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Preiswert, nützlich, gut? Sofas im Test

Eine Raumausstatterin nimmt drei Sofas aus unterschiedlichen Preiskategorien unter die Lupe. Das Innenleben der Sofas überrascht.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass wir im Schnitt rund zwölf Jahre unseres Lebens auf dem Sofa verbringen. Familie Mayer sucht ein neues Sofa und testet für uns drei Modelle. Reporterin Eva Röder hat für die fünfköpfige Familie ein günstiges Sofa für 288 Euro aus dem Internet, eines für 749 Euro aus dem schwedischen Möbelhaus sowie ein teures Sofa aus der Zweitlinie eines bekannten Designers für 1465 Euro gekauft. Zum Probesitzen lädt sich die Familie noch Freunde ein. Die Tester wissen nicht, welches Sofa wie viel gekostet hat.

Dabei gewinnt das teure Sofa mit 16 Stimmen. Das mittelpreisige Sofa erhielt zehn Stimmen, auf das günstige Sofa entfielen ebenfalls zehn Stimmen.

In der Rückenlehne eines aufgeschnittenen Sofas stecken bunte Schaumstoffkugeln. Die Sitzfläche besteht aus einer Schaumschoffplatte.

In der Rückenlehne des Sofas wurden Reste verwertet.

So sehen die Sofas von innen aus

Eva Röder schaut sich zusammen mit der Raumausstattermeisterin Natalie Netzer das Innenleben der drei Sofas an. Dazu werden die Sitzmöbel auseinandergebaut und zersägt. Die Bezüge des teuren und des günstigen Sofas bestehen zu 100 Prozent aus Polyester, der des mittelpreisigen Sofas zum überwiegenden Teil aus Naturfasern (71 Prozent Baumwolle, 21 Prozent Polyester, acht Prozent Viskose).

Im günstigsten Sofa steckt eine bunte Überraschung: Das Polster besteht aus einzelnen Polstertaschen, die mit buntem Schaumstoff gefüllt sind. Dabei handelt es sich um "ein Abfallprodukt von der Schaumstoffproduktion", sagt Netzer. Der Schaumstoff der Sitzfläche hat ein Raumgewicht von 28 Kilogramm pro Kubikmeter. Die Expertin hält das für zu weich und prognostiziert, das Sofa "wird innerhalb von zwei, drei Jahren durchgesessen sein." Unterhalb des Schaumstoffpolsters sind Federn angebracht. Auch diese hält die Raumausstatterin für zu schwach: "Diese Federn sollten eigentlich nur im Rücken verwendet werden", sagt sie.

Im Sitzkissen eines Sofas sind die Taschenfederkerne gut zu erkennen.

Die Taschenfederkerne sorgen für eine punktuelle Belastung.

Das mittelpreisige Sofa überzeugt Netzer am meisten. "Es ist sogar ein sogenannter Taschenfederkern drin. Das ist was recht Hochwertiges, sagt sie." Darüber ist eine Schaumschicht mit einem Raumgewicht von 35 Kilogramm pro Kubikmetern verarbeitet. Die nächst höhere Schicht enthält sogenanntem visko-elastischem Schaum, mit einem Raumgewicht von 50 Kilogramm pro Kubikmeter. Dieser Schaum hat einen Memory-Effekt, das heißt, wenn man ihn eindrückt, dauert es ein bisschen, bis er wieder zurückgeht. Im Rückenpolster sind viele kleine Wattekügelchen in Kammern untergebracht und abgenäht. "Das verhindert, dass das ganze Füllmaterial irgendwann nach unten sackt", sagt Netzer. Im Unterbau des Sofas hat der Hersteller sogenannte No-Sag-Federn, zu Deutsch "nicht durchhängen", verbaut. Das sei eine stabile Konstruktion, findet die Expertin.

Im hochpreisigen Sofa ist ausschließlich Schaumstoff verbaut, was die Expertin verwundert. "Es ist wirklich nur ein einziger Schaumstoffblock. (...) Um das ein bisschen zu stabilisieren haben wir eine Pappe", sagt Netzer. Zwar sei hochwertiger Kaltschaum verarbeitet, die Expertin befürchtet aber, sollte dieser irgendwann durchgesessen sein, "dann ist da keine Substanz mehr, dann ist wirklich das ganze Sofa reif für den Müll". Der Hersteller teilt dazu mit: "Hohes Volumen und Raumgewicht, […], hohe Stauchhärte und Prüfung nach DGM Güte- und Prüfbedingungen sprechen dagegen, dass hier der Schaumstoff im Laufe der Zeit seine Elastizität verlieren wird." Der Schaumstoff des Sitzpolsters hat eine Dichte von 37 Kilogramm pro Kubikmeter.

Im Querschnitt eines aufgeschnittenen Sofas sind die Schaumstoffe im Sitz- und Lehnenpolster zu erkennen.

Die Sitzfläche des teuren Sofas besteht nur aus Kaltschaum.

Das Teure Sofa - Made in Germany - überrascht auch beim Unterbau. An der Stelle, an der beim mittelpreisigen Sofa die No-Sag-Federn verbaut waren, befindet sich eine Pressspanplatte in Verbindung mit Multiplexholz. Das sind billige Materialien. Wir frage den Hersteller warum diese Materialien im teuren Designersofa verbaut wurden. Dieser antwortet: "Bodenplatten aus Spanplattenmaterial setzen wir seit Jahrzehnten ein […]. Auch umfangreiche Möbeltests […] zeigte(n) keine Schwachstellen oder Auffälligkeiten."

Kaufkriterien Sofa:

Diese Kriterien sollten Sie beim Kauf auf jeden Fall beachten:

  • Kaltschaum mit hohem Raumgewicht ist guter Schaumstoff
  • Wichtig ist ein solides Gestell, etwa aus massivem Buchenholz
  • Hochwertige Sofas sind nach den Anforderungen der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel geprüft

Außerdem sollten Sie die Produktinformationen ausführlich lesen und in Ruhe den Fachverkäufer befragen. Zudem empfiehlt es sich, Sofas in mehreren Möbelhäusern Probe zu sitzen. Bei der Gelegenheit lohnt es sich, auch gleich die Preise zu vergleichen.

Beim Kauf auf Siegel achten

Das Goldene M ist das Gütezeichen der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel für geprüfte Möbel. Diese Möbel erfüllen gewisse Kriterien in den Bereichen Qualität, Sicherheit sowie Gesundheit und Umweltschutz. Laut einer Aussage auf der Webseite der Gütegemeinschaft Möbel könne sich der Verbraucher darauf verlassen, "dass ein Produkt mit diesem Zeichen auf Herz und Nieren von einem unabhängigen Institut geprüft wurde." Eine Liste mit allen zertifizierten Herstellen finden Sie hier. Nicht nur Händler im stationären Handel sind zertifiziert, auch Onlineshops stehen auf der Liste.


Der Text gibt den Stand zum Sendedatum wieder.


Filmautoren: Marion Mayer und Sebastian Schiller | Online: Thomas Oberfranz
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