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SENDETERMIN Di, 25.10.2016 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Autoverkauf Wenn das gute Angebot sich plötzlich ändert

Wer sein Auto privat verkaufen will, der sucht schon mal online nach entsprechenden, guten Gelegenheiten. Dabei taucht ein Unternehmen immer wieder auf, das verlockende Angebote bereit hält: "Wirkaufendeinauto.de". Doch manche Verkäufer sind merklich ernüchtert, wenn ihr Auto dann vor Ort bewertet wird. Plötzlich wird viel weniger geboten. Wie kann das sein? Ein Marktcheck-Reporter hakt nach und will zudem wissen, wie viel für sein älteres Auto noch raus springt.

16 Euro für einen Gebrauchtwagen

Dieter Lutz aus Mainhausen möchte seinen 23 Jahre alten Audi verkaufen. Im Internet schaut er sich nach guten Angeboten um und stößt auf die Werbung des Aufkäufer "Wirkaufendeinauto.de". Für eine kostenlose Online-Bewertung seines Wagens trägt er ein paar Daten wie Marke, Modell und Kilometerstand ein – innerhalb von Sekunden kommt das Angebot: 606 Euro. Dieter Lutz ist einverstanden und bucht online einen Verkaufstermin bei einer Filiale von "Wirkaufendeinauto.de". Der erwartete Gebrauchtwagencheck vor Ort findet allerdings nicht statt. Es werden lediglich ein paar Bilder vom Auto geschossen, nach Berlin geschickt und kurze Zeit später ein Angebot der Berliner Kollegen eingeholt. Die überraschende Nachricht: Statt 606 Euro möchte der Anbieter nun nur noch 16 Euro für den Audi bezahlen. Dieter Lutz ist enttäuscht: "Ich fand das ist eine bodenlose Frechheit. Zunächst wird man angelockt mit einem relativ hohen Preis, wo man akzeptieren könnte und dann sieht man, dass die Leute nur ran gelockt werden und anschließend, wie gesagt, wird man abgespeist mit einem kleinen und lächerlichen Betrag."

Dieter Lutz lehnt das Angebot ab und verkauft seinen alten Audi für 700 Euro an einen Vertragshändler. E-Mails von "Wirkaufendeinauto.de" erhält er aber immer noch: Das 16 Euro-Angebot stehe weiterhin – bei Einwilligung würde er sogar einen Amazon-Gutschein im Wert von 20 Euro erhalten.

Ernüchternde Angebote sind kein Einzelfall

Zahlreiche Einträge in Internetforen zeigen, dass das Erlebnis von Dieter Lutz kein Einzelfall ist. In vielen Beiträgen beschweren sich Autobesitzer über "Wirkaufendeinauto.de": Es sei Zeitverschwendung, die Firma sei unseriös – und immer wieder Berichte, dass von den Online-Schätz-Preisen nach dem Ortstermin nicht viel übrig bleibe.

Wir probieren es selbst aus - mit einem Peugeot Kombi, sieben Jahre alt, neuer TÜV. Zuerst wird das Online-Formular ausgefüllt. Das Ergebnis: 3.638 Euro. Wir vereinbaren einen Termin in einer Stuttgarter Filiale, zu der uns Herman Schenk begleitet. Er ist Gutachter der GTÜ. Vor Ort erklärt man uns, der Preis aus dem Online-Angebot würde uns nicht einfach ausbezahlt werden, man müsse zunächst Prüfungen anstellen. Das Auto wird erstmal fotografiert und auch bei uns werden die Bilder zur Auswertung nach Berlin gesendet. An einer Probefahrt besteht kein Interesse.

Hermann Schenk - Gutachter der GTÜ

Hermann Schenk - Gutachter der GTÜ

Das sei kein richtiger Gebrauchtwagencheck, findet Hermann Schenk: "Es war ein gut geschulter Verkäufer, definitiv, der immer alles versucht hat zu erklären. Aber vom Fahrzeug her, wo er sagt, okay, also ich schau mir das Fahrzeug mal von unten an, ich bewerte das Fahrzeug, hat jegliches gefehlt. Für einen seriösen Händler, der so ein Auto in Zahlung nimmt, ist das nicht in Ordnung."



Eine Viertelstunde später ist das finale Angebot da: Maximal 2.956 Euro könne man für das Auto bezahlen. 20 Prozent weniger als das ursprüngliche Angebot – kein guter Deal.

Gebrauchtwagen werden weit unter Schätzwert eingekauft

Wir wollen wissen, warum wir das Fahrzeug so verlustreich verkaufen sollen. Deshalb geben wir uns zu erkennen. Der Gebietsleiter will sich nicht äußern und verweist uns auf die Zentrale in Berlin. Diese heißt "Auto1 Group" und ist Europas Nummer eins im Gebrauchtwagengeschäft. Die Firma ist auf 20 europäischen Märkten aktiv, Monatsumsatz: mehr als 60 Millionen Euro. Das Prinzip: die Firma kauft gebrauchte Autos, um sie an ein riesiges Händlernetzwerk mit Gewinn weiter zu verkaufen. Mehr als die Hälfte der Autos geht ins Ausland. Mit einem Mitarbeiter der Firma können wir telefonieren – er will aber unerkannt bleiben. Laut ihm sei jeder dritte Kunde ein Treffer und die Autos würden im Schnitt 17 Prozent unter dem Schätzwert eingekauft werden.

Wir bitten die "Auto1 Group" um ein Interview und wollen wissen, was die Firma über die wütenden Reaktionen von Kunden im Internet sagt. Das Unternehmen antwortet schriftlich: "Der Autoverkauf ist ein sehr emotionales Thema für den Verkäufer, bei dem die eigene subjektive Preisvorstellung manchmal über dem realen Marktwert liegt."

Wir haken beim Bundesverband freier Kfz-Händler nach. Dort kennt man die Argumente, die Masche sei aber legal. Allerdings befürchte man, der Gebrauchtwagenhandel könne wegen solcher Firmen in Verruf geraten.

Unser Tipp: Wer sein Auto verkaufen will, macht mit "Wirkaufendeinauto.de" meist kein gutes Geschäft. Alternativ den Gebrauchtwagen beim Neukauf in Zahlung geben. Wer gut verhandelt, erzielt dort bessere Erlöse, vor allem bei älteren Autos.

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