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Kerzen

SENDETERMIN Mi, 13.11.2019 | 16:05 Uhr | SWR Fernsehen

Darauf sollten Sie achten Kerzen

Kerzen geben uns jetzt in der dunklen Jahreszeit Geborgenheit und eine feierliche Stimmung. Welche Qualtiätsunterschiede es gibt und wie Sie am sichersten mit Kerzen umgehen erfahren Sie hier.

Kerzenmaterialien:

Paraffin

Noch vor Jahren bestanden die Kerzen zu über 90% aus Paraffin, doch dieses Erdölprodukt wurde durch die immer effizienteren Aufarbeitungen des Erdöls in den Raffinerien knapp und teuer, weshalb die meisten großen Kerzenhersteller ihre Produktionsanlagen inzwischen auf Edelstahl umstellten. Damit können sie je nach Rohstofflage auch ganz flexibel auf die Herstellung von Stearinkerzen ausweichen, dessen Marktanteil je nach Rohstoffpreise auf ca. 25 - 30% gestiegen ist.

Palmöl

Das Stearin besteht vor allem aus gesättigten Fettsäuren mit 16 - und 18 C-Atomen und wird aus pflanzlichen und tierischen Fetten gewonnen. Immer noch ist Palmöl der Hauptlieferant für das Stearin, deshalb sollte es zumindest aus einem nachhaltigen Anbau mit RSPO Zertifizierung (Roundtable on Sustainable Palm Oil) kommen. Echtes Bio-Palmöl ist auf dem Weltmarkt sehr rar und teuer.

Soja oder Raps

Ebenfalls relativ teuer werden Stearinkerzen angeboten bei denen die Fettsäuren aus kontrolliert biologisch angebautem Soja oder Raps gewonnen werden.
Ein weiteres Nischenprodukt sind Stumpenkerzen aus „Sojawachs“ oder „Rapswachs“. Die flüssigen Pflanzenöle werden dafür zu „Wachsen“ (chemisch genau sind es Pflanzenfette) gehärtet.

Zunehmend werden auch schon seit Jahren für die Behälterkerzen (u.a. gehören dazu auch die Teelichte und Votivkerzen) vermehrt wieder Materialien wie Fette und Öle aus den Anfängen der „Kerzenproduktion“ eingesetzt. Diese sind aber heute sehr sauber aufgearbeitet und strengen Kontrollen unterzogen.

Bienenwachs

Bienenwachs ist relativ teuer und spielt mit unter 1% eine geringe Rolle. Das Wachs kommt dabei überwiegend aus China, Südamerika oder Südafrika und kann durchaus mit Pestiziden belastet sein. Die meisten deutschen Imker brauchen das Wachs für ihre Bienen oder es geht eher in die Kosmetikindustrie.

Leider ist es bisher nicht Pflicht bei Kerzen das Material und/oder die Herkunft zu deklarieren. Aber Sie können beim Kauf nach dem Material fragen. Entscheidend für einen sauberen Abbrand ist aber nicht das Material sondern die saubere Aufarbeitung und Reinheit des eingesetzten Materials.

Tipps für schadstoffarmen Abbrand von Kerzen:

  • Kaufen Sie nur Kerzen mit dem RAL Gütesiegel der Europäischen Gemeinschaft! Es bietet dem Verbraucher durchaus eine gewisse Sicherheit und garantiert Gütegesicherte Rohstoffe unabhängig vom Material, Prüfung aller Inhaltsstoffe und einen getesteten Abbrand. Nur Kerzen,

    - die bei korrektem Umgang wenig Kondensat erzeugen,
    - wenig Schwefel und im Docht keine Bleisalze enthalten,
    - in denen keine bedenklichen Duftstoffe nachweisbar sind,
    - keine krebserregende aromatische Amine aus Azo-Farbstoffen freisetzen
    - und keinen lange nachglimmenden Docht besitzen,

    erhalten das Gütesiegel. Überwacht wird von der DEKRA. Es gibt eine Erstkontrolle, eine regelmäßige Eigenkontrolle und eine jährliche Fremdkontrolle.
  • Bei einer guten Kerze legt der Hersteller großen Wert auf eine optimale Abstimmung zwischen dem Schmelzpunkt des Kerzenmaterials, dem Kerzendurchmesser und dem Docht.
  • Aber nicht nur der Kerzenhersteller, auch Sie selbst können viel tun! Je besser die Bedingungen für die Kerzen, desto weniger rußt die Flamme. Da jede Kerzenflamme zur Verbrennung Sauerstoff benötigt (2-3 brennende Kerzen verbrauchen bereits so viel Sauerstoff wie ein Mensch) sollte der Raum immer gut belüftet sein. Verzichten Sie auf große Kerzenparaden – vor allem in fensterlosen Bädern. Platzieren Sie Kerzen vor Spiegel – und schon haben Sie die doppelte Kerzenpracht.
  • Nach dem Löschen der Kerzen nochmals lüften, um die CO2 Konzentration zu senken. Lüften ist aber auch wichtig, da immer geringste Mengen nitroser Gase entstehen.
  • Halten Sie den Brennteller sauber! Nur dann kann das flüssige Wachs gleichmäßig ohne Rußen in den Docht aufsteigen. Deshalb entzünden Kerzenfreunde die Kerze mit einem Feuerzeug, denn bei Streichhölzern können eher Verunreinigungen in den Kerzenteller fallen. Gelöscht wird ebenfalls besonders schadstoffarm durch Eintauchen des Dochts in das flüssige Wachs.
  • Die ideale Dochtlänge ist 10 mm. Ein längerer Docht verursacht Ruß. Der Docht sollte beim Brennen zum Rand der Flamme hin gekrümmt sein, weil die Dochtspitze am heißen Flammenrand am besten verglüht.
  • Je mehr Zugluft auf die Kerzenflamme einwirkt, desto weniger Sauerstoff steht zur Verfügung und desto mehr Ruß kann sich durch die ungenügende Verbrennung bilden. Je mehr Ruß, desto gelber ist die Flammenfarbe und desto mehr polycyclischen cancerogene Kohlenwasserstoffe sind enthalten.
  • Bevorzugen Sie schlichte Kerzen. Lackierte oder verzierte Kerzen neigen eher zum Rußen, da die Kerzenlacke und Verzierungen aus einem härteren Material sind und der Rand oft nicht gleichmäßig mit abschmilzt. Schneiden Sie ihn im warmen Zustand ab – denn der Rand behindert die gleichmäßige Sauerstoffzufuhr und erhöht so die Rußgefahr. Der gleiche Effekt entsteht bei dicken Stumpenkerzen bei zu kurzer Brenndauer, da sich dann der Brennteller nicht vollständig verflüssigen kann.

Im Studio: Martina Schäfer, Hauswirtschaftliche Fachberaterin