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Edelgemüse unter Folie Tonnen von Plastikmüll für frühen Spargel

Spargel ist ein begehrtes Gemüse - am besten schmeckt er aus heimischem Anbau. Doch wo das feine Stangengemüse angebaut wird, sieht man Plastikfolien bis zum Horizont.

Mit Folien bedecktes Spargelfeld

Früher Spargel, das bedeutet auch kilometerlange Plastikplanen.

Spargel ist längst kein Saisongemüse mehr. Fast das ganze Jahr über gibt es ihn aus Griechenland, Spanien, den Niederlanden, aus Polen, Ungarn und Peru. Doch die Deutschen wollen viel lieber den deutschen Spargel. 80 Prozent des Spargels, den wir essen, stammt aus deutschem Anbau. Das geht nur, weil die meisten Spargelbauern in die Trickkiste greifen: Gigantische Folien verwandeln Tausende von Feldern in der Republik in Plastikwüsten.

Frühe Spargelernte bedeutet mehr Ertrag für die Bauern

Spargelernte

Keine verfärbten Spargelspitzen dank Folie

Bis zu drei Schichten Folie liegen auf und zwischen den Spargeldämmen und heizen die Erde darunter auf zehn bis zwölf Grad auf - wie im Treibhaus. Dann sprießt der Spargel früher und kann schon ab Ende März gestochen werden. Frühere Ernte, das bedeutet für die Gemüsebauern: Garantie für mehr Ertrag - und ein Bombengeschäft, denn die Spargelsaison hat jedes Jahr dieselbe Deadline, den 24. Juni.

Für die Bauern hat der Folienspargel nur Vorteile: Sie sparen sich einen täglichen Rundgang und ernten nur dann, wenn sie wollen. Denn unter der Folie können die Spargelspitzen nicht lila werden, so wie im Freiland. Und die Kunden scheint es nicht zu interessieren, ob sie Spargel vom Folienacker kaufen oder nicht. Nur Puristen wie der mittlerweile verstorbene Gourmet-Papst Wolfram Siebeck sind strikt gegen Folienspargel - und natürlich Umweltschützer und Vogelfreunde. Sie klagen zu Recht, dass die plastikversiegelten Spargeläcker als Lebensraum für Vögel und Bienen komplett wegfallen.

Irgendwann landen alle Folien im Müll

Spargelernte

Nur selten werden die Folien recycelt.

Interessant ist auch, was mit den Folien passiert, wenn sie ausgedient haben. Selbst wenn sie mehrere Jahre wiederverwendet werden, irgendwann hat auch die beste Plastikplane auf dem Spargelacker ausgedient und landet bestenfalls in der Müllverbrennung. Denn Sand und Erde an der Folie machen ein Recycling meist unmöglich.

Wie viele tausend Tonnen Plastikplanen so jedes Jahr beseitigt werden müssen, kann man nur ahnen. Statistiken dazu gibt es nicht. Aber diese Berge von Plastikmüll sind der Preis, den die Umwelt zahlen muss für unsere Lust am Edelgemüse Spargel.

Elke Klingenschmitt, SWR Umweltredaktion | Online: Stefan Heinz