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SENDETERMIN So, 10.6.2018 | 14:30 Uhr | SWR Fernsehen

Copacabana - Die Suche nach dem Glück

Copacabana, der bekannteste Strand Rio de Janeiros, gilt als Traum mit großer Anziehungskraft - ihn umgibt ein Mythos von unbeschwertem Leben, von Sonne, Sand und Meer. Regisseur Thomas Wartmann stellt in seinem Film einen bunten Reigen von Menschen vor, die an der Copacabana ihr Glück gesucht und gefunden haben ...

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Am bekanntesten Strand Rio de Janeiros

Copacabana - Auf der Suche nach dem Glück

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Larissa Costa, die amtierende Miss Brazil, posiert für ein Modemagazin. Für die Fischer ist es wie ein Besuch von einem anderen Planeten.

Larissa Costa, die amtierende Miss Brazil, posiert für ein Modemagazin. Für die Fischer ist es wie ein Besuch von einem anderen Planeten.

Die beiden Boxer Markus und Ronaldo sind gerne am Strand. Schließlich möchten sie bei den Mädchen am Strand Eindruck schinden.

Die Copacabana war ursprünglich ein unbedeutender Vorort der Hauptstadt Brasiliens, ein verschlafenes Fischerdorf. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Strand aus Gesundheitsgründen beliebt. Mit dem Bau eines Luxushotels kamen die Reichen und Schönen, doch bis heute tummeln sich alle Bevölkerungsschichten am Strand.

Ein Mann sucht das Glück. 38 Jahre schon kommt Jorge jeden Morgen an den Strand. Er sucht nach dem, was andere beim Baden verloren haben: Uhren, Schmuck, Münzen. Das macht er durchaus mit Erfolg.

Mayra kam vor vier Jahren aus Porto Alegre im Süden Brasiliens nach Rio. Ihr Körper ist ihr wichtigstes Kapital, denn sie träumt vom Eintritt in die Welt der Reichen.

Manuel gehört eines der 20 Boote, die jeden Morgen auf das Meer hinausfahren. Die Fischer leben nicht schlecht davon, denn die Copacabana ist der einzige Ort in ganz Rio, wo Fisch fangfrisch verkauft wird.

Alle nennen ihn Pavarotti, den singenden Müllmann. - Für ihn ist die Copacabana der Liebling Gottes und Rio die schönste Stadt der Welt. Sie sauber zu halten ist sein Lebenszweck. Er liebt seine Arbeit und will mit gutem Bespiel vorangehen.

Lange Zeit galt er als der schönste Mann Brasiliens. Er verstand es seine Attraktivität zum Beruf zum machen. Mit fünfzehn war er neben Claudia Cardinale zu sehen, später hatte er als Begleiter von Lisa Minelli und Tina Onassis seinen Platz in den Klatschspalten.

Leutnant Rafael vom 19. Militärbataillon hat Nachtschicht, ein gefährlicher Dienst, In Rio befinden sich 90 Prozent der Schusswaffen in Privatbesitz, nur zehn Prozent gehören dem Staat.

Roberto Menescal und seine Freunde machten in ihrer Jugend eine Musik, in der sich die Träume der Menschen verdichteten. Lieder wie „Das Girl von Ipanema“ entstanden spontan am Strand.

Unteroffizier Rodriguez gehört zum 19. Bataillon der Militärpolizei in Copacabana. Im Laufe der Jahre hat er einen Blick für seine Kundschaft entwickelt.

Die Copacabana, das ist ein Traum mit großer Anziehungskraft. Es umgibt sie ein besonderer Mythos – von unbeschwertem Leben, von Sonne, Sand und Meer. Ein utopischer Ort, an dem man das Glück finden kann, auch ohne lange zu suchen.

Zur Unterstützung der Strandpolizei sind an den Hochhäusern Überwachungskameras angebracht. Sie werden vom Monitorraum des 19. Militär-Batallions aus gesteuert. Die Kameras erlauben es der Polizei, Verbrecher und Verbrechen unbemerkt zu beobachten und dann im richtigen Moment motorisierte Beamte zum Einsatz zu schicken.

Die meisten kommen zum Flirten. Pedro Aguinaga, Lebemann und Ex-Begleiter von Lisa Minelli und Tina Onassis, lebt schon immer an der vier Kilometer langen Sandbucht, die auch "kleine Meerprinzessin" genannt wird. Verändert hat sich über die Jahrzehnte nur die Mode, sagt er: Heute seien alle "praktisch schon nackt" - das hat das Flirten noch leichter gemacht. Pedro liebt den Strand besonders, weil er demokratisch ist: "Badehose an, Oberköper frei, und alle sind gleich: der Bankier, der Dieb, der Bettler - alle sind gleich".


Die Copacabana war ursprünglich ein unbedeutender Vorort der Hauptstadt Brasiliens, ein verschlafenes Fischerdorf. Anfang des 20. Jahrhunderts kamen Besucher nur wegen der salpeterhaltigen Luft in die Bucht. Erst das Fünf-Sterne-Hotel "Copacabana Palace" brachte Aufschwung, Glanz & Glamour und Überbevölkerung gleichermaßen.

Im Potpourri der Kulturen entstand am Strand vor dem Hotel in den 50er Jahren eine neue Musik, die schnell die Welt eroberte: der Bossa Nova. Um das Glück der Hotelgäste sorgt sich tagein, tagaus Pavarotti, der singende Müllmann. Das Pflaster vor dem Hoteleingang für Schauspieler, Präsidenten und Könige sauber zu halten, hält er für seine Lebensaufgabe.


Glück ist für die meisten Bewohner Rios gleichbedeutend mit Schönheit. Täglich werden am Strand die Körper gebräunt, gestählt und getuned. Schönheitschirurgie gehört zum guten Ton, denn sie verschafft Zutritt zu Geld und Luxus - das glaubt zumindest Mayra, die ihren Escortservice im Internet anbietet. Den Verheißungen von Geld und Luxus können auch andere nicht widerstehen: die Copacabana ist in vieler Hinsicht ein heißes Pflaster.

Polizei und Militär haben rund um die Uhr Hochbetrieb. Boxer Claudio Coelho hat seinen eigenen Weg gefunden, der Kriminalität entgegenzutreten: In einer von Copacabanas Favelas hat er eine Boxschule gegründet, mit der er schon zahlreiche Jugendliche von der Straße geholt hat. Ihre Aggressionen können sie hier auf friedliche Weise abbauen.

Den letzten Abend jeden Jahres verbringen die Cariocas, die Bewohner Rios, traditionell an der Copacabana - ganz in weiß gekleidet, zur größten Silvesterfeier der Welt. Für Jorge, den alle nur "Garimpeiro", den Goldsucher, nennen, ist der 1. Januar deshalb der beste Tag des Jahres. Seit 38 Jahren ernährt er seine Familie von den Dingen, die andere am Strand verlieren. Das Glück, sagt Jorge, ist für alle da. Man muss nur hartnäckig sein und lang genug danach suchen.

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Montag und Dienstag, 15.15 Uhr und Montag 10.30 Uhr

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