Bitte warten...
Wörter Papa, Mama und Kind liegen aus einzelnen Buchstaben

SENDETERMIN Do, 13.12.2018 | 18:45 Uhr | SWR Fernsehen RP

Hoffnung und Segen für Kinder und Eltern Wenn Kinder in Pflegefamilien aufwachsen

Etwa 75.000 Pflegekinder gibt es in Deutschland, knapp 3.500 leben in Rheinland-Pfalz. Und immer wieder kommen Aufrufe der Jugendämter, dass Pflegeeltern gesucht werden.

Familie Hens aus Worms - das sind Vater Thomas Hens, seine Frau Beate, Pflegesohn Jermaine, sieben Jahre, und seine elfjährige Halbschwester Angel, die gerade aus der Schule kommt. Angel lebt seit kurz nach ihrer Geburt in der Familie, Jermaine kam mit einem Jahr.

Welche Kinder kommen in Pflege?

Der Wormser Thomas Hens hat einen Verein für Pflegeeltern gegründet und ist im Bundesvorstand des Verbandes der Pflege- und Adoptivfamilien.

Der Wormser Thomas Hens hat einen Verein für Pflegeeltern gegründet.

"In Pflege kommen Kinder, die grundsätzlich nicht bei ihren leiblichen Eltern leben können, die dort nicht versorgt werden können, so wie es sein muss", erklärt Thomas Hens, der im Bundesvorstand des Verbandes für Pflege- und Adoptivfamilien ist. In den meisten Fällen sei vorher schon eine Familienhilfe, sie stünden also schon seit längerer Zeit unter Beobachtung und irgendwann werde festgestellt: "Das funktioniert nicht mehr, dass die Familien die Kinder nicht mehr großziehen können."

Auch Angel und Jermaine kommen aus schwierigen Verhältnissen. Erst hier, in ihrer Pflegefamilie, konnten die beiden als Geschwister zusammen aufwachsen.

Wer kann ein Pflegekind aufnehmen?

Das zuständige Jugendamt prüft nach bestimmten Kriterien, wer für eine Pflegschaft geeignet ist.

Thomas Hens, der schon mehrere Pflegekinder hatte, kennt die Kriterien genau: "Pflegeeltern müssen sich selbst in der Lage fühlen, Kinder großziehen zu können. Sie müssen sich bewerben beim Jugendamt. Sie müssen finanziell unabhängig sein, sie dürfen nicht auf das Pflegegeld angewiesen sein. Alleinerziehende wie auch gleichgeschlechtliche und auch ganz normale Familien können alle ein Pflegekind aufnehmen. Und es müssen Räumlichkeiten zur Verfügung stehen, dass das Kind ein eigenes Bett hat."

Was bekommen Pflegeeltern dafür?

In Rheinland-Pfalz bekommen Pflegeltern je nach Wohnort pro Kind bis zu 916 Euro für den Unterhalt.

Für Beate und Thomas und Hens ist es nicht das Geld, das zählt. Beide haben erwachsene Kinder aus früheren Beziehungen. Heute sind sie Pflegeeltern aus Leidenschaft.

Für Beate und Thomas und Hens ist es nicht das Geld, das zählt. Beide haben erwachsene Kinder aus früheren Beziehungen. Heute sind sie Pflegeeltern aus Leidenschaft.

"Wenn man sieht, wie die Kinder groß werden, was aus den Kindern wird, was die Kinder einem wiederspiegeln, wie gerne sie nach Hause kommen, wie gerne sie da sind. Das ist das, womit man belohnt wird", betont Pflegevater Thomas Hens. "Das sind unsere Kinder und wir haben sie total gerne. Sie gehören hier hin. Sie sind aufgenommen wie ein leibliches Kind."

Die Unterbringung in einer Familie ist deutlich kostengünstiger als ein Heimplatz. Trotzdem werden die Familien bei notwendigen Anschaffungen nur mäßig finanziell unterstützt.

Beate und Thomas Hens wissen das aus eigener Erfahrung: "Wenn Sachen anstehen, Käufe anstehen, Käufe von Möbeln, von technischen Geräten wie Computern, wenn es um die Schule geht oder irgendwann um ein Fahrrad, da gibt es einen Zuschuss, der ist meistens nicht so hoch wie das, was das Kind eigentlich bräuchte. Das ist mehr ein kleines Zubrot."

Ihren Pflegekindern soll es trotzdem an nichts fehlen. Deshalb springen die Pflegeltern oft finanziell in die Bresche.

Wie ist der Kontakt zu den leiblichen Eltern geregelt?

Grundsätzlich haben die leiblichen Eltern das Recht, ihre Kinder zu treffen. Die genauen Besuchsregelungen sind aber individuell unterschiedlich.

"Wenn irgendwann mal eine Rückführung geplant sein sollte, werden die Kontakte öfters durchgeführt. Das heißt, es kann einmal die Woche, zwei Mal die Woche oder alle 14 Tage sein. Wenn es auf längere Zeit ausgelegt ist, dann geht man von einmal alle vier Wochen aus oder alle zwei Monate. Das hängt immer von der Situation ab: Was ist gelaufen? Wie haben die Kinder das aufgenommen? Wie nehmen die Kinder das neue Leben in der neuen Familie auf, wie kommen sie mit der Situation zurecht", erklärt Pflegevater Thomas Hens.

Jermaine und Angel haben ihre leibliche Mutter schon lange nicht mehr gesehen. Für sie ist ihre Familie hier, bei Thomas und Beate Hens.

Fazit

Kinder kommen in Pflegefamilien, wenn ihre leiblichen Eltern nicht für sie sorgen können. Pflegeeltern müssen dafür bestimmte Kriterien erfüllen. Die Unterbringung in Pflegefamilien ist für die Jugendämter kostengünstiger als die Heimunterbringung und für die Kinder meist die bessere Lösung. In Rheinland-Pfalz werden nach wie vor Pflegeeltern gesucht.