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SENDETERMIN Mo, 27.1.2020 | 7:10 Uhr | SWR Fernsehen

Länder - Menschen - Abenteuer Nunavut - Bewährung in der Wildnis

Nunavut, das selbstverwaltete Territorium der Inuit im Norden Kandas hat viele Probleme. Arbeitslosigkeit, Drogen, Alkoholismus, Missbrauch, Gewalt und eine extrem hohe Selbstmordrate gehören zum Alltag vieler Inuit. Jetzt haben Nunavut und die kanadische Regierung ein „On The Land“-Programm als Bewährungsmaßnahme für jugendliche Straftäter aufgelegt.

Dabei lernen die Jugendlichen das Überleben in der Wildnis, d.h. sich als Jäger und Fischer in Extremsituationen zu behaupten. Extrem, damit sind Temperaturen von minus 40 Grad, Schneestürme und gefährliche Windstärken gemeint sowie eine Umwelt, in der man keine Baustoffe zur Verfügung hat, weder Holz noch Nägel oder Metall, sondern wie vor hundert Jahren einen sicheren Schutz nur aus Schnee bauen kann.

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Nunavut - Bewährung in der Wildnis

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Die Tücken des Eises, das Jahr für Jahr dünner wird, dürfen nicht ignoriert werden. Denn die Erderwärmung schreitet in der Arktis schneller voran, als anderswo. Tödliche Unfälle von Jägern, die mit ihren Motorschlitten einbrechen, häufen sich.

Die Tücken des Eises, das Jahr für Jahr dünner wird, dürfen nicht ignoriert werden. Denn die Erderwärmung schreitet in der Arktis schneller voran, als anderswo. Tödliche Unfälle von Jägern, die mit ihren Motorschlitten einbrechen, häufen sich.

Fischen gehört zum Resozialisierungsprogramm. Was früher eine selbstverständliche Tätigkeit für die Männer und Frauen war, muss heute wieder gelernt werden. Die Bewährung in der Wildnis soll den Selbstwert der Straftäter stärken.

Nur 32000 Menschen leben im Territorium der Inuit-Selbstverwaltung, einem Gebiet fünfmal so groß wie Deutschland.

Auf Robbenjagd in der Frobisher Bay. Was früher die Lebensgrundlage der Inuit war, ist für die Häftlinge Therapie. Und nicht ganz ungefährlich.

„Nunavut“, Ende der 1990er Jahre war es das gelobte Land der Inuit in der kanadischen Arktis. Heute ist es ein Synonym für Perspektivlosigkeit, Suchtprobleme und Gewalt.

Elena Ootoovak war Lehrerin, geriet jedoch auf die schiefe Bahn. Vom Resozialisierungsprogramm erhofft sie sich einen Neustart.

Lala beherrscht den traditionellen Kehlkopfgesang der Inuit. Für Elena ein unmögliches Unterfangen, diese Töne zu singen.

Jagen, das ist für die Inuit eine Zeitreise zum Leben ihrer Eltern, Großeltern - und vielleicht auch zu sich selbst.

Für ihre Eltern und Großeltern war das Leben in und mit der eisigen Wildnis noch eine Selbstverständlichkeit. Auf dem Packeis Robben oder in der Tundra Rentiere zu jagen, sogar Eisbären zu erlegen sicherte ihr Überleben. Die jungen Inuit von heute leben in Holzhäusern, kaufen sich ihre Kleidung im Supermarkt und hängen finanziell am Tropf der kanadischen Regierung.

Zum Konzept des „On The Land“ Programms gehört es, die Häftlinge mit ihren eigenen Traditionen zu konfrontieren. Das Überleben in der Wildnis als Therapie und als Weg in ein selbstbestimmtes und selbstbewusstes Leben nach dem Knast! Sie erlernen das Jagen, das Spurenlesen, Er- und Zerlegen von Wild, die Zubereitung von Nahrung, sie lernen, wie man aus Tierhäuten Boots macht und wie man einen Parka näht. In zeitlich begrenzten Outdoor- Camps werden ihnen sogar Waffen anvertraut. Im Projekt bleiben natürlich nur die, die mit dieser Verantwortung umgehen können.


Der Filmemacher Jérôme Ségur porträtiert zwei Häftlinge, die am Projekt teilnehmen, Matthew und Elena. Er gibt Einblicke in ihr bisheriges Leben, zeigt, wie sie sich den Herausforderungen des Programms stellen, wie sie sich dem eigenen kulturellen Erbe mehr und mehr öffnen und wie in ihnen eine Hoffnung wächst, in Freiheit dem eigenen Teufelskreis zu entkommen. Dabei entdeckt der Zuschauer eine faszinierende Landschaft, die Herausforderungen echter Wildnis und eine Gesellschaft, in der „Dschungelcamp“ mal ein bisschen anders gespielt wird als auf RTL.

Sendung vom

Mo, 27.1.2020 | 7:10 Uhr

SWR Fernsehen

Sendezeit

Montag und Dienstag, 15.15 Uhr und Montag 10.30 Uhr

im SWR Fernsehen