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Gesetzliche Rente

SENDETERMIN Di, 8.10.2019 | 16:05 Uhr | SWR Fernsehen

Faktencheck Das sind die größten Rentenirrtümer

Gerade beim Thema Rente kommt es immer wieder zu häufigen Missverständnissen. Viele Auffassungen halten sich hartnäckig und sind weitverbreitet. Allerdings stimmen manche davon nicht immer. Hier 8 Fakten zur Klarstellung:

1. Alle müssen bis 67 arbeiten

Könnte man meinen, ist aber nicht so. Erst für die Jahrgänge 1964 und jünger gilt die Regelaltersgrenze von 67 Jahren. Derzeit noch liegt sie je nach Jahrgang zwischen 65 und 67 Jahren. Aber selbst die Jahrgänge 1964 und jünger, die von der "Rente mit 67" voll betroffen sein werden, können dann bis zu vier Jahre früher gehen, wenn auch mit empfindlichen Abzügen. Bei Schwerbehinderung oder wenn 45 Arbeitsjahre zusammenkommen, kann man selbst dann noch bereits mit 65 Jahren abschlagsfrei in Altersrente gehen.

2. Die sogenannte "Rente mit 63" (ohne Abschläge) beginnt mit 63 Jahren

Das ist falsch. Das Renteneintrittsalter der "Rente für besonders langjährig Versicherte" lag bei 63 Jahren, als sie 2014 eingeführt wurde. Ihr Renteneintrittsalter steigt aber seither stufenweise auf 65 Jahre an.

3. Die Rente kommt automatisch

Das ist leider nicht so. Alle Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung müssen beantragt werden. Wichtig: Damit die Rente pünktlich kommt, sollte der Antrag schon drei bis vier Monate vor dem Rentenbeginn gestellt werden.

4. Die letzten Jahre sind besonders wichtig

Ein besorgtes älteres Ehepaar lässt sich von einem Berater Unterlagen erklären

Wer früher in Rente geht, büßt einiges an Monatsrente ein.

Wer mit 63 Jahren aufhört anstatt erst im Alter von 67 Jahren, hat vier Jahre weniger eingezahlt und bekommt auch noch Abzüge (bis zu 14,4 Prozent). Das kann mehrere hundert Euro Monatsrente ausmachen, die man auf diese Weise einbüßt, nur weil man die letzten Jahre nicht auch noch durchgehalten hat. Insofern sind gerade die letzten Jahre schon noch besonders wichtig.

5. Selbständige können sich nicht rentenversichern

Stimmt nicht. Einige müssen das sogar, zum Beispiel Handwerker oder freiberufliche Lehrer und Erzieher. Alle anderen können sich freiwillig versichern. Die Politik denkt derzeit sogar darüber nach, alle Selbständigen in eine generelle Vorsorgepflicht zu übernehmen.

6. Ehemänner haben keinen Anspruch auf Witwerrente

Gleichberechtigung ist nicht nur was für Frauen. Stirbt die Frau vor dem Mann, bekommt auch dieser Witwerrente aus der Versicherung seiner verstorbenen Gattin.

7. Abschläge fallen weg, sobald ich das reguläre Rentenalter erreiche

Das ist ein fataler Irrtum. Abschläge, die man sich einmal einfängt, behält man sein Leben lang. Sogar bei der Rente an die Hinterbliebenen spielen sie noch eine Rolle.

8. Die gesetzliche Rente wird immer weiter sinken

Nein, die individuellen Renten sinken nicht. Das ist durch die gesetzliche Rentengarantie sogar ausgeschlossen. Es kann zwar vorkommen, dass sie weniger stark steigen, als es die Löhne tun bzw. als die Inflationsrate ist. In den letzten fünf Jahren lagen die Anpassungssätze im Westen zwischen 1,67 und 4,25 Prozent sowie im Osten sogar zwischen 2,5 und 5,95 Prozent. Und für das kommende Jahr prophezeien manche Zeitungen ja auch schon wieder ein ordentliches Plus.

Im Studio: Wilhelm Schild, Deutsche Rentenversicherung