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CMT 2019 Fahrverbote für Wohnmobile in Innenstädten

Städtetouren mit dem Reisemobil werden in Europa zunehmend schwieriger. Immer mehr Umweltzonen verbieten die Einreise, weil die meisten Caravane zu schmutzige Dieselantriebe haben.

1:21 min

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Fahrverbote für Wohnmobile

Jochen Braitinger

Freie Fahrt für freie Wohnmobile?

Die europäischen Metropolen wollen ihre Luftqualität verbessern. Deshalb werden in den letzten Jahren zunehmend Einfahrverbote - vor allem für dieselbetriebene Fahrzeuge - ausgesprochen. Viele Wohnmobile sind mit einem Dieselverbrenner älterer Art ausgestattet. Das kann bei der Planung einer Städtetour mit dem Caravan zum Problem werden.

Wo gibt es Fahrverbote?

Nicht nur deutsche Städte wie Stuttgart, Berlin oder Hamburg sind betroffen. Auch in Paris, Madrid oder Mailand gilt inzwischen für Diesel mit Euro-Norm 4 oder darunter zumindest zeitweise ein Einfahrtsverbot. Ausnahmegenehmigungen sind schwierig durchzusetzen. Nur als Anwohner einer betroffenen Umweltzone werden sie manchmal erteilt. Das ist beispielsweise in Stuttgart der Fall.

Zulassung keine Einfahrtsgarantie

Neue Wohnmobile mit Schadstoffklassen 6d-Temp oder darunter sind unter Ausnutzung aller Ausnahmeregelungen noch bis maximal Februar 2021 zulassungsfähig. Das garantiert allerdings nicht die freie Einfahrt in die Umweltzonen. Werden in den Innenstädten die Grenzwerte weiter überschritten, können in Zukunft auch Diesel mit Euro-Norm 6d-Temp betroffen sein.

Aktuelle Fahrverbote in Deutschland

Seit Juni 2018 gilt in Hamburg straßenweise für Dieselfahrzeuge der Abgasnormen Euro-1 bis einschließlich Euro-5 ein Fahrverbot. Auf zwei Abschnitten der Stresemannstraße gilt dieses nur für Fahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse. Auf der Max-Brauer-Allee gilt es auch für PKW. Wer dennoch durchfährt und erwischt wird, dem droht ein Verwarn- oder Bußgeld, das zwischen 25 Euro und 75 Euro liegt.

In Stuttgart gilt seit Anfang 2019 für das gesamt Stadtgebiet ein Einfahrverbot für Dieselfahrzeuge der Abgasnorm Euro-4 und niedriger. Ab Januar 2020 könnte das Verbot auf Euro-5-Dieselfahrzeuge ausgeweitet werden. Wer hier erwischt wird, muss mit einem Bußgeld von 80 Euro zuzüglich Bearbeitungsgebühren rechnen.

Mögliche Fahrverbote in Deutschland

In einer Reihe weiterer deutscher Städte drohen Fahrverbote:

  • In Berlin drohen auf elf Abschnitten Fahrverbote für Fahrzeuge der Euronormen eins bis fünf. Diese treten wahrscheinlich ab Juni 2019 in Kraft. Zukünftig könnten sogar Dieselfahrzeuge der Abgasnormen Euro-6 a,b und c von Abschnitten der Leipziger Straße verbannt werden.
  • In Darmstadt werden ab Mitte 2019 drei Straßen (Heinrich-, Hügel-, und Zeughausstraße) für Diesel bis einschließlich Euro-5 und Benziner bis einschließlich Euro-2 gesperrt.
  • Wie und ob mögliche Fahrverbote in Frankfurt am Main umgesetzt werden, ist derzeit noch offen. Im Gespräch ist das Gebiet der derzeitigen Umweltzone.
  • In Mainz wird ein Einfahrverbot für Dieselfahrzeuge der Abgasnormen Euro eins bis vier für das gesamte Gebiet der Umweltzone vorbereitet. Dies könnte dann ab September 2019 in Kraft treten, je nachdem, ob und wie sich die Luftqualität im ersten Halbjahr 2019 verbessert. Auf einzelnen Straßenabschnitten könnten auch Euro-5-Diesel ausgesperrt werden.

Mögliche Fahrverbote in NRW

In Bonn könnte ab April ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge bis einschließlich Euro-4 und Benziner bis Euro-2-Norm auf zwei Hauptverkehrsstraßen (Reutersstraße und Belderberg) kommen. In Essen sollen ab Juli Fahrverbote im Stadtgebiet sowie auf einem Abschnitt der A40 kommen. Dieselfahrzeuge bis Euro-4 und Benziner bis Euro-2 wären davon betroffen. Ab September würden zusätzlich Euro-5-Diesel ausgesperrt werden. In Gelsenkirchen sollen ab Juli Selbstzünder bis einschließlich Euro-5-Norm von der Kurt-Schumacher-Straße verbannt werden. In Köln ist ein Einfahrverbot für Dieselfahrzeuge bis einschließlich Euro-4-Norm für die gesamte Fläche der derzeitigen Umweltzone geplant. Auch Benziner der Schadstoffklassen Euro eins und zwei würden ausgesperrt werden. Ab September würde das Verbot auch Euro-5-Diesel betreffen.

