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SENDETERMIN Di, 16.4.2019 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Bio-Ostereier Marktcheck blickt hinter die Kulissen

Ostern steht vor den Tür und auf vielen Tischen landen bald bunt bemalte Ostereier. Am besten in Bio-Qualität. Doch wie werden Bio-Hühner gehalten?

Viele Verbraucher kaufen zu Ostern bunte Ostereier. Manche wollen den Tieren dabei etwas Gutes tun und kaufen Bio-Eier - denken dabei an glückliche Hühner, die auf grünen, saftigen Wiesen laufen. Doch die Realität in den Bio-Betrieben sieht anders aus. In einzelnen Bio-Ställen dürfen bis zu 3.000 Hennen, sechs Tiere teilen sich dabei einen Quadratmeter im Stall. Je nach Bio-Label dürfen mehrere Ställe mit jeweils 3.000 Hennen aneinandergereiht werden.

Grafik

Je nach Bio-Label dürfen unterschiedlich viele Hennen in einem Bio-Betrieb gehalten werden.

Bio-Hühner müssen ins Freie dürfen, doch bei unseren beiden Stichproben sah dies anders aus: Bei einem Betrieb waren die Türen um 11:30 Uhr noch geschlossen, obwohl die Tiere gesetzlich bereits ab 10 Uhr ins Freie dürfen. Der Betreiber erklärt uns, er habe vergessen die Uhr auf Sommerzeit zu stellen. Beim anderen Betrieb waren nur wenige Tiere außerhalb des Stalls. Unmittelbar vor den Stalltüren beginnt der Auslauf mit Schotter. Ohnehin haben viele Landwirte ihre Hühner lieber im Stall, da im Freien natürliche Gefahren wie Greifvögel oder Füchse drohen.

Egal ob bio oder nicht: Die unschöne Überraschung steckt oft unter der bunten Schale

Gefärbte hartgekochte Eier in allen Farben gibt es überall und das ganze Jahr über. In der Osterzeit sind sie besonders beliebt, doch sind sie auch lecker und gesundheitlich unbedenklich?

Regelmäßige Laboruntersuchung mit erschreckenden Ergebnissen

Seit Jahren werden "bunte Eier" im Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) auf ihre Genusstauglichkeit - insbesondere bei Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums - geprüft. In den vergangenen Jahren wurde dabei festgestellt, dass viele Eier nicht mehr für den Verzehr geeignet sind. Im Jahr 2018 beispielsweise wurden 38 Proben bunt gefärbter Hühnereier von den Lebensmittelüberwachungsbehörden zur Untersuchung eingesandt. Es handelt sich ausschließlich um verpackte Eier mit Mindesthaltbarkeitsdatum und eine Probe besteht dabei in der Regel aus 30 einzelnen Eiern. Somit wurden über 1.000 Eier untersucht.

Das Ergebnis: Zwar war bei Probeneingang kein Ei angeschlagen oder wies deutlich erkennbar Risse in der Schale auf, am Ende des deklarierten Mindesthaltbarkeitsdatums zeigten sich dennoch deutliche Mängel bei der Qualität.

Fast die Hälfte nicht mehr zum Verzehr geeignet

Für die Prüfung der Genusstauglichkeit am Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums wurden nur Eier ohne offensichtliche Schalendefekte gelagert. Und da das Mindesthaltbarkeitsdatum der Eier nicht an eine Kühltemperatur gebunden ist, wurden die Eier bis zum letzten Tag des deklarierten Mindesthaltbarkeitsdatums bei Raumtemperatur gelagert und dann sensorisch geprüft.

Das erschreckende Ergebnis: Viele der Eier sind nicht mehr zum Verzehr geeignet!

  • 21 Proben waren zwar in Ordnung, aber
  • bei 17 Proben (45 Prozent) waren einzelne Eier (zwölf Mal ein Ei, zwei Mal zwei Eier, ein Mal drei Eier, zwei Mal fünf Eier) am Ende des angegebenen Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) verdorben. Diese wurden als süßlich, hefig-gärig, teilweise auch faulig im Geruch und verschimmelt beschrieben.

In Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und im Saarland sind die Untersuchungen der bunten Eier noch nicht abgeschlossen. Doch auch hier fanden die Prüfer in der Vergangenheit immer wieder Eier, die nicht zum Verzehr geeignet waren.

Was sagt der Einzelhandel?

Wir fragten 2018 nach beim Einzelhandelsverband Rheinland-Pfalz: Warum bekommt man die Qualität der bunten Eier trotz regelmäßiger Kontrollen nicht in den Griff?

Dr. Thomas Scherer, Handelsverband Mittelrhein-Rheinhessen-Pfalz e.V.:
"Der Handel selbst hat nicht auf alle Faktoren einen Einfluss. z.B. müsste er ja sicher stellen, dass keine Tauschaktionen von Eiern in den Verpackungen stattfinden. Und das kann der Händler vor Ort nicht verhindern, weil er müsste ja ansonsten Personal dafür abstellen, das neben dem Regal steht und Wache schiebt."

Mag sein, dass von Kunden auch mal Eier vertauscht werden. Doch ob das bei so vielen auffälligen Eiern tatsächlich die Ursache ist – fraglich. Zumal die untersuchten Eier alle keine Schalendefekte aufwiesen. Hier sollten die Händler wohl eher die Hersteller in die Pflicht nehmen.

