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Datenanalyse fürs ganze Land So pendelt Baden-Württemberg

Verlassene Dörfer und boomende Städte? Auf den ersten Blick scheint das Land in Sachen Arbeit ziemlich geteilt. Doch auf den zweiten zeigt die SWR-Analyse zahlreiche ländliche Regionen, die mit starken Arbeitgebern und vielen Arbeitsplätzen die Menschen anziehen.

Erfahren Sie in 9 Grafiken mehr zum Pendeln


Ein ganzes Land fährt kreuz und quer

Immer mehr Menschen in Baden-Württemberg pendeln zur Arbeit

Knapp dreieinhalb Millionen Menschen in Baden-Württemberg pendeln täglich zur Arbeit. Die meisten leben nämlich nicht dort, wo sie arbeiten.[*DATENGRUNDLAGE] Im Land gibt es dadurch ein weit verstricktes Pendlernetz mit über hunderttausend Verbindungen:

Grafik mit Pendlerströmen

(Die Grafik zeigt die Ströme, von wo nach wo es Pendler zieht. Datenquelle: Bundesagentur für Arbeit, 2017 )


 
 
 
 

Muss i denn...

In über 500 Gemeinden arbeiten fast alle Arbeitnehmer auswärts

In den meisten Gemeinden pendeln mehr als 85% der Arbeitnehmer, die dort ihren Wohnsitz haben. In Rielasingen-Worblingen, Oftersheim und Weil am Rhein pendeln über 90 Prozent der Arbeitnehmer.

Klicken Sie auf einen Ort in der Karte und erfahren Sie mehr über die Pendelsituation dort:

(Je dunkler eine Gemeinde eingefärbt ist, desto höher ist der Anteil der Pendler unter den ortsansässigen Arbeitnehmern.)


 
 
 
 

Zufrieden unterwegs

Baden-Württemberger arrangieren sich offenbar gut mit der Pendelei

Der überwiegende Teil der Pendler ist mit der Verkehrssituation unterwegs zufrieden. Laut einer SWR-Umfrage sind nur fünf Prozent völlig unzufrieden damit. Die hohe Zufriedenheit dürfte ein Grund sein, warum sehr viele Pendler unverändert aufs Auto als Verkehrsmittel setzen. Auch alternative Mobilitätskonzepte wie Fahrgemeinschaften, Carsharing oder Park-and-Ride werden nur in sehr geringem Maße genutzt. Wer zufrieden ist, verändert sein Verhalten nicht.

(Die repräsentative SWR-Umfrage hat Pendler zur Zufriedenheit gefragt. >>>Hier geht es zu den Umfrageergebnissen<<<.)


 
 
 
 

Die stärksten Pendler-Magnete

Hierher zieht es die meisten Pendler im Land

Absoluter Pendler-Magnet ist die Landeshauptstadt Stuttgart mit mehr als 244.000 Pendlern aus dem ganzen Land. Darauf folgen Mannheim und Karlsruhe. Die beiden Großstädte ziehen täglich jeweils gut 100.000 Menschen an.Darauf folgen, Freiburg im Breisgau, Ulm, Heidelberg, Sindelfingen und Heilbronn.
Eine Besonderheit ist Ludwigshafen. Die rheinland-pfälzische Stadt zieht im Rhein-Neckar-Raum besonders viele Arbeitnehmer an, insbesondere aus Baden-Württemberg.
Die 30 größten Pendlermagnete in Baden-Württemberg vereinen über 43 Prozent der Arbeitsplätze im Land auf sich.

Grafik mit Pendlerströmen

(Auf den rot hervorgehobenen Verbindungen pendeln die meisten Menschen.)

