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SENDETERMIN Fr, 11.8.2017 | 18:45 Uhr | SWR Fernsehen RP

Die Kehrseite der schönsten Wanderwege Wenn der Traumpfad zur Toilette wird

Der Traumpfad Eltzer Burgpanorama wurde 2013 zum schönsten Wanderweg gekürt. Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten, das schöne Stückchen Eifel wurde direkt von Touristen überrannt. Für Einheimische entwickelte sich das jedoch alles andere als positiv.

Touristenansturm, großer Bekanntheitsgrad, prämierte Landschaft: Die Bewohner von Wierschem (Landkreis Mayen-Koblenz) müssten eigentlich glücklich über ihren Traumpfad sein. Doch der Schein trügt. Zugeparkte und verunreinigte Straßen, überall Müll und fehlende Toiletten, so sieht die Realität aus. Bürgermeister Michael Kopp kann ein Liedchen davon singen: "Die Wanderer haben uns das ganze Dorf zugeparkt", berichtet er.

Schnell mal Pipi

Doch das sei noch das kleinste Übel. Die Wanderer wären entlang des Traumpfades in die Felder reingelaufen, um ihr Geschäft zu verrichten. Die Folge: Plattgetretene und verunreinigte Felder, verärgerte Landwirte und ein verzweifelter Bürgermeister.

Toilettenwagen am Traumpfad Eltzer Burgpanorama

Ein Toilettenwagen soll Abhilfe schaffen. Doch wer putzt die Toiletten zukünftig?

Doch wie konnte es erst dazu kommen? Die Wierschemer und ihr Bürgermeister lokalisierten das Problem schnell: Es mangele am Konzept der Rhein-Mosel-Eifel Touristik. 27 Traumpfade mit bester Beschilderung gebe es, nur an die Toiletten habe keiner gedacht. Für die Rhein-Mosel-Eifel Touristik sei das Thema schwierig. Sie könne die Qualität nicht sicherstellen. "Deswegen haben wir gesagt, wir etablieren sowas auch nicht, denn dann müssten wir ja auch Personal hinbringen, um die Toiletten zu reinigen", erklärt Henning Schröder von der Rhein-Mosel-Eifel Touristik.

Die Verbandsgemeinde Maifeld sah sich in der Pflicht. Sie zahlte Wierschem ein Toilettenhäuschen inklusive Reinigungskraft. Auch ein zusätzlicher Parkplatz wurde finanziert. Doch nachdem nach einiger Zeit klar wurde, dass andere Wanderwege auch keine Toiletten haben, blieb das Geld ab 2016 aus.

Ran an den Schrubber

Für Bürgermeister Kopp und seine Beigeordnete Resi Hartung blieb nur eine Lösung: Das Örtchen wurde zur "Chef-Sache". "Es ist schön, wenn die Wanderer wandern gehen und nicht überall Toilettenpapier und Tempos am Wegrand liegen", sagt Hartung. Das sei ein ganz anderes Bild. Und auch der Bürgermeister sei mit seiner neuen Reinigungstätigkeit im Reinen, er sei von der Straßenmeisterei und kenne auf Autobahnen ganz andere Toiletten, erzählt er. Doch trotzdem sei das keine Dauerlösung.

Michael Kopp putzt Toilette

Bürgermeister Michael Kopp putzt die Toiletten am Traumpfad Eltzer Burgpanorama

Freiwillige fürs Toiletteputzen fand Wierschem bislang nicht, professionelle Kräfte könnten sie sich auch nicht leisten. Und da der Bürgermeister nicht ewig Toiletten schrubben kann, musste eine andere Lösung her. Nun soll ein Parkautomat die Reinigungskraft bezahlen. Ungefähr 170 Euro die Woche soll die neue Maschine von den Wandereren einziehen. Ob das die Dauerlösung für alle Probleme, die ein Traumpfad mit sich bringt, ist, bleibt jedoch offen.

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