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Telemedizin iRLP

SENDETERMIN Mo, 25.3.2019 | 18:45 Uhr | SWR Fernsehen RP

Neue Form der medizinischen Versorgung Telemedizin - die virtuelle Sprechstunde

Wenn Arzt und Patient sich kennen, dürfen Mediziner in bestimmten Fällen aus der Ferne behandeln - zum Beispiel per Video, Telefon oder Chat im Internet. In Rheinland-Pfalz geht Telemedizin aber in Zukunft noch weiter: Fernbehandlung ist bald auch erlaubt, wenn sich Arzt und Patient vorher noch nie gesehen haben.

Wie funktioniert Telemedizin?

Sobald der Arzt oder die Ärztin aus der Ferne behandelt, spricht man von Telemedizin. Die Kinderchirurgie der Mainzer Uniklinik bietet zum Beispiel seit 2015 eine Videosprechstunde an. Das ist aber nur eine der Möglichkeiten, die Patienten aus der Ferne zu behandeln. Es gibt auch Ärzte in Rheinland-Pfalz, die eine Onlinesprechstunde per Chat anbieten. Der Patient tippt sein Problem ein und der Arzt antwortet, sobald er Zeit dafür hat.

Telemedizin beinhaltet aber noch mehr als den Arzt-Patienten-Kontakt: Auch wenn sich Mediziner untereinander über Diagnose und Befund eines Patienten austauschen und dabei nicht am selben Ort sind, handelt es sich um Telemedizin.

Hand unterschreibt Krankschreibung

Krankschreibungen dürfen in Rheinland-Pfalz nur im direkten Kontakt mit dem Arzt getätigt werden.

Allerdings stößt die Telemedizin auch an rechtliche Grenzen: In Rheinland-Pfalz ist es verboten, via Telemedizin dem Patienten eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung oder ein Rezept auszustellen.

Welche Vorteile hat die Telemedizin?

Für die Patienten liegen die Vorteile auf der Hand: Anstatt lange im Wartezimmer eines Arztes ausharren zu müssen, lässt sich per Telemedizin das Gespräch bequem von zu Hause führen. Der Patient spart Zeit und muss sich zudem keine Sorgen machen, von anderen Patienten angesteckt zu werden.

Dr. Jan Gödcke, Leiter der telemedizinischen Sprechstunde der Kinderchirurgie Uniklinik Mainz, sieht einen weiteren Vorteil: "Heutzutage sind meist beide Elternteile berufstätig und müssen sich häufig für einen Termin beim Arzt mit ihrem Kind mitunter einen ganzen Tag frei nehmen. Für eine telemedizinische Sprechstunde können sie den Termin von zu Hause aus wahrnehmen. Sie müssen nicht in die Klinik fahren. Das heißt wir haben eine Zeitersparnis, wir haben auch eine finanzielle Ersparnis."

Telemedizin 2

Auch Ärzte tauschen sich via Telemedizin aus.

Auch für die Ärzte hat eine telemedizinische Sprechstunde Vorteile. Sie sparen Zeit und Material, da sie beispielsweise keine Untersuchungsinstrumente nach dem Patientengespräch desinfizieren müssen. Außerdem können sie sich eine Fernbehandlung zeitlich flexibel einteilen.

Warum ist Telemedizin umstritten?

Krankmeldung per Whatsapp – dieser Fall von Telemedizin sorgt gerade für große Aufregung. Denn in Schleswig-Holstein gelten andere Bestimmungen als in Rheinland-Pfalz.

  • Wer sich krank fühlt, tippt auf einer Webseite einfach bequem von zu Hause die Krankheitssymptome, persönliche Daten und Versichertennummer der Krankenkasse ein.
  • Diese Daten landen dann bei Ärzten in Schleswig-Holstein. In diesem Bundesland ist es nämlich schon jetzt möglich, Neupatienten aus der Ferne zu behandeln.
  • Nach dem Ärztecheck gibt’s dann die Krankschreibung für maximal drei Tage per Whatsapp.
  • Nutzer zahlen dafür neun Euro, dürfen den Dienst zwei Mal im Jahr nutzen und das nur bei Erkältungskrankheiten. Auch rheinland-pfälzische Patienten nutzen das, um sich den Weg zum Arzt zu sparen.

Der Präsident der rheinland-pfälzischen Landesärztekammer, Dr. Günther Matheis, hält nichts von der Krankschreibung per Whatsapp. Erstens könne dieses System schnell ausgenutzt werden und zweitens gebe es keinen sicheren Datenschutz durch die Übertragung per Whatsapp. 

Dr. Günther Matheis, Präsident der rheinland-pfälzischen Landesärztekammer

Dr. Günther Matheis, Präsident der rheinland-pfälzischen Landesärztekammer

Generell befürwortet Matheis zwar die Telemedizin, sieht aber auch ihre Grenzen: "Der persönliche Arzt-Patient-Kontakt ist und bleibt der Goldstandard in der Behandlung von Patientinnen und Patienten. Das ist die Meinung des Deutschen Ärztetages, das ist die Meinung aller Kolleginnen und Kollegen und ich darf hinzufügen, ich glaube auch, dass die meisten Patienten das nach wie vor so sehen."

Eine aktuelle repräsentative Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung bestätigt das: Danach sagen knapp 73 Prozent der Deutschen, dass sie einer Fernbehandlung nur zustimmen würden, wenn sie den Arzt vorher schon persönlich kennengelernt haben.

Fazit

Die Telemedizin ist in Deutschland auf dem Vormarsch und das aus gutem Grund: Ein Gespräch per Chat oder Video bedeutet für alle Beteiligten weniger Aufwand als das persönliche Gespräch. Dass sich dafür in Zukunft Arzt und Patient nicht mal mehr kennen müssen, lässt der Telemedizin noch mehr Spielraum. Ob der häufig genutzt wird – fraglich. Die meisten Patienten wollen nämlich nach wie vor lieber den Kontakt zu dem Arzt, den sie persönlich kennen und persönlich treffen können.