Die ganze Liste der 30 Pendler-Magnete

Gemeinde Einpendler Arbeitsplätze
Stuttgart 244.502 405.383
Mannheim 112.164 185.371
Karlsruhe 102.780 176.296
Freiburg im Breisgau 67.551 123.082
Ulm 63.158 93.953
Heidelberg 63.075 91.173
Sindelfingen 50.769 61.504
Heilbronn 44.666 70.658
Ludwigsburg 39.108 52.328
Neckarsulm 35.199 40.206
Esslingen am Neckar 34.634 48.356
Reutlingen 32.669 55.763
Pforzheim 30.931 57.714
Tübingen 28.533 45.965
Offenburg 26.914 40.740
Leinfelden-Echterdingen 26.309 30.791
Ravensburg 25.993 36.270
Böblingen 25.785 31.541
Göppingen 22.389 31.542
Rastatt 21.166 30.095
Villingen-Schwenningen 21.082 41.105
Baden-Baden 20.546 30.680
Friedrichshafen 20.277 35.611
Biberach an der Riß 19.804 27.712
Bietigheim-Bissingen 19.735 26.257
Waiblingen 19.610 25.607
Aalen 19.388 34.186
Fellbach 18.767 23.443
Bruchsal 18.714 25.366
Walldorf 18.454 20.494

 
 
 
 

Versteckte Anziehungskraft

Diese 28 Gemeinden wirken besonders anziehend auf Pendler. Einige überraschen.

In absoluten Zahlen gewinnen immer die Großstädte. Aber wer genau hinsieht, findet auch jenseits der Großstädte die versteckten Kraftzentren: Rust, Bubsheim und Mulfingen sind nicht die größten Kommunen. Aber sie haben eine starke Anziehungskraft und zeigen seit Jahren eine sehr gute Entwicklung.

Grafik mit Pendlerströmen

(Die Grafik zeigt die Ströme zu jenen 28 Gemeinden, die im Verhältnis zu ihrer Größe die höchste Anziehungskraft auf Pendler entwickelt haben.)

Die ganze Liste der 28 anziehungsstärksten Gemeinden

Landesweiter Platz Gemeinde Landkreis
1 Rust Ortenaukreis
2 Bubsheim Tuttlingen
3 Eisenbach (Hochschwarzwald) Breisgau-Hochschwarzwald
3 Mulfingen Hohenlohekreis
5 Laupheim, Stadt Biberach
5 Walldorf, Stadt Rhein-Neckar-Kreis
7 Metzingen, Stadt Reutlingen
8 Bötzingen Breisgau-Hochschwarzwald
11 Bietigheim-Bissingen, Stadt Ludwigsburg
11 Esslingen am Neckar, Stadt Esslingen
11 Ilsfeld Heilbronn
11 Kirchheim unter Teck, Stadt Esslingen
11 Leinfelden-Echterdingen, Stadt Esslingen
14 Biberach an der Riß, Stadt Biberach
14 Neckarsulm, Stadt Heilbronn
16 Güglingen, Stadt Heilbronn
16 Hettingen, Stadt Sigmaringen
20 Abstatt Heilbronn
20 Altshausen Ravensburg
20 Neenstetten Alb-Donau-Kreis
20 Sulzbach-Laufen Schwäbisch Hall
20 Tauberbischofsheim, Stadt Main-Tauber-Kreis
25 Crailsheim, Stadt Schwäbisch Hall
25 Eggenstein-Leopoldshafen Karlsruhe
25 Ludwigsburg, Stadt Ludwigsburg
25 Stuttgart, Landeshauptstadt Stuttgart, Stadtkreis
25 Ulm, Universitätsstadt Ulm, Stadtkreis

 
 
 
 

Das Land lebt

Die sprichwörtlichen "ausgestorbenen Käffer" gibt es nicht wirklich in Baden-Württemberg

Verlassene Dörfer sind eher selten. Die meisten Gemeinden mit hohen Auspendleranteilen sind tagsüber nicht ausgestorben. Dennoch gibt es einige Gemeinden, die weder viele Arbeitsplätze, noch viele Einpendler haben. Sie sind untertags relativ leer.
In 54 Städten und Gemeinden im Land sind untertags nur etwas mehr als die Hälfte der Menschen auch am Ort. Dagegen gibt es Städte, die durch Pendler regelrecht geschwemmt werden: Neckarsulm, Walldorf, Abstatt, Waldenburg und weitere acht Städte und Gemeinden sind tagsüber daher sehr voll.

