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BBQ-Nackensteak für 1,99 Euro Warum Schweinefleisch so billig ist

Nach dem Preisdumping beim Discounter Aldi fragt man sich: Wer verdient noch etwas am Schweinefleisch? Und wie leben die Tiere, deren Fleisch zu Billigstpreisen verschleudert wird?

Schweine in einer Zuchtanlage eines Bauernhofes.

Billigfleisch funktioniert nur mit entsprechender Massentierhaltung.

Eins vorweg: Reich werden kann heutzutage kein Schweinebauer mehr. Ganz im Gegenteil - viele haben ihre Schweineställe bereits dicht gemacht oder verdienen nach eigenen Worten viel zu wenig. Fragt man Betriebswirtschaftler, dann ist das Rezept für maximalen Gewinn immer, große Stückzahlen mit möglichst geringen Kosten zu produzieren. Für Schweinebauern bedeutet das eine möglichst große Spezialisierung.

Schweinezucht am Fließband

Ab 250 Muttertiere wird es für die Produzenten ökonomisch interessant: Auf dem einen Betrieb stehen die Muttersauen und werfen Ferkel am Fließband. Die werden verkauft und in einem anderen Betrieb gemästet. Grundsätzlich gilt: Je mehr Tiere im Stall stehen, umso größer ist die Wertschöpfung. Doch die ist de facto nicht wirklich kalkulierbar. Fünf Monate dauert die Mast, und der Schweinebauer kann jetzt nicht mehr zurück. Der Preispoker läuft, die Fleischpreise schwanken täglich. Es kann sein, dass die Abrechnung am Schlachttag nur minimalen oder keinen Gewinn bringt.

Discounter geben echte Kosten oft nicht an Verbraucher weiter

Steak

Lecker soll es sein - aber auch billig.

Der größte Gewinn am Fleisch und an der Wurst bleibt beim Verarbeiter, Verpacker und Händler. Im Discounter werden häufig die echten Kosten nicht an die Verbraucher weitergegeben: Mit Schnäppchen-Preisen von 1,99 Euro kann man schließlich Kunden anlocken, die den Einkaufswagen noch mit vielen anderen Produkten füllen.

Unser Nachbarland Dänemark hat das System Fleischfabriken übrigens auf die Spitze getrieben: Mit 650 Prozent Selbstversorgung ist das meiste dänische Schweinefleisch für den Export bestimmt - auch nach Deutschland. Wir Deutsche mästen immerhin ein Fünftel mehr Schweine als wir rechnerisch selbst verzehren. Dieses Überangebot drückt selbstverständlich ebenfalls den Preis.

Gute Qualität und eine tierfreundliche Erzeugung haben ihren Preis

Schweine

Großzügige Zuchtbedingungen gehen nicht zu Billigpreisen.

Am teuersten für uns Verbraucher ist Schweinefleisch vom Bio-Hof oder vom Bauernhof aus der Region - mit alten Rassen wie dem schwäbisch-hällischen Schwein oder Pietrain, deren Fleisch etwas mehr Fett mitbringt. Doch an diesem Schweinefleisch aus der Nische verdienen die Erzeuger nur, wenn sie auch selbst schlachten und das Schweinefleisch direkt ab Hof an die Kunden vermarkten.

Von Elke Klingenschmitt, SWR Umweltredaktion | Online: Stefan Heinz