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SENDETERMIN Di, 11.9.2018 | 18:45 Uhr | SWR Fernsehen BW

Auf Brot, Käse und Marmelade So gefährlich ist Schimmel auf Lebensmitteln

Wer Beeren kauft, erlebt oft eine Überraschung: Unten in der Schale schimmelt schon ein Früchtchen. Muss man nun alle Beeren wegwerfen? Und wie sieht es bei Brot oder Käse aus?

Schimmel in einem Marmeladeglas

Streitfall Marmelade: Muss das ganze Glas entsorgt werden?

Jeder kennt das Problem: Frische Lebensmittel wie Obst oder Gemüse halten sich nur wenige Tage, dann droht der Schimmelpilzbefall. Der „grüne Pelz“ steckt schnell alle Nachbarn an und kostbare Nahrungsmittel landen im Müll. Denn einige Schimmelpilze bilden Gifte, sogenannte Mykotoxine, die auch schon in geringen Mengen für Menschen gefährlich sein können. Das Kochen oder Backen ist übrigens kein Mittel gegen Schimmelpilzgifte. Hitze zerstört die Mykotoxine nicht.

Verschimmelte Erdbeeren liegen in einer Plastik-Schale.

Hier ist nichts mehr zu retten: Alle Erdbeeren gehören in den Müll

Alles in den Müll?

Bei einer Schale mit Beeren, bei der einzelne Früchte schimmeln, sollte man die befallenen Beeren entsorgen. Unversehrte Früchte können noch verzehrt werden, wenn man sie gut wäscht. Anders ist das bei Brot, Obst oder Gemüse: Hier ist Wegwerfen die Devise. Bildet sich auch nur an einer Ecke Schimmel, sollte man das ganze Lebensmittel in den Müll oder Kompost geben. Denn es ist nur schwer zu erkennen, wie tief der Schimmelpilz sich bereits ausgebreitet hat.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat 16 goldene Regeln aufgestellt, wie man Mykotoxine in Lebensmitteln reduzieren kann:

  1. Lebensmittel möglichst frisch kaufen und bald verbrauchen. Hamsterkäufe vermeiden.
  2. Lebensmittel sachgemäß, das heißt sauber, trocken und kühl lagern.
  3. Brotkästen und ähnliches einmal wöchentlich reinigen und mit Essigwasser abwischen – das beugt dem Schimmelpilzwachstum vor. Brotkrümel entfernen, da sie die Schimmelbildung fördern.
  4. Bereits verschimmelte Lebensmittel sofort entsorgen und nicht länger offen liegen lassen, denn Schimmel ist „ansteckend“.
  5. Je flüssiger die Lebensmittel (z. B. Kompott, Saft, weiche Pfirsiche usw.) sind, desto schneller ist die Ausbreitung des Schimmels und seiner Toxine möglich. Solche befallenen Lebensmittel müssen weggeworfen werden.
  6. Befallene Milch und Milchprodukte, wie zum Beispiel Joghurt und Quark, dürfen nicht mehr verzehrt werden.
  7. Unbedenklich sind schimmelgereifte Käse (z.B. Roquefort, Camembert). Zur besseren Abgrenzung von „echtem“ Schimmelbefall sollte Käse immer in separaten Verpackungen aufbewahrt werden.
  8. Getreide und Mehle kühl und trocken lagern und ab und zu durchschütteln.
  9. Möglichst unversehrtes Obst und Gemüse kaufen, also ohne Verletzungen und Druckstellen.
  10. Angefaultes Obst sollte weder gegessen noch weiter zu Kompott oder Konfitüre verarbeitet werden.
  11. Angeschimmelte Konfitüren und Gelees sollten grundsätzlich weggeworfen werden. Weil geöffnete Diätkonfitüren schimmelanfälliger sind (niedrigerer Zuckergehalt), sollten sie stets im Kühlschrank gelagert und bei ersten Schimmelanzeichen entsorgt werden.
  12. Bei Schimmelstellen auf ganzen Brotstücken sollten diese insgesamt weggeworfen werden.
  13. Wenn Fleisch oder Wurst verschimmelt sind, dürfen diese nicht mehr gegessen werden. Ausnahme: bei luftgetrockneter Wurst (Edelsalami) und Schinken (z. B. Parmaschinken, in ganzen Stücken, nicht als Aufschnitt) sollte der Schimmel großzügig entfernt.
  14. Bei Nüssen geht die Gefahr oft von angeschimmelten Einzelnüssen aus, die deshalb unbedingt aussortiert werden müssen.
  15. Gewürze sollten nicht, wie häufig üblich, jahrelang aufbewahrt, sondern lieber in kleineren Mengen gekauft und schnell verbraucht werden.
  16. Verschimmelte Produkte dürfen auf keinen Fall an Tiere verfüttert werden, da Mykotoxine Tiere genauso schädigen können wie den Menschen.

Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung

aus der Sendung vom

Di, 11.9.2018 | 18:45 Uhr

SWR Fernsehen BW