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SENDETERMIN Di, 9.1.2018 | 18:45 Uhr | SWR Fernsehen BW

Fastnachts-Brauch aus Zizenhausen Wenn Narren Bäume ausreißen

In Zizenhausen bei Stockach gibt es einen besonderen Brauch zu Fastnacht: Die Männer der Narrenvereinigung sägen im Wald ihren Narrenbaum nicht einfach ab. Sie reißen ihn mitsamt des Wurzelstocks aus. Und dafür ist Kraft gefragt - und natürlich Können.

Zuerst wird die Wurzel einer etwa 30 Meter hohen Tanne freigelegt. Dann bringen die Narren ein Seil an dem Baum an und versetzen ihn durch hin- und herziehen in Schwingung, bis die senkrechten Wurzeln abreißen und der gesamte Baum umfällt. Am "Schmotzigen Donnschtig" ziehen die Männer den Baum dann samt Stumpen durch ihr Dorf. Erst dort, wo er aufgestellt wird, sägen sie den Stumpen ab.

Damit will die Narrenvereinigung daran erinnern, dass die armen Leute von Zizenhausen früher die Baumstümpfe (Stumpen) der gefällten Bäume ausgegraben und diese zu Brennholz und Kienspänen verarbeitet haben, weil sie kein Geld hatten, um Holz zu kaufen.

Warum einfach, wenn's auch schwer geht - aber so heben sich die Stumpenmacher von Zizenhausen vom Rest der Narrenwelt ab.

Bräuche der schwäbisch-alemannischen Fasnacht

Wehe, wenn sie losgelassen, das gilt auch für die schwäbisch-alemannische Fastnacht. Während der tollen Tage treiben es die Narren bunt, laut und vor allem wild. Warum, das erfahren Sie in unserer Bildergalerie:

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Bräuche der schwäbisch-alemannischen Fastnacht

Ursprünglich, ausgelassen, teuflisch

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Entstanden ist die Fastnacht im christlichen Jahresverlauf des Spätmittelalters. Die "tollen Tage" waren von Beginn an ein sogenanntes Schwellenfest vor der Fastenzeit, die mit dem Aschermittwoch beginnt und 40 Tage andauert. Daher wurde das Fastnachtstreiben, bei dem nochmals über die Stränge geschlagen wurde, von der Kirche weitgehend toleriert.

Entstanden ist die Fastnacht im christlichen Jahresverlauf des Spätmittelalters. Die "tollen Tage" waren von Beginn an ein sogenanntes Schwellenfest vor der Fastenzeit, die mit dem Aschermittwoch beginnt und 40 Tage andauert. Daher wurde das Fastnachtstreiben, bei dem nochmals über die Stränge geschlagen wurde, von der Kirche weitgehend toleriert.

Im Verlauf des 15. Jahrhunderts änderte die Kirche jedoch ihre Haltung gegenüber den "tollen Tagen". Das ausgelassene Treiben wurde zunehmend als gottlos und teuflisch angesehen. Darauf reagierten die Feiernden, indem sie sich vermehrt als Hexen, Teufel und Negativgestalten verkleideten. Daher gehört der Teufel zu den ältesten Figuren überhaupt in der Fastnacht.

Im südwestdeutschen Raum und in Teilen der Schweiz wird die schwäbisch-alemannische Fastnacht gefeiert. Je nach Region wird sie als Fasnacht/Fastnacht, Fasnet oder auch Fasent bezeichnet. Sie beginnt offiziell am Dreikönigstag (6. Januar) und endet am Aschermittwoch. Eine Besonderheit ist, dass die sogenannten "Hästräger" ihre Kostüme nicht jährlich wechseln, sondern stets beibehalten. Seit 2014 gehört die schwäbisch-alemannische Fastnacht zum immateriellen Kulturerbe der Unesco.

Zu den ältesten Narrenfiguren der schwäbisch-alemannischen Fastnacht zählt unter anderem der Elzacher Schuttig. Die ältesten, heute noch erhaltenen Larven (Masken) sind etwa 200 Jahre alt. Elzach, eine Kleinstadt im Schwarzwald, gehört zu den Hochburgen der Fastnacht. Dort findet alljährlich der traditionelle Schuttigsprung mit mehreren tausend Schuttig statt.

Der letzte Donnerstag vor der Fastenzeit wird hochalemannisch als "Schmutziger", niederalemannisch als "Schmotziger" bezeichnet und bedeutet so viel wie "schmalzig" oder "fettig". In der Fastenzeit war nicht nur der Fleischkonsum untersagt, auch tierische Produkte wie Eier, Butter oder Schmalz durften nicht verzehrt werden. Aus der Resteverwertung entstanden dann die Fastnachtsküchlein, auch Krapfen, Kreppel oder Berliner genannt.

Im Schwäbischen heißt es allerdings "glompiger", "auseliger" "gumpiger" oder "gompiger" Donnerstag. Diese Begriffe beziehen sich auf die Befindlichkeit der Narren an diesem Tag. Während "auselig" so viel heißt wie "nervös, unruhig, aufgeregt", bedeuten "gompig" oder "gumpig" hüpfen oder sich auf und ab bewegen.

Die Bräuche an diesem Tag sind äußerst vielfältig. Dazu gehören etwa der Hemdglonkerumzug, der Rathaussturm - wie hier im Breisgaustädtchen Staufen - oder das Setzen des Narrenbaums. Bei der analog gefeierten "Weiberfastnacht" ist es Brauch, dass Frauen Männern die Krawatte abschneiden.

An Fastnacht wird gesungen und getanzt. Seinen Ursprung hat das ausschweifende Feiern im Mittelalter und der frühen Neuzeit. Tänze wurden damals nur mit spezieller Erlaubnis der Obrigkeit genehmigt, dementsprechend ging es dann äußerst heiter und auch nicht gerade prüde zu.

Da in der anschließenden Fastenzeit auch sexuelle Enthaltsamkeit gefordert war, wurden die tollen Tage vor Aschermittwoch erst recht zum Ventil. Viele junge Paare legten daher ihre Hochzeit und damit auch ihre Hochzeitsnacht noch in die Fastnacht.

Ob Tschätter-, Katzen-, Guggenmusik oder Narrenmärsche - das Musizieren spielt generell eine wichtige Rolle in der Fastnacht. Ihre Wurzeln hat die Guggenmusik, bei der die Töne absichtlich falsch gespielt werden, wahrscheinlich in Basel. Im "Verzeichnis der Fastnachtszüge" findet sich das Wort "Guggenmusik" erstmalig 1906.

Auch am Aschermittwoch gibt es noch schiefe Töne, allerdings nicht mehr mit Musikinstrumenten. Unter Klagen und Geheul nehmen die Narren, hier ein Mitglied der Freiburger "Zunft der Fuhrleute", Abschied von der Fastnacht. Einziger Trost: Nach der Fastnacht ist vor der Fastnacht...


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