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Florfliege auf einem Blatt

SENDETERMIN Di, 14.5.2019 | 16:05 Uhr | SWR Fernsehen

Rettet die Insekten Chemie im Garten - nur im Notfall

Ist der Garten im Gleichgewicht, sorgt die Natur weitgehend selbst dafür, gesund zu bleiben. Jeder Schädling hat einen Gegenspieler und wenn der Tisch gedeckt ist, schlägt der Nützling zu. Der größte Pfund im Garten ist der Boden mit seinen Abermillionen Bodenlebewesen.

Geheimnis Nummer 1: Lebendiger Gartenboden

kleiner Haufen Komposterde

Kompost - das "Gold des Gärtners"

Insektenfreundliches Gärtnern fängt bereits beim Düngen an. Kompost wird nicht umsonst das „Gold des Gärtners“ genannt. Im Garten unbedingt nur organischen Dünger verwenden und viel mulchen. Auch Hornspäne und Urgesteinsmehl beleben und ernähren die Bodenorganismen, die die Nährstoffe im Boden erst für die Pflanzen verfügbar machen. Mineralische Düngemittel dagegen bestehen aus Salzen, die diesen Organismen eher schaden.

Einfach abzupfen

Bevor gespritzt wird, lohnt es sich auch, mit offenen Augen durch den Garten zu gehen. Stark befallene Triebe mit Blattläusen können einfach ausgebrochen werden, ebenso kleine Stellen mit Pilzbefall.

Geheimnis Nummer 2: Pflanzen stärken

Starke Pflanzen sind deutlich weniger anfällig. Ihre Zellstruktur ist kompakter und widerstandsfähiger als die durch zu viel Stickstoff in die Höhe geschossenen Pflanzen. Selbst gemachte Brühen, Tees oder Smoothies kräftigen die Pflanzen besonders.

Beispiel Beinwell und Brennnesseln

Beinwell

Beinwell

Aus diesen beiden Pflanzen lassen sich hervorragende Stärkungsmittel machen:

Tee-Rezept: 100 g Beinwell und Brennnesselblätter mit einem Liter Wasser überbrühen und kalt werden lassen. Damit die Pflanzen etwa vier Wochen lang einmal pro Woche gießen.

Smoothie-Rezept: Küchenmixer mit Blättern befüllen und mit Wasser auffüllen. Dann mixen. Einen Liter Smoothie auf 10 Liter Gießwasser geben und damit einmal pro Woche die Pflanzen gießen.

Diese Gifte werden im Garten am meisten verwendet

Die Zahlen sind erschreckend: 6620 Tonnen fertige Pflanzenschutzmittel werden im Jahr in deutschen Gärten ausgebracht. Das ist viel. Den größten Anteil haben Mittel für einen grünen, unkrautfreien Rasen, insbesondere Eisen-II-Sulfat, 2,4-D und Dicamba. 2,4-D wird von der WHO als möglicherweise krebserregend eingestuft, Dicamba gehört zusammen mit Glyphosat zu den weltweit am meisten verwendeten Herbiziden.

Glyphosat

Der Einsatz von Glyphosat tötet alles Grün ab.

2017 wurden allein in Gärten 39 Tonnen glyphosathaltige Herbizide eingesetzt. Glyphosat ist ein Totalherbizid, das alles Grün bis in die Wurzeln abtötet. Verboten ist es, mit Glyphosat Hofflächen und Wege unkrautfrei zu halten, da sonst das Grundwasser belastet wird.

Auch Insektizide werden im Garten verwendet. Das Umweltinstitut München weist darauf hin, dass es zehn zugelassene Mittel gibt, die das bienenschädliche Acetamiprid enthalten, das zu den Neonicotinoiden gehört. Neonicotide töten Insekten, die von der Pflanze fressen, und werden für das massenhafte Bienensterben verantwortlich gemacht. Wild- und Honigbienen nehmen das Gift über den Pollen und den Nektar auf, sterben davon oder ihr Nervensystem gravierend schädigen.

Im Garten: Heike Boomgaarden, Gartenbauingenieurin