Bitte warten...

SENDETERMIN Di, 23.4.2019 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Anti-Aging-Kosmetik Was wirklich hinter Kollagen steckt

Die Kosmetikindustrie setzt seit Jahren auf Kollagen, doch hinter dem klangvollen Namen verbirgt sich fast immer Eiweiß aus Schlachtabfällen.

Kollagen wird in Cremes, Tabletten oder als Getränk angeboten. Produkte, die Kollagen enthalten, sind oftmals teuer. Kollagen soll einen Anti-Aging-Effekt haben, indem es beispielsweise Falten in der Haut glättet.

Was ist Kollagen?

Kollagen ist ein Eiweiß. Es ist sogar das am häufigsten im menschlichen Körper vorkommende Eiweiß und Hauptbestandteil des Bindegewebes. Kollagenfasern sorgen für die mechanische Stabilität der Haut - Kollagen ist also maßgeblich für straffe Haut verantwortlich.

Wie wird Kollagen für Cremes und Beauty-Produkte hergestellt?

Zugesetztes Kollagen in Beauty Produkten hat einen tierischen Ursprung. Es wird größtenteils aus Schlachtabfällen von Schwein und Rind gewonnen. Diese Abfälle werden aufbereitet und gereinigt. Am Ende wird daraus das Kollagen-Pulver, das in Lifestyle- und Beauty-Produkten zum Einsatz kommt.

Experten bezweifeln Nutzen von Kollagencremes

Frau trägt Hautcreme auf

Experten bezweifeln den Nutzen von Kollagen in Cremes und anderen Kosmetikartikeln.

Experten sehen Cremes mit Kollagenzusatz kritisch, da nur körpereigenes Kollagen die Haut aufpolstern könne. "Cremes mit Kollagenbestandteilen, die man auf die Haut tut, nehmen wir mal an, es würde sogar in die mittleren und tieferen Schichten der Lederhaut resorbiert werden, aber was hat man da? Da hat man Schweinekollagenstükchen da drin rumliegen, das ist aber völlig nutzlos. Was wir brauchen ist eigenes Kollagen, dass die eigenen Hautzellen, die Fibroblasten, herstellt. Es nutzt nichts, wenn da diese Schweinekollagene zusätzlich noch rumliegen," sagt Professor Hans Wolff, Dermatologe an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Kollagen wird neuerdings auch als Trinkampulle angeboten, etwa vom Hersteller Elasten.

Auch bei Kollagen-Trinkprodukten hat der Experte Zweifel: "Etwas, was ich da oben reintue, wird zerlegt und im Körper an der richtigen Stelle wieder neu zusammengebaut. Und daher ist die Vorstellung naiv zu glauben, wenn ich jetzt Kollagen trinke, dass das in dieser Form dann auch an den richtigen Hautstellen in biologisch relevanter Weise ankommt," sagt Wolff.

Der Hersteller von Elasten sieht das völlig anders. Er widerspricht und verweist auf zahlreiche Studien, die eine Wirksamkeit belegen würden: "In diesen Studien [wurden] signifikant positive, kosmetisch relevante Effekte auf die Haut mittels objektiver, dermatologischer Messverfahren demonstriert."

Kollagen-Cremes im Praxistest

Wir testen vier Kollagencremes in der Praxis. Dazu wurden die beiden Testerinnen vorher hautärztlich untersucht. Während der Testphase tragen sie täglich auf jede Gesichtshälfte jeweils eine Creme auf – jede Probandin testet also zwei Kollagen-Cremes. Im Test: Cremes von Diadermine, L'Oréal, Nivea und Hildegard Braukmann. Diadermine und Nivea wollen das hauteigene Kollagen "boosten", während bei L'Oréal und Hildegard Braukmann Kollagen zugesetzt ist.

Nach drei Wochen das Ergebnis: Die Haut wurde subjektiv etwas straffer, was nach der Einschätzung des Hautarztes aber am Feuchtigkeitsgehalt liege – und nicht am Kollagen.

Wir fragen die Hersteller. Braukmann zweifelt unsere Ergebnisse an. Die anderen Hersteller verweisen auf eigene Studien, die die Wirksamkeit bestätigen würden.

Fazit

Unser Fazit: Kollagen-Beauty-Produkte sind oft teuer, schöne und wieder junge Haut können sie jedoch nicht herbeizaubern. Als Vorbeugung gegen Falten helfen am besten eine gesunde Ernährung sowie ein guter Sonnenschutz. Auch Rauchen lässt die Haut altern.


Filmautorin: Barbara Hirl | Online: Thomas Oberfranz
© SWR Marktcheck