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SENDETERMIN Mo, 31.10.2016 | 18:45 Uhr | SWR Fernsehen RP

Mainzer Allerheiligen-Tradition Mit dem Newweling auf den Friedhof

An Allerheiligen gehen die Mainzer mit kegelförmigen Kerzen auf den Friedhof - den Newwelingen. Es gibt aber nur noch eine Firma, die die traditionellen Kerzen herstellt.

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"Ein Wachsstrang mit einem Docht als Kopp - gerollt als Kegel, wie ein Zopp" - So beschreibt Herbert Bonewitz die bunte Kerze in seinem Gedicht "Newweling". Die Kerze wird in Kegelform hergestellt und besteht aus spiralförmig gedrehten und mit Kerzenwachs überzogenen Dochten.

Für das Kerzenwachs werden traditionell die fünf Farben Rot, Weiß, Blau, Gelb und Grün verwendet. Durch die Kombination verschiedenfarbiger Wachsstränge ergibt sich das charakteristische, bunte Erscheinungsbild des Newwelings.

Franz-Hubertus Tusar an der Kerzen-Maschine

Letzter Newweling-Produzent in Mainz: Franz-Hubertus Tusar

In Mainz gibt es aber nur noch einen Hersteller für die traditionelle Kerze, die an Allerheiligen und Allerseelen verwendet wird: Franz-Hubertus Tusar. Kurz vor den traditionellen Festen setzt er eine spezielle Maschine in Gang, ein großes Geschäft kann er damit allerdings nicht machen."Für uns ist es reine Traditionspflege, weil es seit Jahrhunderten Newwelinge gibt", betont Tusar.

"Das ist ein enormer Aufwand, es muss mit verschiedenen Farben gearbeitet werden, aber für einen Tag im Jahr kann man sich das leisten."

Traditionskerze ohne Zukunft?


"Ich will dohin, wo Newweling duhn brenne, unn wo mer mit de Klepper ratscht unn singt" (Määnz bleibt Määnz")

Nur 20 Kilo Newwelinge werden an der 70 Jahre alten Maschine hergestellt. Und wie lange die Traditionskerzen, die sogar im Mainzer Fastnachtslied "Määnz bleibt Määnz" vorkommen, noch in der Domstadt gefertigt werden, ist unklar. Er glaube nicht, dass er einen Nachfolger für seine Werkstatt finden werde - "und dann wird der Newweling sterben".

Um einen Stock gewickelt

Newweling brennt auf Friedhof

Um einen Stock gewickelt - so brennt der Newweling auf dem Friedhof

Die Gläubigen gehen an Allerheiligen zum Totengedenken mit dem bunten Newweling auf den Friedhof. Newweling-Neulinge erkennt man daran, dass sie den Kegel einfach oben anzünden. Dann wird der Newweling zur Eventkerze und brennt in einer Minute komplett ab. Traditionell werden die Wachsfäden um einen Stock oder einen kleinen Ast gewickelt und die Dochte dann angezündet. Die Menschen behalten den Stock in der Hand oder stecken ihn in die Erde oder auf das Grab.

Verkauft werden die Newwelinge an Allerheiligen auf dem Mainzer Hauptfriedhof, dem Waldfriedhof in Mombach und dem Friedhof in Gonsenheim.


Der Newweling
Der Name leitet sich nach dem Mainzer Wörterbuch von Nebel (mainzerisch: Newwel) ab und könnte auch als Nebellicht oder Nebelring gedeutet werden. Der Name verweist also vermutlich auf das trübe und neblige Wetter, das zu Allerheiligen und Allerseelen meist herrscht. 1347 wird in einer Urkunde erwähnt, dass zwanzig Pfund Wachs gekauft und "in cereis et in nebeling", also in Form von Kerzen und Nebelingen, verbrannt werden sollten. Das Wort Nebeling ähnelt dem Nebelung (Nebelmonat), einem alten deutschen Namen für den November.

aus der Sendung vom

Mo, 31.10.2016 | 18:45 Uhr

SWR Fernsehen RP

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