Tagesbevölkerung unter ausschließlicher Berücksichtigung der Berufspendler-Ströme. (Beamte, Richter, Studierende, Schüler, Selbständige etc. sind nicht berücksichtigt.) Quelle: Bundesagentur für Arbeit


 
 
 
 

"Leben und Arbeiten am Ort" - Ideal oder Utopie?

Die Realität sieht anders aus

Leben und Arbeiten am Heimatort, die kleine Gemeinde Bubsheim im Landkreis Tuttlingen ist darin landesweit Spitzenreiter: Satte 71 Prozent der Bubsheimerinnen und Bubsheimer arbeiten vor Ort. Dort gibt es seit vielen Jahrzehnten eine funktionierende Industrieproduktion für Spezialteile. Mehrere Firmen produzieren dort. Viele Ortsansässige finden hier ihren Job.
Solche Quoten von ortsansässigen Beschäftigten gibt es sonst nur annähernd in Städten wie Konstanz und Freiburg. Auch in Tuttlingen, Stuttgart und Karlsruhe kommen die Beschäftigten zu großen Teilen aus der eigenen Stadt.

In Bubsheim, Freiburg und Konstanz leben und arbeiten mehr als zwei Drittel der Arbeitnehmer. Nur 39 Städte und Gemeinden erreichen es, dass mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer im Ort leben und arbeiten. In über 1.000 Gemeinden verlassen mehr als 50 Prozent der Arbeitnehmer zum Arbeiten den Ort.


 
 
 
 

Stadt, Land, Verkehr

In Großstädten und in den Ballungsräumen darum nehmen Arbeitnehmer eher einen langen Arbeitsweg in Kauf

Die Arbeitswege werden im Durchschnitt seit Jahren immer länger. Allerdings pendeln nicht die Menschen in ländlichen Räumen am weitesten, sondern die Städter! Das ist überraschend. In Ballungsräumen wie Stuttgart, Karlsruhe oder Mannheim nehmen Pendler einen längeren Weg in Kauf, als in Wörnersberg im Landkreis Freudenstadt, in Schönenberg im Landkreis Lörrach oder in Unterwachingen im Alb-Donau-Kreis.

Grafik mit Pendelwegen der Einwohner

(Die Grafik zeigt, wo Menschen einen langen Arbeitsweg in Kauf nehmen.)


 
 
 
 

Mein Weg, mein Auto, meine Entscheidung

Wer pendelt, sitzt allein im Auto, um zur Arbeit zu fahren.

Offenbar ist der Individualverkehr unter Baden-Württembergern deutlich beliebter, als zum der ÖPNV. Dabei gibt es theoretisch ein großes Potential für Fahrgemeinschaften, Park-and-Ride und Sharing-Modelle: Mehr als eine Million Baden-Württemberger teilen sich nämlich ihren täglichen Weg vom Wohnort zum Arbeitsort mit mindestens 500 anderen. Praktisch werden diese alternativen Modelle laut einer SWR-Umfrage aber kaum genutzt.

Öffentliche Verkehrsmittel spielen mit 13 Prozent Nutzung nur eine untergeordnete Rolle. Hauptverkehsmittel ist dagegen das Auto, das 84 Prozent aller Pendler in Baden-Württemberg nutzen.


 

 

Für weitere Informationen zur Methodik und zur Datengrundlage, klicken Sie bitte >>>hier<<<.



Produziert von SWR DATENJOURNALISMUS UND REPORTER
Team: Ulrich Lang, Johannes Schmid-Johannsen, Nico Heiliger