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Schnittwunde an einem Baum

Das ist zu beachten Winterschnitt bei Obstbäumen

Viel gibt es im Winter nicht zu tun im Garten – aber die Obstbäume muss man an frostfreien Tagen schneiden. Helmut Tränkle erklärt, was es beim Obstbaumschnitt zu beachten gibt.

Sommerschnitt oder Winterschnitt?

Traditionell schneidet man Obstbäume im Winter, wenn alle Blätter abgefallen sind und man den Aufbau des Baumes am besten beurteilen kann. Auch im Sommer kann man schneiden, doch mit anderen Folgen: ein Schnitt im Winter fördert das Triebwachstum und die Fruchtgröße. Ein Schnitt im Sommer (Juli/August) beruhigt starkwachsende Bäume und fördert die Fruchtbarkeit.

Grafik: Aufbau eines veredelten Obstbaumes

Aufbau eines veredelten Obstbaumes (Quelle: Obst- und Gartenbauverlag)

Der Winterschnitt

Quittenbaum ohne Blätter im Kaffe oder Tee-Garten

Quittenbaum

Bei frostfreiem Wetter ist der späte Winter der optimale Zeitpunkt, um Obstbäume wie Apfel-, Birn- und Quittenbäume zu schneiden.

Achtung: Süßkirschen und Aprikosenbäume werden nicht im Winter geschnitten! Helmut Tränkle, Baumschulmeister empfiehlt, folgende Faustregeln für Kernobst zu beachten:

  1. Faustregel: Je stärker man den Baum beschneidet, umso stärker treibt er im folgenden Jahr aus.
  2. Faustregel: Wenige größere Schnitteingriffe sind besser als viele kleine. Oft ist erstaunlich, welch positiven Effekt man erzielt, wenn man 1-2 starke Äste komplett entfernt.
  3. Faustregel: Um die angestrebte Pyramidenform zu erhalten, muss man für einen klaren Aufbau des Baumes sorgen. Vom Stamm gehen möglichst 3 Leitäste ab, die sich dann weiter verlängern und verästeln. Diese drei Leitäste werden beim Pflanzschnitt junger Bäume definiert. Damit sich der Baum gut entwickelt, müssen diese Leitäste in einer Höhe angeschnitten werden. Fachleute sagen dazu, dass die obersten Knospen in der "Saftwaage" sein müssen.
Grafik: Saftwaage beim Pflanzschnitt

Saftwaage beim Pflanzschnitt (Quelle: Obst- und Gartenbauverlag)

Was kommt weg, was bleibt?

Bei einem älteren Baum sollte man als erstes für klare Verhältnisse in der Krone sorgen. Obstbäume brauchen einen klaren und dominanten Mitteltrieb. Konkurrenztriebe müssen daher entfernt werden. Alle Seitentriebe, die mehr als halb so dick sind wie der Haupttrieb, sollten komplett weggeschnitten werden. Danach kommen alle zu tief stehende Äste weg, die später mit dem Obst auf dem Boden hängen, sowie alle nach innen wachsende Zweige. Von Ästen, die eng beieinander wachsen und vielleicht sogar aneinander reiben, lässt man nur einen stehen.

Blühende Zierbäume – jetzt zurückschneiden / Horizontal wachsenden Äste entfernen – sie produzieren oft sogenannte Wasserschosse  -halb nah

Horizontal wachsenden Äste entfernen – sie produzieren oft sogenannte Wasserschosse 

Auch Wasserschosse werden entfernt. Das sind aufrecht nach oben wachsende Ruten, die nur Blätter und keine Fruchtansätze entwickeln. Die langen Triebe kosten den Baum unnötig Kraft und beschatten die Früchte. Sie sind eine Reaktion auf einen (zu) starken Rückschnitt. Besonders schonend können frische Wasserschosse im Juli/August entfernt werden, indem man sie abreißt ("Juli-Riss").

Fruchtholz: Verdickung am Zweigende

Fruchtholz

Das Fruchtholz hingegen ist das wertvolle Holz, an dem sich das Obst entwickelt. Nur an waagerechten oder geneigt wachsenden Ästen entwickelt sich das kleine Fruchtholz, das mit dem so genannten Fruchtkuchen endet. Aus dem verdickten Holz entwickeln sich neue Blüten und Früchte.




Ast mit sehr vielen Blätter und Fruchttrieben

Quirlholz

Quirlholz entsteht vor allem bei älteren Bäumen. Darunter versteht man älteres Fruchtholz, das sich aus mehreren Fruchtsprossen zusammensetzt. Am Quirlholz befinden sich zahlreiche Blütenknospen, an denen sich aber nur minderwertige, unterentwickelte Früchte ausbilden.

Wundbehandlung

Wenn größere Äste abgesägt werden müssen, empfiehlt sich eine ordnungsgemäße Wundbehandlung, damit eindringende Feuchtigkeit keine Krankheiten und Pilzinfektionen nach sich ziehen. Bei der klassischen und aufwändigen Methode werden die Wundränder mit einem Messer (Hippe) glatt geschnitten und anschließend ein Wundverschlussmittel auf der Schnittfläche verstrichen. Alternative, neue Methode aus dem Erwerbsanbau: größere Schnitte werden im Sommer bei trockenem Wetter vorgenommen. Im Sommer gelingt dem Baum die Wundheilung sehr schnell, so dass die Gefahr, dass Pilze eindringen gering ist. Auf das Wundverschlussmittel kann man dann verzichten.

Sachgemäße Wundbehandlung

Sachgemäße Wundbehandlung (Quelle: Obst- und Gartenbauverlag)

Buchtipps der Redaktion:

Buchcover

Buch

Beltz, Heinrich

Formgehölze schneiden. Schnitt für Schnitt.

Verlag:
Eugen Ulmer Stuttgart
Produktion:
2015
Genre:
Ratgeber
Preis:
9,90 Euro
Bestellnummer:
ISBN: 978-3-8001-8268-8
Buchcover

Buch

Funke, Werner

Der Obstgehölzschnitt. Der Profi-Schnitt für Obstgehölze & Beerensträucher.

Verlag:
blv-Verlag München
Produktion:
2014
Genre:
Ratgeber
Preis:
17,99 Euro
Bestellnummer:
ISBN: 978-3-8354-1351-1
Buchcover

Buch

Riess, Hans Walter [Begr.]

Obstbaumschnitt in Bildern. Kernobst - Steinobst - Beerensträucher

Verlag:
Obst- und Gartenbauverlag München
Produktion:
2013
Genre:
Ratgeber
Preis:
4,60 Euro
Bestellnummer:
ISBN: 978-38759604579

Experte: Helmut Tränkle, Baumschulmeister