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SENDETERMIN Di, 16.4.2019 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Duftstoff-Allergien Wenn der Lufterfrischer zur Gefahr wird

Ob bei Hundegeruch oder Gardienenmief: Lufterfrischer sollen in Räumen für einen angenehmen Duft sorgen. Doch die unsichtbaren Stoffe können der Gesundheit massiv schaden.

Ein frischer Zitronenduft in der Toilette oder ein süßlicher Geruch im Kaufhaus - kaum einer hat dagegen etwas einzuwenden. Raumerfrischer sind bei den Deutschen sehr beliebt: 4,3 Millionen Menschen verwendeten 2018 regelmäßig Duftstoffe.

Albtraum für Allergiker

Verschiedene Produkte, die Raumdüfte verbreiten

Erhalten mindestens einen allergenen Stoff - verschiedene Lufterfrischer

Den Raumerfrischern kann man also kaum entkommen. Was viele Leute gut finden, ist für viele Allergiker ein Albtraum. Eike Mattukat etwa leidet sehr unter der Allgegenwart der unsichtbaren Stoffe. Kommt er mit ihnen in Kontakt, setzt sein Geruchsvermögen aus, seine Augen beginnen zu tränen. Teilweise leidet er unter Schwindelattacken und sogar Migräneanfällen.

Mit diesen Beschweren ist Eike Mattukat nicht allein. Durch den ständigen Kontakt mit den Duftstoffen entwickeln immer mehr Menschen eine Duftstoffallergie, weiß Allergologin Dr. Christiane Bayerl: "Eine solche Allergie haben die Betroffenen nicht einfach, sie entwickeln sie über Jahre. Für Personen, die ohnehin zu Allergien neigen, wird es oft bei jedem Kontakt schlimmer. Am Anfang stehen manchmal nur rote Bäckchen, beim nächsten Mal fängt es an zu jucken, beim dritten Kontakt kann schon die Haut schuppen."

Düfte beeinflussen das Hormonsystem

Eine Person bedient eine Spraydose, in der linken Bildhälfte Namen von Allergenen

26 in Raumdüften erhaltenen Stoffen wird eine allergene Wirkung nachgesagt.

Nicht umsonst findet sich auf den Diffusoren oder Duftsteckern der Hinweis "Reizende Stoffe" und "Umweltgefahr". Doch die Duftstoffe können auch für Nichtallergiker zur Gefahr werden, sagt Marike Kolossa, Toxikologin beim Umweltbundesamt: "Viele der Mittel beeinflussen das Hormonsystem, einige wirken auf Organe und können die Leber schädigen. Sogar die Fruchtbarkeit kann darunter leiden."

Viele der Stoffe seien bislang allerdings noch zu wenig untersucht, um die Gefahr genau einschätzen zu können. 3.000 verschiedene Substanzen kommen in den Raumerfrischern zum Einsatz - doch nur 26 davon müssen überhaupt gekennzeichnet werden, weil ihre allergieauslösende Wirkung bekannt ist.

Marktcheck macht eine Stichprobe: Wir kaufen sechs Raumerfrischer. Alle Produkte enthalten mindestens einen der kennzeichnungspflichtigen Wirkstoffe. Die meisten enthalten mehrere. H&M deklariert die Inhaltsstoffe auf der Verpackung überhaupt nicht. Eine Gefahr für Allergiker. Eine Erklärung dafür bleibt das Unternehmen auf Nachfrage schuldig.

Allergene in den untersuchten Lufterfrischern

iPuro (ipuro cotton fields): Acetylcedren, 7-Hydroxycitronellal, Cumarin, Geraniol, Citronellol, Linalool, 4-(4-Hydroxy-4-methylpentyl)cyclohex-3-enecarbaldehyd, α-Isomethylionon
Air wick Aroma Diffuser "Fühl dich wohl": Cumarin, Hydroxy-4-methylpenyl, Linalool, Limonene
Air Wick Traumziele Karibischer Mangotraum: Parfum, Linalool, Limonene, Citronellol, Benzyl salicylate, Citral
Glade Discreet Bali Sandelholz und Jasmin: Vanillin, 3-Methy-4-(2,6,6-trimethyl-2-cyclohexen)-3-buten-2-on, Ionon Methyl, ®-p- Mentha, 1,8 dien, Hexenylsalicylat, 2,4 Dimethylcyclohex-3-en-1-carbaldehyd, Isoeugenol
Denk mit Automatisches Duftspray Organgenzauber & Zitrone: Linalool, Citral, Geraniol
Rituals: Cis-4-Tert-Butylcyclohexyl Acetate, Citronellol, Tetramethyl Acetyloctahydronaphthalenes, Gerianol, Alpha-Isomethyl Ionone, Geranyl Acetate, Nerol


Die meisten sind sich der Gefahr nicht bewusst

Ekzeme auf einem Arm als allergische Reaktion auf Duftstoffe

Bei Kontaktallergikern können Duftstoffe großflächige Ekzeme auslösen

Einige der Duftstoffe reagieren zudem mit Sauerstoff, andere mit der UV-A Strahlung der Sonne. Die Folgeprodukte, die hierdurch entstehen, können schwere Hautekzeme auslösen. Viele wissen bislang allerdings gar nicht, dass sie zu einer Duftstoffallergie tendieren. Während viele mit Cremes und Parfüms vorsichtig umgehen, fehlt den meisten bei Düften das Gefahrenbewusstsein.

Toxikologin Mareike Kolossa empfiehlt daher, auf den Einsatz der Duftstoffe vollkommen zu verzichten: "Wer Raumerfrischer einsetzt, verschlechtert die Qualität seiner Innenraumluft."

Der sicherste Weg zum angenehmen Raumklima ist weiterhin Durchlüften. Zwei Mal fünf Minuten am Tag reichen schon aus. Diese Strategie fährt auch Allergiker Eike Mattukat. Und in der Öffentlichkeit bleibt ihm oft nichts anderes übrig, als Räume mit Lufterfrischern zu meiden.

Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder

Filmautorin: Annika Erbach | Online: Michael Herr
© SWR Marktcheck