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Selfie in Fastnachtsklamotten

SENDETERMIN Do, 28.2.2019 | 16:05 Uhr | SWR Fernsehen

Fastnachtsbräuche Schmutziger Donnerstag und Weiberdonnerstag im Südwesten

Die wichtigsten Fastnachtstage im Jahr beginnen mit dem Schmutzigen Donnerstag oder der Weiberfastnacht. Prof. Dr. Werner Mezger verrät, welche Bräuche es an diesen Tagen gibt!

Der Name Schmutziger Donnerstag ("Schmutziger Dunschdig", "Schmotziga" o.ä.) erinnert an das fetthaltige Essen an diesem Tag: das alemannische Wort "Schmutz" bedeutet Fett oder Schmalz. Am Donnerstag werden traditionell viele Teigwaren gegessen, die in Fett gebacken wurden, wie Krapfen, Scherben, "Nonnenfürzle", Kreppel. Dies geht zurück auf die christliche Tradition, nach der Fleisch und auch Fett, Milch und Eier dringend vor der Fastenzeit verzehrt werden mussten. Denn ab Aschermittwoch war dieses Essen nicht mehr erlaubt.

Zum Narrentreiben am Schmutzigen Donnerstag gehört, dass symbolisch die Narren die Macht übernehmen. Sie tun dies z.B. durch das Befreien der Schüler vom Unterricht, durch den Sturm auf das Rathaus, durch das Aufstellen eines Narrenbaums als Symbol der Machtübernahme. Mancherorts gibt es große Laienspiele, z.B. das Narrengericht in Grosselfingen oder auch das Narrengericht in Stockach, bei dem in jedem Jahr ein prominenter Politiker als Beklagter vorgeführt wird. Typisch sind vielerorts auch die sogenannten Hemdglunkerumzüge am frühen Morgen oder Abend: Hemdglunker ziehen in weißen Nachthemden und mit Schlafmützen als Müßiggänger lärmend (z.B. mit Glocken, Schellen und alten Topfdeckeln) durch den Ort.

Der Name Weiberfastnacht erinnert daran, dass die Frauen an diesem Tag symbolisch die Macht übernehmen. In einigen Orten erobern sie auch dafür das Rathaus. Im Südwesten haben sich dafür vor allem im Koblenzer Raum und in Teilen der Eifel besondere, närrische Frauenvereinigungen gebildet. Ihre Mitglieder nennen sich Möhnen. Sie wollen die Männer symbolisch ihrer Männlichkeit berauben und ihnen die Krawatte abschneiden. Sie ziehen in Verkleidung durch den Heimatort, versperren auch mal die Straßen, erbitten Spenden und treffen sich zu Möhnensitzungen. Für sie ist Weiberfastnacht der wichtigste närrische Tag im Jahr.

Experte im Studio: Prof. Dr. Werner Mezger, Volkskundler an der Universität Freiburg