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SENDETERMIN So, 15.7.2018 | 14:30 Uhr | SWR Fernsehen

Kambodschas weibliches Gesicht

Frauen im Land der Khmer

Noch heute leidet Kambodscha unter den Folgen von 30 Jahren Bürgerkrieg und den während der Herrschaft von Pol Pot verübten Verbrechen. Massenmord, Verschleppung und Folter – kaum eine Familie, die keine Opfer zu beklagen hätte.

Kinder beim Tanzunterricht

Waisenkinder lernen klassischen kambodschanischen Tanz

Besonders lastet das Trauma auf den Frauen. Normalität leben, den Schmerz unterdrücken, schön sein wie eine Apsara, eine der himmlischen Nymphen, die die Khmer-Tempel schmücken, so könnte man die Erwartungen, die das Land an seine weibliche Bevölkerung richtet, auf einen Nenner bringen.

Filmemacher Pierre Combroux hat sich in Phnom Phen mit Frauen unterschiedlichster Herkunft getroffen und mit ihnen über „Weiblichkeit“ und „Schönheit“ gesprochen. Themen, die unter den Roten Khmer als dekadente Produkte des Klassenfeindes galten und gefährlich waren. Sogar der klassische Apsara-Tanz war verboten, die Tänzerinnen und Musiker des königlichen Balletts wurden in Arbeitslager gesteckt und fast alle ermordet. Dass alte Choreographien noch erhalten sind, ist allein der überlebenden Tänzerin Vong Metry zu verdanken.

Der Film besucht die Schule, sie mithilfe von Spendengeldern gegründet hat, um Waisenkindern eine Ausbildung im klassischen kambodschanischen Tanz zu ermöglichen. Aus der jungen Szene von Phnom Phen trifft er die Performerin Belle Chumvan, die sich nach der neunjährigen klassischen Ausbildung von Break Dance und Michael Jackson beeinflussen ließ und eine erfolgreiche junge Truppe aufgebaut hat.

Die Rapperin und Fassaden-Künstlerin Lisa Mam beschäftigt sich in ihren Songs und Bildern mit Weiblichkeit und Mutterschaft, denn für sie sind das die Säulen von „Frauen-Power“. Eine der großen Kino-Diven aus der Zeit vor der Diktatur erzählt von der blühenden Filmindustrie der 60-er Jahre, auch sie fiel dem Wüten des Terrorregimes zum Opfer. Ein traditionelles Handwerk der Khmer, ihre einzigartige Webtechnik, lernen wir durch den Designer Eric Raisina kennen, der die Stoffe der Kambodschanerinnen auf die Laufstege der internationalen Haute Couture brachte.

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Eine neue Generation wächst heran

Kambodschas weibliches Gesicht

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Die junge Lisa Mam gehört zur alternativen Kunstszene von Pnom Penh. Sie rappt und malt. Besonders gerne kraftvolle Frauenfiguren.

Die junge Lisa Mam gehört zur alternativen Kunstszene von Pnom Penh. Sie rappt und malt. Besonders gerne kraftvolle Frauenfiguren.

Die junge Ah Leng kam vom Dorf in die Stadt. Sie arbeitet als Kellnerin.

Apsara – das Ballett, das einst nur Göttern und Königen vorbehalten war. Unter Pol Pot wurden fast alle Tänzerinnen umgebracht und die Aufzeichnungen über die Tänze verbrannt.

Apsara sein heißt, eine Geisteshaltung einzunehmen, sich als Frau in ein paradiesisches Wesen zu verwandeln.

Die Apsaras verkörpern, wenn sie ihre Kunst beherrschen, Spiritualität. und Erleuchtung.

Die Performerin Chumvan machte ihre Tanzausbildung an der staatlichen Kunstschule. Ihre Lehrer haben sie für die „männlichen“ Rollen des klassisch-kambodschanischen Tanzes ausgebildet. Heute ist diese Ausbildung ihre Basis für zeitgenössische Tanzstile.

Chumvan Sodhachivy: "Moderner Tanz bedeutet Freiheit. Ich kann tun und lassen, was ich will; niemand kann sagen, das ist falsch."

In Pnom Phen ist eine alternative Szene gewachsen, in der selbstbewusste, junge Künstlerinnen die Trends bestimmen.

In den 60-ern gab es in Phnom Phem eine blühende Filmindustrie. Als die Roten Khmer die Stadt eroberten, zerstörten sie die Studios. Eine der großen Diven aus der Zeit vor Pol Pot, Dy Saveth, hat die Diktatur (im thailändischen Exil) überlebt.

Eric Raisina liebt die Arbeit mit Seide und das handwerkliche Können der Kambodschaner. "Ich verbrachte meinen Urlaub hier und kam durch die Dörfer, wo man diese herrlichen Stoffe herstellt. Es war eine Entdeckung... Man kennt zwar die Techniken, aber wenn man aber die Leute in echt sieht, wie sie dieses Material weben, ist das sehr bewegend."

Das Herstellen von kostbaren Seidenstoffen hat in Kambodscha Tradition. In allen Dörfern gibt es Frauen, die die Techniken der Weberei perfekt beherrschen.

Über Spenden finanziert sich die Hotelfachschule von Siem Rap. Jugendlichen aus dem ländlichen Milieu versucht man, hier eine Perspektive zu eröffnen. Math Mon gehört zu den Schülern und sie möchte später mit ihrer Arbeit ihre Familie unterstützen.

Bokator ist nicht nur ein Kampf. Es geht auch um eine schöne Performance, es ist Kunst. Sam und Eng sind begeisterte Kämpferinnen.

Vong Metry hat eine Schule gegründet, in der sie – unterstützt durch Spendengelder – den klassisch-kambodschanischen Tanz Waisenkindern beibringt. Auch Kinder aus einfachen Verhältnissen sollen Zugang zur Kunst erhalten.

Kunst und Kultur waren unter den Roten Khmer verboten. Viele Menschen wurden umgebracht. Heute besinnen sich die Kambodschaner auf ihre kulturellen Wurzeln, zu denen auch der Apsara-Tanz gehört.

Unter dem Pol-Pot-Regime wäre Aerobic undenkbar gewesen.

Von jungen Barmädchen und Schülerinnen einer Hotelfachschule erfahren wir von den Bedingungen, unter denen die Landbevölkerung lebt und wie schwer es für Jugendliche aus dem ländlichen Milieu es ist, eine Schule abzuschließen und anschließend eine Ausbildung zu bekommen.

Die Frauen und Mädchen, die sich in Pierre Combroux‘ Film äußern, zeigen ein Land im Umbruch. Ein Land, dessen Bevölkerung im Durchschnitt 22 Jahre alt ist und das sich, um sein Trauma zu überwinden, neu definieren muss. Dabei sind es vor allem die Frauen, die mit tradierten Rollen brechen, um den Weg in eine bessere Zukunft zu bahnen.

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So, 15.7.2018 | 14:30 Uhr

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Montag und Dienstag, 15.15 Uhr und Montag 10.30 Uhr

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