Angaben über Herkunft und Haltung nicht verpflichtend

Die Kennzeichnungspflicht für Eier bezüglich Herkunft der Eier und Haltungsform der Legehennen gilt nur für unverarbeitete, rohe Eier und nicht für alle weiteren verarbeiteten Produkte. Somit handelt es sich um eine freiwillige Angabe der Hersteller, die nicht auf vielen Verpackungen zu finden ist.

Tipps für den Verbraucher

Wer trotz dieser Ergebnisse fertige Ostereier kaufen oder seine schon gekauften prüfen möchte, für den haben wir ein paar Tipps zusammengestellt, mit denen er "faule" Eier erkennen kann.

Achten Sie auf das Mindesthaltbarkeitsdatum

Haben Sie sich auch schon mal darüber gewundert, dass "bunte Eier" laut Verpackung ein viel längeres Mindesthaltbarkeitsdatum haben als frische Eier – und das obwohl sie noch nicht mal in der Kühltheke liegen?

Erreicht wird die längere Haltbarkeit dadurch, dass die gekochten Eier nach dem Färben mit einer Schutzschicht aus Schellack oder Wachs besprüht werden. Mit dieser Schicht werden die Poren versiegelt, so dass keine Keime eindringen können – aber nur solange die Schale unbeschädigt ist.

Rein rechtlich betrachtet handelt es sich bei gekochten und gefärbten Eiern um verarbeitete Eier, die ein längeres Mindesthaltbarkeitsdatum als frische Eier (bei denen gilt: bis 28 Tage nach dem Legen) haben dürfen. Die Festlegung des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) ist dabei sogar dem Lebensmittelunternehmer überlassen und liegt in der Regel zwischen sechs und acht Wochen.
Und: Bei loser Ware wird allerdings oft überhaupt kein Mindesthaltbarkeitsdatum angegeben. Dann sollten es einem die Verkäufer aber eigentlich sagen können.

Unser Tipp: Kaufen Sie lose Eier nur beim Händler ihres Vertrauens und achten Sie bei verpackter Ware darauf, dass bis zum Mindesthaltbarkeitsdatum noch möglichst lange hin ist.

Unversehrte Schale: Ohne Dellen und Risse

Eierschale mit Rissen

Durch die Risse können Keime ins Ei eindringen.

Haben gefärbten Eier Risse in der Schale, funktioniert die Schutzschicht nicht mehr und es können Keime ins Ei eindringen. Schauen Sie sich die Eier vor dem Kauf also genau an.

Wer trotzdem ein Ei mit Rissen erwischt hat, kann auf Nummer sicher gehen und es entsorgen oder man schält es für den sofortigen Verzehr und achtet dabei auf den Geruch. Weiter lagern sollte man es auf keinen Fall.

Unschöne Verfärbungen im Inneren

Ei mit Verfärbungen

Unschön, aber nicht unbedingt gesundheitsgefährdend

Entdecken Sie nach dem Schälen Verfärbungen auf dem Ei, können Keime ins Innere gelangt sein, müssen aber nicht. Auch die zum Färben verwendete und i.d.R. unbedenkliche Lebensmittelfarbe dringt durch Haarrisse oder sonstige Schäden der Schale ein. Allerdings heißt es auch hier: Achten Sie ganz besonders auf den Geruch des Eies.

Der Geruch von faulen Eiern

Ei mit aufgemaltem Gesicht

Egal ob gefärbt oder nicht, verdorbene Eier verraten sich durch ihren Geruch!

Trotz der unschönen Laborergebnisse, kann man sich ganz gut davor schützen, "faule" Eier zu verzehren, denn verdorbene Eier erkennt man am Geruch: Sie riechen stark nach Schwefel, muffelig, faulig oder auch seltsam süßlich. Der Geruch stößt einem richtiggehend unangenehm auf. Solche Eier sollten auf gar keinen Fall verzehrt werden.

Blaugrüner Dotter und leichter Schwefelgeruch

blau-grün verfärbte Eidotter

Blau-grün verfärbte Eidotter entstehen bei langen Kochzeiten.

Hat das Ei einen blau-grün verfärbten Eidotter ist das nicht schädlich. Wurden die Eier länger als zehn Minuten gekocht kommt es zu einer Reaktion des im Eidotter vorhandenen Eisens mit Schwefelverbindungen aus dem Eiweiß. Dabei entsteht Eisensulfid, das die Verfärbung verursacht. Dabei kann auch ein leichter Schwefelgeruch entstehen. Ob man so ein Ei essen möchte, das ist Geschmackssache.

Kühl lagern und rasch verzehren

Primeln, Osterglocken und bunte Ostereier

Hübsch anzusehen, aber die Eier sind im Kühlschrank besser aufgehoben.

Auch wenn es nicht auf der Verpackung steht und im Handel auch nicht so gehandhabt wird: Lagern Sie gekochte Eier immer kühl und dunkel – am besten im Kühlschrank.

Ferner gilt: Je frischer desto besser. Verzehren Sie daher die Eier möglichst bald nach dem Kauf und nicht erst am Ende des angegebenen Mindesthaltbarkeitsdatums.

Tipp für das Färben von Eiern

Da sich seit Jahren die negativen Test-Ergebnisse wiederholen und jedes Jahr ein großer Teil der Eier aus dem Handel nicht zum Verzehr geeignet sind, ist es aber eine sinnvolle Alternative, ganz darauf zu verzichten und die Eier selbst zu färben. Dafür haben wir in unseren Links ein paar Ideen für Sie zusammengetragen.

Filmautor: Daniel Güldner | Online: Thomas Oberfranz und Dorothée Panse