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Deutsche Weine erobern Japan Riesling zum Reis

In Japan sind Weine aus dem Südwesten beliebt. Allerdings waren südamerikanische Weine im Fernen Osten bislang im Preisvorteil. Das Freihandelsabkommen Jefta könnte das nun ändern.

Auf einer Party in Tokio stoßen Gäste mit Rotwein an

In Japan finden europäische Weine großen Zuspruch - wie auf dieser Party in Tokio.

Die Japaner lieben Deutschland, vor allem die Burgen, Fachwerkhäuser und den Rhein. Doch auch deutscher Wein genießt dort einen guten Ruf. Allerdings sind die Mengen, die dort getrunken werden, längst nicht so groß wie auf anderen Auslandsmärkten.

Das könnte sich jetzt ändern: Denn Anfang Februar tritt das Freihandelsabkommen Jefta zwischen der EU und Japan in Kraft. Darin steht unter anderem, dass Japan auf europäische Weine künftig keine Zölle mehr erhebt. Damit wird das Land zu einem attraktiven Absatzmarkt für viele Winzer im Südwesten.

Klassische Rebsorten sind besonders beliebt

Winzer Klaus Muth aus Alsheim bei Worms

Winzer Klaus Muth aus Alsheim setzt große Hoffnungen auf das Handelsabkommen Jeta.

Einer, der große Hoffnungen auf das Land der aufgehenden Sonne setzt, ist Klaus Muth, Winzer aus Alsheim bei Worms. Er sitzt in der Vinothek seines Weinguts. Vor sich auf dem Tisch hat er vier Flaschen, die schon bald ihre Reise Richtung Fernost antreten werden: "Das sind Sorten, deren Rebsorte in Japan bekannt sind und die man irgendwo auch mit Deutschland verbindet. Dazu gehört natürlich der Riesling, aber auch Gewürztraminer ist in Japan ein Begriff. Eine Rebsorte, die weniger Säure, dafür mehr Aromen und ein starkes Bouquet hat, und deshalb durchaus zu würzigen, scharfen Speisen passt."

Ein Blick auf den Mittelrhein, durch Weinlaub hindurch

Rhein und Reben - dafür schätzen immer mehr Japaner das Mittelrheintal.

Etwa jede fünfte Flasche seines Weinguts exportiert Klaus Muth schon heute nach Ostasien, viele davon landen dann in Japan. Künftig sollen es noch viel mehr werden. Dank des Freihandelsabkommens Jefta sinkt der Zollsatz für europäische Weine von 15 auf Null Prozent. Die Japaner zahlen also künftig deutlich weniger für den deutschen Wein. Der Winzer aus Alsheim ist überzeugt, dass das den Absatz steigern kann.



Jefta macht deutsche Weine wettbewerbsfähig

Ähnlich denkt auch Ulrike Lenhardt. Sie beobachtet für das Deutsche Weininstitut den Japanischen Markt. Das Land ist schon heute nach China der zweitwichtigste Exportmarkt für deutschen Wein in Asien. Allerdings litt der Absatz in den vergangenen Jahren unter der Konkurrenz aus Übersee, vor allem aus Chile. Jefta dürfte jetzt wieder einen Aufschwung bringen, meint die Weinexpertin.

Weintraube am Rebstock

Riesling und Spätburgunder sind beliebte Rebsorten in Japan.

Gelingen dürfte das derzeit am besten mit Riesling, der in Japan sehr populär ist. Ein Vorteil also für Winzer aus Rheinhessen, der Pfalz oder von der Mosel, wo die Rebsorte weit verbreitet ist.

Aber auch badische Winzer können in Japan punkten, denn zuletzt hat der Spätburgunder dort viele Anhänger gefunden. Und selbst traditionelle Sorten aus Württemberg finden in Japan mittlerweile ihre Fans, sagt Ulrike Lenhard. Auch Trollinger und Lemberger seien ihr neulich auf einer Weinkarte in Japan über den Weg gelaufen.

Japaner wollen Klasse statt Masse

Werbematerial des deutschen Weininstituts in japanischer Sprache

Fremde Sprache, bekannte Motive: Deutsche Winzer werben mittlerweile auf Japanisch.

Doch nicht nur die Vielfalt und die Masse machen den japanischen Markt interessant, erklärt die Weinexpertin: "Im Jahr 2018 wurden 23.000 Hektorliter nach Japan exportiert, zu einem durchschnittlichen Preis von 4,68 Euro pro Liter. Der Durchschnittspreis der gesamten Exporte von Weinen aus Deutschland liegt bei nur 3 Euro pro Liter."

Die Japaner sind also bereit, viel Geld für Wein auszugeben. Und Jefta macht deutsche Weine ausgerechnet für diesen Markt noch attraktiver. Ein Glücksfall, findet Winzer Klaus Muth: "Da ist es natürlich eine tolle Hilfe, wenn das eigene Produkt ohne eigenes Zutun dort 15 Prozent günstiger wird im Einkauf."

Dominik Bartoschek, SWR Umwelt | Online: Michael Herr