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Plastikmüll im Alltag vermeiden

SENDETERMIN Fr, 22.3.2019 | 18:45 Uhr | SWR Fernsehen RP

Gegen den Verpackungswahn Plastikmüll im Alltag vermeiden

Deutschland ist Europameister im Wegwerfen: Rund 20 Millionen Tonnen Verpackungsmüll fallen jedes Jahr an. Anstatt den Müll zu reduzieren, verpacken wir aber immer mehr in Plastik.

Julia Klös aus Mainz macht diesen Verpackungswahnsinn seit fast drei Jahren nicht mehr mit. Sie sagt: "Ich bin einmal durch die Straßen gelaufen und da lagen dann überall die gelben Säcke rum, bevor sie abgeholt wurden. Das hat mich wahnsinnig gestört. Und dann habe ich festgestellt: Ok, meckern ist einfach, aber eigentlich muss man auch was verändern. Und so habe ich angefangen, Stück für Stück alles umzustellen."

Wo gibt es Lebensmittel ohne Plastikverpackungen?

Zum Beispiel auf dem Wochenmarkt: Julia Klös kauft hier regionales Obst und Gemüse plastikfrei ein. Mit dabei hat sie luftdurchlässige Stoffbeutel. Darin hält sich das Obst und Gemüse besonders gut und lange.

In Unverpackt-Läden gibt es zahlreiche Produkte zum selbst abfüllen.

In Unverpackt-Läden gibt es zahlreiche Produkte zum selbst abfüllen.

  • Supermärkte wie Tegut, Edeka und Rewe ermöglichen inzwischen plastikfreies Einkaufen. Obst und Gemüse kann man in wiederverwendbare Stoffbeutel einpacken. Genauso wie Brötchen und Brot von der Backwaren-Theke.
  • An der Frischetheke geht es mittlerweile plastikfrei. Wegen der Hygienevorschriften darf der eigene Behälter aber nur auf ein Tablett gestellt werden. Bezahlen muss man natürlich nur den Inhalt.

Kaffee gibt es oft nur abgepackt in Plastik. Den kauft Julia Klös deswegen im Mainzer Unverpackt-Laden. Genauso wie Seife, Putzmittel und Lebensmittel – alles zum Selbstabfüllen in eigene Gläser und Beutel. Gezahlt wird auch hier nur der Inhalt.

Welche Alternativen gibt es zum Plastik?

Julia Klös erklärt: "Also im Kühlschrank haben wir beispielsweise Sachen in Gläsern. Dann kann man das angeschnittene Gemüse mit der unteren Seite auf einen Teller legen. Dafür braucht man keine Dose. Das Essen vom Vortag habe ich in eine Schüssel getan und einfach eine wiederverwendbare Abdeckhaube aus Baumwolle darüber gemacht. So kann man Alufolie und Frischhaltefolie einsparen."

Auch Dinge selbst herzustellen, ist eine gute Möglichkeit, um Verpackungsmüll zu sparen: ob Waschmittel, Kosmetikprodukte oder WC-Reiniger.

Professor Peter Heck vom Umwelt Campus Birkenfeld fordert ein grundsätzliches Umdenken in der Gesellschaft.

Professor Peter Heck vom Umwelt Campus Birkenfeld fordert ein grundsätzliches Umdenken in der Gesellschaft.

"Bis wir soweit sind, müssen wir versuchen, unsinnige Plastikverpackungen einfach zu verbieten. Plastikverpackungen, die man benutzen kann, die nett sind, aber nicht unbedingt braucht, sollte man teuer machen. Und die, die man unbedingt braucht und die nicht ersetzbar sind, sollte man versuchen durch alternative Bioprodukte – sukzessive quasi – zu ersetzen", so Professor Peter Heck.

Warum ist Plastik schädlich?

Die meisten Plastikprodukte werden aus Erdöl hergestellt und können Giftstoffe freisetzen. Außerdem sind viele gar nicht recyclebar.

"Die sind so besonders hergestellt, besonders leicht, besonders billig, dass sie mit ganz vielen Chemikalien arbeiten und die lassen sich einfach nicht mehr recyceln. Die kann man also nur noch thermisch recyceln – also verbrennen", ergänzt Professor Peter Heck.

Plastikmüll wird oft in Schwellenländer verschifft. Doch dort landet er dann häufig im Meer – und irgendwann in Form von Mikroplastik wieder auf unserem Teller.

Plastikmüll wird oft in Schwellenländer verschifft. Doch dort landet er dann häufig im Meer – und irgendwann in Form von Mikroplastik wieder auf unserem Teller.

Professor Heck erklärt: "Das Problem mit den Plastikprodukten ist, dass sie nicht in diese Welt gehören und nicht abbaubar sind. Unsere Ökosystem können sie nicht zerlegen. Das heißt, sie bleiben stabil und bauen sich über sehr lange Zeit ab zu kleineren Plastikteilen, die wieder andere Probleme bereiten. Das heißt, wir haben ein unlösbares Problem für sehr, sehr lange Zeit geschaffen."

Wie kann man noch Plastik vermeiden?

  • Anstatt Plastikflaschen lieber Trinkflaschen, etwa aus Edelstahl, verwenden.
  • Mineralwasser in Glasflaschen kaufen.
  • Statt Kaffee aus dem Plastikbecher, besser kompostierbare Kaffeebecher benutzen. Die gibt es inzwischen bei vielen kleinen Kaffeeläden.
  • Selbst beim Online-Shopping gibt es Anbieter, die umweltfreundlichere Verpackungen verwenden.

Fazit

Zum Einkaufen Blechdosen, wiederverwendbare Stoffbeutel oder Gläser benutzen. Kosmetik- und Haushaltsmittel auch mal selbst machen. Und plastikfrei einkaufen geht nicht nur in Unverpackt-Läden oder auf dem Wochenmarkt, sondern auch im ganz normalen Supermarkt.

aus der Sendung vom

Fr, 22.3.2019 | 18:45 Uhr

SWR Fernsehen RP