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"Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" Die Geschichte der Fernsehfastnacht

Hinter den Kulissen der Fernsehsitzung

"Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" ist die erfolgreichste Fastnachtssitzung im deutschen Fernsehen. Sieben bis acht Millionen Zuschauer schalten jedes Jahr ein, um die Mainzer Narren in der Bütt zu sehen.

Rolf Braun (1966): die Abmagerungskur

Rolf Braun (1966)

Am 17. Februar 1955 feiert die Fernsehfastnacht, übertragen vom damaligen Südwestfunk (SWF), unter dem Titel "Mainz, wie es singt und lacht" Premiere. Der Mainzer Carneval-Verein (MCV) und der Mainzer Carneval Club (MCC) schicken ihre besten Akteure auf die Fernsehbühne. Bis dahin hatte der SWF nur Ausschnitte aus den Mainzer Fastnachtssitzungen im Radio übertragen. Diese Sendungen sind in den 1950er Jahren sehr beliebt bei den Hörern, so dass der damalige Chef des Zeitfunks beim SWF, Wolfgang Brobeil, die Idee hat, eine gemeinschaftliche Fernsehsitzung auf die Beine zu stellen.

Herbert Bonewitz als "Uralt-Aktiver"

Herbert Bonewitz als "Uralt-Aktiver"

Neun Jahre später startet auch das ZDF eine Fastnachtssendung. Ab dem Jahr 1965 strahlt es mit "Mainz bleibt Mainz" ebenfalls Mainzer Saalfastnacht live aus. Jahrelang konkurrieren beide Sitzungen um die Gunst der Zuschauer. Dabei leidet die Qualität der übertragenen Sitzungen merklich. Daher einigen sich sich beide öffentlich-rechtlichen Sender Anfang der 1970er Jahre darauf, eine jährliche Fernsehsitzung im Wechsel zu produzieren. Im Jahre 1973 strahlt das ZDF erstmals "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" aus, im Jahr darauf ist der SWF an der Reihe.

Vier Vereine stellen die besten Akteure

Der Sitzungs-Präsident Hans-Peter Betz

Der Sitzungs-Präsident

Mit den beiden Sendern kooperieren seit 1974 mittlerweile vier Fastnachtsvereine: Neben dem MCV und dem MCC beteiligen sich der Karneval-Club Kastel (KCK) und der Gonsenheimer Carneval-Verein (GCV). Sie legen jedes Jahr mit ihren Sitzungen den Grundstein für die Fastnachtssendung. Denn nur Akteure, die auch bei einem der vier Vereine in den Sitzungen auftreten, kommen in Betracht für die Fernsehsitzung.

Sängerin Margit Sponheimer bei ihrem Auftritt in der Mainzer Karnevalsveranstaltung "Mainz wie es singt und lacht" im Jahr 1970

Margit Sponheimer (1970)

Bei der Auswahl der Beiträge achten die verantwortlichen SWR-Redakteure Norbert Christ und Günther Dudek vor allem darauf, ob der Vortrag oder die Aufführung im Saal gut ankommen. Deshalb besuchen beide zwei Sitzungen pro Verein, um sich einen Überblick zu verschaffen und zu sehen, wie gut ein Beitrag im Vergleich zum weiteren Programm der einzelnen Sitzungen ist.

Dann stellt sich die Frage, ob Anspielungen, Witze und Themen bundesweit verständlich sind, denn "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" wird live im Ersten gesendet. Also "werden sicher keine Beiträge ausgewählt, die sich rein mit dem lokalen Geschehen befassen", betont auch Heribert Herrgen, ehemaliges GCV-Vorstandmitglied. Und schließlich, sagt Christ, müssen auch der Ablauf und die Mischung von politisch-literarischen Vorträgen, Kokolores-Beiträgen, Gesang und Tanz beachtet werden.

Die Güte eines Vortrages ist ausschlaggebend

Es spiele keine Rolle, welche Beiträge von welchem Verein stammen, das betonen sowohl Günther Dudek und Norbert Christ, als auch Heribert Herrgen vom GCV und MCC-Präsident Horst Seitz. Ausschlaggebend sei einzig die Qualität eines Beitrags.

Jürgen Dietz, der "Bote vom Bundestag"

Der Bote vom Bundestag

Trotzdem, berichtet Seitz, seien die Vereinsverantwortlichen jedes Jahr aufgeregt, wenn die Liste mit den Aktiven für die Fernsehsitzung bekannt gegeben wird. "Das ist wie in der Schule, wenn die Zeugnisse verteilt worden sind. Dann liegen die Vorschläge vom Sender da. Sie gucken da rein und zählen nur, was ist von meinem Verein drin? Kann ich mich damit bei meinem Verein sehen lassen?", erzählt Seitz mit einem Lachen.

"Es könnte sogar so sein, dass in einem Jahr das Angebot aus einem Verein möglicherweise überhaupt nicht zum Tragen kommt", so Dudek. Das sei bisher nicht der Fall gewesen, Dudek weiter, weil die vier großen Vereine ja auch bei ihren eigenen Sitzungen verpflichtet sind ein Publikum zu erreichen und zu begeistern. Daher achten sie selbst auf eine gute Auswahl von Beiträgen, aus denen dann Dudek und Christ wiederum aussuchen. Denn die Fernsehsitzung bilde "das Beste, was es in Mainz an Fastnacht gibt" ab, lobt Seitz.

Die Tradition muss gewahrt werden

Bei aller "Fernsehtauglichkeit" ist es Dudek bei der Gestaltung von "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" wichtig, dass das "Brauchtum", die "Bodenständigkeit" und der "gewisse Charme" der Mainzer Fastnacht erhalten bleibt. Die politisch-literarischen Vorträge zum Beispiel müssen ein Schwerpunkt bleiben in der Fernsehsitzung. Denn sie sind eines der herausragenden Merkmale der Mainzer Fastnacht. Aber auch der Elferrat auf der Bühne, der Sitzungspräsident oder das Kurfürstliche Schloss in Mainz sind charakteristische Elemente, an denen nicht gerüttelt werden soll.

Michael Emrich als "König von Gonsenum"

Michael Emrich (2001)

Typisch ist auch, dass Aktive wie Michael Emrich, Hildegard Bachmann oder Andy Ost sich ehrenamtlich in den Vereinen und auf der Bühne engagieren. So sei in der Vergangenheit auch immer darauf geachtet worden, dass die Akteure keine Profis seien. Der SWR möchte geraden diesen Rednern ein Podium bieten, so Dudek.

Auch Horst Seitz und Heribert Herrgen betonen das "tolle" Engagement der Aktiven, die in ihrer Freizeit, neben Beruf und Familie, sich immer aufs Neue wieder närrisch einbringen. Da ist es natürlich um so schöner, wenn diese Aktiven mit dem Auftritt bei "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" belohnt und bestätigt werden.