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Neue Abgastests machen Autobauern Probleme Darum haben Neuwagen längere Lieferzeiten

Wer zur Zeit ein neues Auto bestellen möchte, der kann schnell vor größeren Problemen stehen. Denn viele Hersteller nehmen derzeit keine Bestellungen mehr an, weil sie bestimmte Neufahrzeuge nicht richtig auf vorgegebene Abgasgrenzwerte testen können. Kunden drohen deutlich längere Wartezeiten.

Fragen an Jan Boris Rätz aus der SWR-Wirtschaftsredaktion.

Was ist das Problem für die Autoindustrie?

Die Autohersteller müssen jetzt ihre Benzinmotoren unter realistischeren Bedingungen auf Verbrauch und Abgas-Ausstoß testen lassen. Alle ab 1. September neuzugelassenen Fahrzeuge müssen durch diese neuen Labortests. Das Ganze ist viel aufwändiger als früher. Und die Anlagen, in denen das getestet werden kann, zum Beispiel beim TÜV, sind gerade völlig überlastet.

Man muss auch sagen, dass die Autohersteller das Ganze ein bisschen verschlafen haben. Der Fokus lag dort in letzter Zeit ganz klar auf der Bewältigung der Dieselkrise. Der Aufwand, der mit der Umstellung auf die neuen Labortests für Benziner zusammenhängt, wurde einfach unterschätzt. Denn auch bei Benzinern müssen jetzt Partikelfilter eingebaut werden - so wie das auch bei Dieselfahrzeugen der Fall ist. Und das hat Konsequenzen für die Produktionsketten bei den Herstellern.

Angenommen, ich will ein konkretes Modell mit individueller Ausstattung. Wie viel länger als normal muss ich warten?

Die Wartezeit hängt vom Hersteller und vom Modell ab. Bei Porsche können momentan nicht alle Modelle online konfiguriert werden. Da sollte man sich direkt an die Händler wenden, heißt es auf der Webseite. Bei BMW soll der 7er in der Benziner-Variante in Europa ein Jahr lang komplett aus dem Angebot genommen werden.

Das Problem haben aber alle Hersteller, und nicht nur für die Wagen der oberen Preisklasse. Ein Online-Portal für Neuwagen hat hunderte Händler befragt. Demnach können derzeit ganz viele Modelle nicht bestellt werden: Von Mazda und Toyota, über Kia und Renault, bis hin zu Volkswagen, Mercedes oder eben Porsche und BMW.

Können Kunden wegen der längeren Wartezeit einen niedrigeren Preis raushandeln?

Eher nein. Nach meinen Recherchen dürften Preisvorteile oder Nachlässe bei Benzinern eher die Ausnahme sein. Ein Experte sagte mir am Telefon, dass er sich nicht vorstellen könne, dass man für Autos Rabatte kriegt, die man gerade gar nicht bekommt. Allerdings könnte es die Möglichkeit bei Bestands- oder Lagerfahrzeugen geben. Da gilt: Einfach beim Händler direkt nachfragen, ob man was beim Preis machen kann.

Die Einschätzung von Professor Stefan Bratzel, Autoexperte am Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach: Die Automobilindustrie hat das Ausmaß der Neuerungen für Benziner unterschätzt.

Das führt tatsächlich dazu, dass bestimmte Fahrzeuge nicht mehr bestellbar sind - ein Zustand, der bis zu einem Produktionsengpass gehen kann, dass bestimmte Fahrzeuge eben nicht mehr produziert werden können und deswegen vielleicht Kurzarbeit eingeführt werden muss.

Es kommt sehr auf das Modell an, ob man Wartezeiten in Kauf nehmen muss. Für Kunden bedeutet das, dass sie entweder die Modelle kaufen müssen, die vorhanden sind - oder eben warten. Die Wartezeit kann durchaus ein halbes Jahr oder Jahr dauern.