Das Land Nordrhein-Westfalen ist gegen alle Fahrverbotszonen vor dem Oberverwaltungsgericht in Berufung gegangen. Ob, wie und wann die Fahrverbotszonen kommen, steht damit noch nicht fest.

London

  • Keine Fahrverbote, sondern Nutzungsgebühr für die Innenstand und "West End"
  • Montag bis Freitag von 7 Uhr bis 18 Uhr
  • Gebühr wird durch automatische Kennzeichenerkennung eingezogen
  • Registrierung vor der Einfahrt, beispielsweise per SMS an 0044/343 22 22 222 oder Buchung auf https://tfl.gov.uk
  • Kosten: ab 10,50 Pfund, je nach Abgasklasse. Alternative Antriebe, wie Hybride und Elektro können kostenfrei einfahren
  • Zusätzlich zur Citymaut müssen Fahrzeuge über 2,5 Tonnen eine Gebühr entrichten, abhängig von ihrer Masse und Schadstoffklasse. Registrierung über Euro Parking Collection (EPC) möglich

Frankreich

  • Annecy, Isère, Grenoble, Paris und Straßburg
  • Umweltzone innerhalb des Autobahnrings "Peripherique"
  • Einfahrverbot für Fahrzeuge des Baujahrs 1996 und jünger. Ab Mitte 2019: Einfahrverbot für Dieselfahrzeuge des Baujahrs 2000 und jünger. Ausnahme: Oldtimer, die älter als 30 Jahre sind.
  • Montag bis Freitag 8 Uhr bis 20 Uhr
  • Seit September 2017: Einfachverbot für Fahrzeuge mit Feinstaubplakette CritAir5 (=Euro 2/3) oder schlechter
  • Wohnmobile über 3,5 Tonnen brauchen eine LKW-Plakette
  • Kosten: 4,21 Euro, Bestellung über www.france.fr
  • Strafe: 68 Euro bis 135 Euro
  • Besonderheit Champs-Elysées: An einem Sonntag im Monat ist die Straße für den Autoverkehr komplett gesperrt.
  • Elsass: Seit November 2017 dürfen auf allen öffentlichen Straßen nur Fahrzeuge mit CritAir-Plaketten fahren. Wer dies nicht hat, riskiert eine Strafe zwischen 35 Euro und 375 Euro.

Belgien: Antwerpen und Brüssel

Seit Februar 2017 gilt in der Innenstadt Antwerpens sowie in Teilen des Stadtteils Lineroever eine Umweltzone. Der Autobahnring A1 ist ausgenommen. Vor der Einfahrt müssen die Fahrzeuge registrieren werden, dies ist beispielsweise unter lez.antwerpen.be möglich. Dieselfahrzeuge der Euronormen drei und niedriger, die keinen Dieselpartikelfilter haben, dürfen nicht einfahren. Oldtimer, die älter als 40 Jahre sind, sind vom Einfahrverbot vorläufig ausgenommen. Wer trotz Verbot einfährt, riskiert eine Strafe in Höhe von 150 Euro.

Seit 2019 dürfen in Brüssel keine Euro-1-Benziner und Euro-2-Dieselfahrzeuge mehr einfahren. Dies gilt für das gesamte Gebiet der Hauptstadtregion, wobei die Ringstraße R0 ausgenommen ist. Das Verbot betrifft nur PKW bis 3,5 Tonnen und Busse - Wohnmobile sind bisher vom Einfahrverbot ausgenommen.

Italien

In Bologna, Florenz, Genua, Mailand, Neapel, Pisa, Rom und Verona gelten Verkehrsregulierungen, die sich je nach Kommune unterscheiden. In Bologna müssen Autofahrer für die Einfahrt zwischen 7 Uhr und 20 Uhr ins Stadtgebiet etwa ein Tagesticket kaufen.

In Mailand müssen wochentags Tagestickets erworben werden. Diese Tickets sind in Tabacchis oder Kiosken erhältlich. Außerdem dürfen Fahrzeuge, die länger als 7,5 Meter sind, nicht einfahren. Auch Dieselfahrzeuge, die nicht die Euro-4-Norm erfüllen, müssen draußen bleiben.

Spanien: Barcelona und Madrid

In Barcelona gelten bei Luftverschmutzungsalarm Einfahrtbeschränkungen. In Madrid ist allen Fahrzeugen mit ausländischer Zulassung de facto die Einfahrt ins Stadtzentrum untersagt. Dies liegt daran, dass die spanische Umweltplakette "Destintivo Ambiental" vorerst ausschließlich an Fahrzeuge mit spanischer Zulassung ausgestellt wird. Eine Öffnung des Systems ist geplant. Wann dies geschehen wird, ist unklar.

Filmautor: Jochen Braitinger | Online: Thomas Oberfranz