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SENDETERMIN Fr, 11.1.2019 | 13:15 Uhr | 3sat

Auf Schottlands Whisky-Routen

Whisky ist mehr als gebranntes Gerstenmalz, er ist der Stolz der Schotten. Wie die meisten Spirituosen wurde schottischer Whisky zunächst als Medizin verwendet. Heute ist er das hochprozentige Genussmittel mit dem besten Ruf weltweit und beschert den Schotten einen Exportumsatz von jährlich sechs Milliarden Euro.

Mann mit Glas in der Hand prüft das Aroma des Whiskys.

Eugen Kasparek

Eugen Kasparek ist ein Meister des Geschmacks. Er verkauft erlesenen Whisky und veranstaltet Tastings in Berlin. Einmal im Jahr reist er nach Schottland, um die Menschen hinter der Spirituose zu treffen. Der Film begleitet Eugen auf seiner Reise in die Welt des schottischen Nationalgetränks. Sie führt über die Whisky-Inseln Islay und Skye, durch die schottischen Highlands und nach Glasgow, wo der reinste Whisky höchste Preise erzielt. Die Hebriden-Insel Islay ist die Whisky-Insel schlechthin. Eugen besucht zwei der acht Destillerien und sieht, wie der Whisky gemacht wird. Er ist dabei, als Torf aus dem Moor gestochen wird. Das pflanzliche Brennmaterial gibt dem Insel-Whisky die rauchige Note.


"Uisge beatha" ist gälisch und bedeutet Lebenswasser. Einst wurde Schottlands flüssiges Gold geschmuggelt, entlang alter Viehwege. Mit dem Motorrad fährt Eugen ins Hochland, nach Dalwhinnie, wo die Schmugglerrouten zusammenliefen. Vor der örtlichen Destillerie treiben die Schäfer ihre Herden zur jährlichen Schur zusammen.
Die Isle of Skye gilt als Schottlands schönste Insel. An einem Meeresarm liegt ihre einzige Destillerie. Kenny Bain ist der Stillman, er steuert den Brennvorgang - und im Nebenberuf züchtet er Austern. Sternekoch Marcello Tully kommt vorbei, um frische Austern zu kaufen. Er lädt Eugen in seine Küche ein, auf der Speisekarte stehen Langusten mit Paprikawurst und Passionsfrucht, verfeinert mit Whisky von der Insel. Das Softe der Langusten und das Torfige passen großartig zusammen, findet der Berliner.

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Auf Schottlands Whisky-Routen

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Das Holz des Fasses beeinflusst den Geschmack des Whisky.

Das Holz des Fasses beeinflusst den Geschmack des Whisky.

Ailie Robertson komponiert im Lagerhaus für die keltische Harfe.

Stills heißen die kupfernen Brennblasen, in denen der Whisky zweimal destilliert wird. Sie sind in jeder Brennerei einzigartig

Holzfässer sind lebenswichtig für die Whisky-Industrie. Wegen des Whisky Booms, vor allem in Asien, nicht mehr genügend gute Fässer auf dem Markt.

Noch nie gab es so viele verschiedene Whiskys auf dem Markt wie heute, ein goldenes Zeitalter für Single-Malt-Genießer.

Whisky-Fässer müssen gebraucht sein, damit der Whisky nach den Jahren der Reifung nicht nach Holz schmeckt, sondern leicht nach Sherry oder Bourbon.

Die Isle of Jura ist die Nachbarinsel von Islay in den Inneren Hebriden. Auf ihr leben etwa 225 Menschen und viele Kormorane.

Die Isle of Skye ist die größte Insel der Inneren Hebriden und gilt als schönste Insel Schottlands. Eine Whisky-Insel ist sie nicht mehr, weil das Getreide aus fruchtbareren Gegenden herbeigeschifft werden musste, hat nur eine von sieben Brennereien überlebt.

Der Dudelsack der Hochländer gehört zu Schottland wie Whisky.

Hochlandschafe vor der Destillerie in Dalwhinnie

Aus der Wolle der Scottish Blackface wird Tweed gewebt.

Eugen Kasparek aus Berlin ist ein Meister des Geschmacks.

Ewan Mackintosh(rechts) managt eine der höchst gelegenen Destillerien Schottlands, in Dalwhinnie in den Highlands.

Inveraray Castle ist der Sitz der Dukes von Argyll, einer der mächtigsten und angesehensten Adelsfamilien Schottlands.

Einst brachten die Inselfürsten, Herrscher über die See zwischen Schottland und Irland, den Getreidebrand aus irischen Klöstern. Heute ist das flüssige Gold der Schotten auf der ganzen Welt begehrt.

Whisky gilt als die Essenz Schottlands.

Ian MacMillan ist Master Distiller auf der Whisky-Insel Islay.

Islay hat eine Fläche von 30 auf 40 Kilometern und acht Destillerien, hier die Destillerie Ardbeg, die einem französischen Luxuskonzern gehört.

Islay ist weithin von Mooren bedeckt. Schon immer stachen die Inselbewohner Torf, um damit zu heizen.

Torf gibt vielen schottischen Whiskies die besondere Note, auf der Whisky-Insel eine raue Note, denn im Torf sind Überreste von Seetang enthalten.

Portnahaven, ein Fischerort auf der Hebriden-Insel Islay hat nur 3000 Bewohner, aber acht Destillerien, alle weltberühmt.

An der Bucht von Lagavulin im Süden Islays wird seit 1742 Whisky gebrannt

Für Single Malt Whisky wird die Gerste gemälzt, also zum Keimen gebracht und dann mit Torf geräuchert, der von unten durch den Mälzboden zieht.

In den "wash stills" wird das vergorene Gerstenmalz, auch Bier genannt, auf 20-25 % Alkohol gebrannt, in den "spirit stills" wird der so erhaltene "low wine" auf bis zu 70 % destilliert und dann in Fässer abgefüllt.


In einem Industriegebiet von Glasgow ist Eugen mit David Stirk verabredet, der mit einzelnen Fässern bekannter Destillerien handelt. Single-Cask-Whisky, Abfüllungen aus einem einzelnen Brennvorgang, sind weltweit begehrt. Ein Fass kostet 10.000 Euro aufwärts, und die Preise verdoppeln sich von Jahr zu Jahr. "Noch nie bestand ein so reiches Angebot an Whisky", sagt der unabhängige Abfüller David, "und noch nie war die Nachfrage so groß."


Aber ein Ende des Booms ist in Sicht. Gute Holzfässer verschwinden vom Markt. Noch zwanzig Jahre vielleicht, dann könnte das flüssige Gold wieder sein, was es einmal war: Uisge beatha, das Lebenswasser der schottischen Provinz.

Sendung vom

Fr, 11.1.2019 | 13:15 Uhr

3sat

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Montag und Dienstag, 15.15 Uhr und Montag 10.30 Uhr

im SWR Fernsehen