Bitte warten...

SENDETERMIN Mo, 18.3.2019 | 10:30 Uhr | SWR Fernsehen

Marseille - Die Schöne des Südens

Noch vor wenigen Jahren war die Hafenmetropole verrufen: laut, dreckig, kriminell. Marseille hat hunderte Millionen investiert, um dieses Image zu verbessern. Heute erstrahlt die Stadt in neuem Glanz. Die Einwohnerzahl steigt und seit die Mittelmeermetropole 2013 Kulturhauptstadt Europas war, blüht Marseille kulturell auf.

An der Seite von Marinemalerin Marie Détrée-Hourrière erreicht der Film Marseille auf dem schönsten Weg: vom Meer aus. Die Künstlerin gehört zur friedlichsten Truppe der französischen Armee: Statt zum Gewehr greift sie zu Tusche und Pinsel.

In den Banlieux des Marseiller Nordens - bekannt durch Bandenkriege, Einbrüche, Schießereien - begegnet der Zuschauer dem Kunstreiter Manolo Bez. Seine Projekte, die sich an Kinder aus instabilen Verhältnissen richten, spielen mit dem Mythos des Zentauren, der magischen Verbindung zwischen Mensch und Tier. Die Situation der meisten Kinder von Marseille Nord ist prekär, die Zukunftschancen sind schlecht. Manolo will ihre Phantasie beflügeln und den Glauben daran, dass Unmögliches möglich ist.

1/1

Marseille - Die Schöne des Südens

In Detailansicht öffnen

Ihr Atelier ist der Ozean: Marinemalerin Marie Détrée-Hourrière

Ihr Atelier ist der Ozean: Marinemalerin Marie Détrée-Hourrière

Kreativköchin Georgiana wählt Fische für das kulinarische Heiligtum aus: die Bouillabaisse

Vier von fünf Stadtbewohnern haben Vorfahren, die nicht in Marseille geboren wurden. Im kaum einer anderen französischen Metropole0 leben verschiedene Kulturen und Religionen, leben wohlhabende und arme Menschen so dicht aufeinander wie in der südfranzösischen Hafenstadt.

Mit Zirkusmagie und Zuwendung gegen Frust und Hoffnungslosigkeit: Die Auftritte des „Théâtre du Centaure“ sind ein sozialpolitisches Langzeitprojekt zur Stärkung Langzeitarbeitsloser und Jugendlicher.

Manolo Bez: „Etwas Unvorstellbares ist plötzlich zum Greifen nah…“ Das Auftauchen des schwarzen Reiters mit den kolossalen Pferden soll Wünsche und Träume wecken, die Sehnsucht nach einem besseren Leben

Wer in den mit Wohnsilos bestückten Randbezirken „Quartiers du Nord“ geboren wird, hat schlechtere Startchancen ins Leben. Sozialpolitisch engagierte Künstlergruppen wie das „Théâtre du Centaure“ suchen den Kontakt zu Jugendlichen und vernachlässigten Kindern.

Auch der Fischer Jean-Luc Bianco folgte – vielen Spöttern zum Trotz – beharrlich seiner Überzeugung: Nachdem ihm 1990 das Uhrarmband des verschollenen französischen Fliegers und Schriftstellers Antoine de St. Exupéry ins Netz geraten war …

… suchte der Marseiller Fischer zwei Jahre lang weiter. 2000 wurde das Flugzeugwrack des gegen Ende des Zweiten Weltkrieges verschollenen Piloten und Autoren des Buches „Der kleine Prinz“ tatsächlich gefunden.

Als der Architekt Le Corbusier 1952 den futuristischen Wohnkomplex „La Cité Radieuse“ – die „Strahlende Stadt“ – oberhalb des Stadtzentrums erbaute, stieß der ‚hässliche Betonklotz‘ zunächst auf viel Widerstand. Heute gilt Le Corbusiers als visionär.

Wohnen, Arbeiten und Leben unter einem Dach war das Konzept des Baus, der 2013 anlässlich Marseilles Krönung zur „Europäischen Kulturhauptstadt“ als begehbarer Dorfplatz neu gestaltet wurde. Einige Appartements können von Touristen besichtigt oder auch kurzzeitig gemietet werden.

„Freireisezonen und lebenslange Visa“ fordert Rapperin Sista K in ihren Songs. Sie wurde in Marseille geboren - als Tochter einer holländischen Jüdin mit israelischen Wurzeln und eines jüdischen Berbers aus Algerien. In ihren Songs mixt sie jüdisch-sephardische Volksmusik mit Folk und mit Trance-Elementen.

Marseilles Musikszene brodelt: Crossover-Bands wie „Watchaclan“ und deren multikulturell geprägte Musiker und Sänger übersetzen das vibrierende Lebensgefühl der mediterranen Hafenstadt in außergewöhnliche Musik. Ihre Konzerte locken junge Musikfans aus ganz Europa an.

Ein Kunstatelier mitten im Marseilles Hafen

Cross-over-Band Watcha-Clan ist eine neue Stimme Marseilles

Sista K von Watcha Clan singt von einer Freireisezone und "Lebenslangen Visa"

Drei Damen vom Zoll: die Zigarettenfahnder

Boxtrainer Kayser macht aus der Not der Armen eine Stärke


In den Calanques, dem Küstenmassiv im Süden Marseilles, trifft der Film den Fischer Jean-Claude Bianco. Sein größter Fang ging um die Welt: In seinem Netz fand er ein Silberarmband, das das Rätsel um den 1944 verschollenen Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry lösen half.

Wie ein gestrandeter Dampfer wirkt die "Cité radieuse", die "strahlende Stadt" des Architekten Le Corbusier. Der futuristische, anfangs ungeliebte Betonklotz ist heute Kult. Junge Designer und Künstler aus Paris bringen neues Leben in den Architekturklassiker. Das Dach wurde zum Dorfplatz umfunktioniert und in einem schicken Apartment darf probegewohnt werden.

Im Norden Marseilles begegnet der Film Boxtrainer Kayser, der die Aggression der Straße in sportlichen Ehrgeiz umwandelt. Die Musikerin Karine Hallakoun singt von Visa, die Menschen erlauben, sich genauso frei in der Welt zu bewegen wie Waren. Und in einem Atelier mitten im Fährhafen trifft der Zuschauer auf einen Maschinenkünstler, der die Welt verbessern will.

Es heißt, Marseille habe sich in den letzten Jahren so stark verändert wie Berlin nach dem Fall der Mauer. Der Film taucht ein in die mediterrane Welt von Frankreichs zweitgrößter Stadt. Er porträtiert Menschen, die von der Hafenmetropole geprägt wurden und deren Visionen für das neue Lebensgefühl der "Schönen des Südens" stehen.

Sendung vom

Mo, 18.3.2019 | 10:30 Uhr

SWR Fernsehen

Marseilles Musikszene brodelt

Tipps rund um Marseille

Stadtwandern trifft auf Kultur

Sendezeit

Montag und Dienstag, 15.15 Uhr und Montag 10.30 Uhr

im SWR Fernsehen