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SENDETERMIN So, 18.11.2012 | 17:15 Uhr | SWR Fernsehen

ARD-Themenwoche "Leben mit dem Tod" Totenfest mit Pappmaché und Zuckerguss

Der Film erzählt die Geschichte von Betty, einer jungen Mexikanerin, die ihrem verstorbenen Großvater Agostin posthum seinen größten Wunsch erfüllen möchte.
Die ersten beiden Novembertage nennen die Mexikaner "los dias de los muertos" - die "Tage der Toten". Es sind die beiden wichtigsten Feiertage des Jahres. Sie werden begangen wie eine Mischung aus Weihnachten und Karneval.

Zwei Kinder an einem blumengeschmückten Grab

Angelitos - Totenwache für verstorbene Kinder

Schon in der letzten Oktoberwoche verwandelt sich das ganze Land in ein Meer aus orangefarbenen Ringelblumen; denn sie gelten als die Blumen der Toten. Und als Wegweiser. Die Mexikaner glauben nämlich, dass die Verstorbenen an den ersten beiden Novembertagen zurückkommen, um den Hinterbliebenen einen Besuch abzustatten. Die ausgelegten Blüten zeigen ihnen den Weg in die Häuser ihrer Familien.

Dorthin, wohin man schon seit Tagen für sie kocht und die Wohnung festlich hergerichtet hat. Überall in den Straßen werden für das große Ereignis Berge von grellbunten Dekorationen verkauft. Vor den Geschäften und auf den Märkten stapeln sich Totenköpfe aus Plastik oder Zuckerguss, riesige Skelette aus Pappmaché, Kerzen und anderer Altarschmuck sowie Brot und Naschereien in Knochen- oder Totenschädelform.

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Mexiko

Totenfest mit Pappmaché und Zuckerguss

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Im Museum Dolores Olmedo Patiño findet Betty die berühmten mexikanischen calaveras. Sie zeigen Menschen in allen erdenkbaren Lebenssituationen und aus den unterschiedlichsten Berufen.

Im Museum Dolores Olmedo Patiño findet Betty die berühmten mexikanischen calaveras. Sie zeigen Menschen in allen erdenkbaren Lebenssituationen und aus den unterschiedlichsten Berufen.

Die Calaveras spiegeln die mexikanische Einstellung zum Tod. Sie stellen die Verbindung zwischen dem Fluss des Lebens und der Endlichkeit allen Seins dar.

Die calaveras sollen in ihrer lebensnahen Darstellung dem Tod den Schrecken nehmen. Der mexikanische Literatur-Nobelpreisträger Octavio Paz sagte dazu: „Der Tod ist immer bei uns, auf unseren Fiestas, beim Glücksspiel, in unserem Liebesleben, in unserem Denken.

Die Linares sind international anerkannte Künstler im Geschäft mit dem Tod. In fünfter Generation lassen sie filigrane, detailgetreue Figuren aus nichts weiter als Papier und Leim entstehen.

Mit ihrer Lebensnähe nehmen die calaveras den Menschen den Schrecken vor dem Tod.

Für ihren verstorbenen Großvater hat Betty eine calavera machen lassen.

Enkelin Betty möchte ihren verstorbenen Großvater überraschen: mit einer calavera, einem großen Skelett aus Pappmaché.

Die gelben Ringelblumen sind die Blumen der Toten und Zeichen, dass sich die Pforten zwischen der Welt der Lebenden und dem Totenreich Mictlan zu öffnen beginnen.

Der Tod hat in Mexiko viele Gesichter. Nicht alle erfüllen die Menschen mit Schrecken. In Gestalt der Santa Muerte kann der Tod auch ein Helfer sein. Das Gewand der Heiligen zieren Danksagungen von Gläubigen, deren Wünsche in Erfüllung gingen. Man konsultiert sie bei schweren Krankheiten oder wenn besondere Hilfe vonnöten ist.

Tante Julia und ihre Familie gehören zur indigenen Volksgruppe der Tarasken, die sich heute Purépecha nennen.

Mitternacht. Auf den Friedhöfen haben die nächtlichen Wachen an den Gräbern begonnen. Für die Azteken war das Leben nichts weiter als ein flüchtiger Moment – ein Traum. Man glaubte, nur im Sterben könne ein Mensch wirklich erwachen.

Die ersten beiden Novembertage nennen die Mexikaner ‚los dias de los muertos’ – die ‚Tage der Toten’. Es sind die beiden wichtigsten Feiertage des Jahres. Die Menschen glauben, dass die Toten an diesen Tagen zurückkommen. Um den Weg nachhause zu finden, werden gelbe Blumen ausgelegt und die Wohnungen geschmückt.

Mit der aufgehenden Sonne werden auf der Insel Janitzio die "kleinen Engel" erwartet, die Seelen der verstorbenen Kinder und unverheirateter Erwachsener. Man sagt, dass sie rascher laufen können als die Alten und deswegen früher aus dem Reich der Toten zurück nach Hause finden.


Auch Betty fiebert auf die "dias de los muertos" hin. In ihrem Dorf an den Ufern des Pátzcuaro-Sees in Michoacán ist der Glaube, dass die Toten zurückkehren, besonders stark. Ihr Großvater Agostin ist erst vor wenigen Monaten verschieden; das diesjährige Totenfest ist also das erste Mal, dass er seine Familie wieder besucht. Wie für alle Verstorbenen wird für ihn im Hause seiner Familie ein Willkommensaltar errichtet.

Dort soll er alles vorfinden, was er zu Lebzeiten besonders mochte: seine Lieblingsspeisen, kleine Erinnerungsobjekte, Fotos aus seinen besten Tagen, Blumen und seinen Lieblingsschnaps. Seine Enkelin Betty möchte ihn zusätzlich überraschen: mit einer Cavalera, einem großen Skelett aus Pappmaché.

Denn sie weiß, einer der größten Wünsche des Großvaters war, einmal zu erlernen, wie man diese bei den Mexikanern so beliebten Spaßfiguren herstellt. Um des Großvaters Traum stellvertretend zu erfüllen, macht sich Betty kurz vor Allerheiligen auf den Weg nach Mexiko-Stadt, denn dort finden sich die wahren Calavera-Künstler.
Die "dias de los muertos" gehen auf vorspanische Traditionen zurück und wurden von der Unesco auf die Liste des immateriellen Kulturerbes gesetzt.

Sendung vom

So, 18.11.2012 | 17:15 Uhr

SWR Fernsehen

Sendezeit

Montag und Dienstag, 15.15 Uhr und Montag 10.30 Uhr

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