denn die Geschmäcker sind verschieden. Und Klima und Boden in den Regionen sind auch verschieden.

Verwässerter Einheitsgeschmack gegen individuell-charakteristische Note

Tomatenpflanzen unter einem Dach im Garten

Ein Dach für die Tomaten verhindert die Kraut- und Braunfäule der Pflanzen

Open-Source, freier Zugang - für die robuste Biotomate "Sunviva" bedeutet das: Man kann sie kaufen, säen, ernten, Samen daraus ziehen und wieder säen oder weitergeben - alles unentgeltlich. Im Gegensatz dazu haben industrielle Züchtungen Sorten- und Patentschutz. Und den lassen sich die Konzerne bezahlen. Genau vor solchen Eigentumsansprüchen ist "Sunviva" mit der Open-Source-Lizenz geschützt. Denn die Lizenz schreibt vor, dass das Saatgut nur im Sinne von Allgemeingut weitergegeben werden darf, eine Privatisierung wird dadurch verhindert.

Groß-Konzerne dominieren bislang Saatgut-Markt

Saatkonzerne

Multinationalen Konzerne handeln mit Saatgut

Denn aktuell sind über 70 Prozent des Saatgut-Marktes von nur zehn Konzernen bestimmt. Open-Source-Saatgut soll nach der Idee der Initiatoren darauf die Antwort sein, damit nicht einige wenige Global Player bestimmen, was wir heute und in Zukunft anbauen und essen werden. Neben der Cocktailtomate gibt es derzeit auch noch einen Sommerweizen mit der "Lizenz zum Allgemeingut".

Open-Source-Saatgut soll stetig weiter wachsen

Die Open-Source-Seed-Idee denkt dabei weniger an Hobbygärtner, sondern vor allem an Landwirte und ihre Abhängigkeit von Saatgutkonzernen: Bei der Weizenernte etwa etwas zurückbehalten, um es im nächsten Jahr wieder auszusäen, das geht mit den heutigen Hybridsorten entweder gar nicht, oder es muss extra dafür gezahlt werden. Open-Source-Weizen will genau diese stetige Weitergabe des Saatguts möglich machen - und zwar unentgeltlich.

Tomaten-Premiere für Deutschland

Tomatenpflanze

Auch "Open-Source"-Tomaten mögen Sonne, aber kein Wasser

In dem Team, dass diese erst mal kleine Lizenz-Revolte gegen die Großen in der Saatgutindustrie entwickelt hat, arbeiten viele, die aus der Entwicklungshilfe-Arbeit kommen. Sie beobachten, dass die großen Konzerne hier längst mit eigenen Patenten versuchen, Kapital zu schlagen - etwa aus Neem-Baum oder Kurkuma. Oder dass den Kleinbauern in Entwicklungsländern mit Freihandelsabkommen gebührenpflichtiges Saatgut aufgezwungen wird.

Damit und mit der Frage der Sortenvielfalt berührt Open-Source-Saatgut auch die Welternährung. Für Deutschland ist es ein Anfang. In den USA gibt es die "Open-Source-Seed"-Bewegung schon seit einigen Jahren. Dort kann man inzwischen rund 30 verschiedene freie Saaten kaufen.

Alice Thiel-Sonnen, SWR Umwelt und Ernährung | Online: Lutz Heyser

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