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SENDETERMIN Mo, 19.11.2018 | 10:30 Uhr | SWR Fernsehen

Länder-Menschen-Abenteuer Russlands kaltes Herz (Folge 1)

Sibirien klingt hierzulande für viele hauptsächlich nach Verbannung und Straflagern, nach meterhohem Schnee und bitterer Kälte. In Russland ist der Name viel mehr: Metapher für Grenzenlosigkeit und Unendlichkeit, Symbol für den Kampf gegen die Wildnis, Verweis auf den Reichtum an Rohstoffen. Wörtlich übersetzt heißt Sibirien „Schlafende Erde“.

Die Eroberung des riesigen Gebietes zwischen Ural und Nordpazifik begann erst im 16. Jahrhundert; abgeschlossen ist sie noch längst nicht. Denn Russlands Zukunft hängt entscheidend von seinen natürlichen Ressourcen ab, und Sibirien besitzt Erdöl und Gas.

Der zweiteilige Film ist eine Reise entlang des Flusses Ob, der auf mehr als 4000 Kilometern Sibirien vom Altai im Süden bis zur Kara See im Norden durchfließt. Regisseur Andreas Voigt und sein Team haben links und rechts des Ob nach Geschichten und Schicksalen gesucht, die uns Einblick geben, wie die Menschen in Russlands „wildem“ Osten leben, denken und fühlen. Sie waren im Sommer unterwegs und bei den gnadenlosen Temperaturen des sibirischen Winters.

Zeltlager mit Schlitten im Schnee

Traditionelles Zeltlager der Rentiernomaden.

In der ersten Folge reisen sie vom Mittleren Ob in den Süden. „Der Fluss ist mein Leben“, sagt der Kapitän ihrer Fähre, “ich lebe auf seine Kosten.“

„Er ernährt uns, ohne ihn sind wir nichts“, so Kusma, ein Fischer des Minderheitenvolkes der Chanten. Dagegen klagt die Chantin Soja: „Die Erde hier ist krank. Und sie kann nicht mehr gesund werden, wenn man nicht aufhört, überall Straßen zu bauen und Erdöl zu fördern.“ Die Chanten gehören zu den Ureinwohnern Sibiriens. Sie haben eine eigene Sprache, glauben an eine beseelte Natur und leben wie vor Jahrhunderten ihre Vorfahren: als Jäger und Sammler.

Die Städte am Ob dagegen sind jung. Erst vor 30, 40 Jahren wurden sie in die unwirtlichen Sümpfe hinein gebaut. In der Metropole Novosibirsk, heute Russlands drittgrößte Stadt, trifft das Team einen der modernen Sibirien-Eroberer, den amerikanischen Geschäftsmann Eric. „Wenn du erfolgreich bist“, sagt er, “kannst du auf einem Markt wie Russland viel größere Gewinne machen als in Europa oder in Amerika.“ Der schwergewichtige Mann aus Minnesota kam kurz nach der Perestroika nach Russland und macht sein Geld mit Brot, Pizza und Kuchen. In Novosibirsk besitzt er mehrere Konditoreien, Cafés, Restaurants und Nachtclubs.

An den Ufern des Ob treffen Vergangenheit und Gegenwart aufeinander: für die einen verheißungsvoll und zukunftsweisend, für die anderen schwierig und ihren Lebensraum bedrohend.

Sendung vom

Mo, 19.11.2018 | 10:30 Uhr

SWR Fernsehen

Sendezeit

Montag und Dienstag, 15.15 Uhr und Montag 10.30 Uhr

im SWR Fernsehen