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SENDETERMIN Mo, 16.9.2019 | 16:05 Uhr | SWR Fernsehen

Reisen Welche Rechte haben Flugpassagiere?

Viele Menschen kommen gerade aus dem Urlaub zurück – und so manch einer hat eine Geschichte von Flugausfällen oder -verspätungen zu erzählen. Welche Ansprüche haben Flugpassagiere in diesem Fall gegen die Fluggesellschaft? Und wie kommen sie an ihr Geld? Ein Überblick:

Die Rechte von Flugpassagieren sind auf europäischer Ebene geregelt - nämlich in der Fluggastrechte Verordnung. Folgendes ist dort geregelt:

Für welche Flüge gilt die Fluggastrechte-Verordnung?

Der Fluggast hat nicht bei jedem Flug die Rechte aus der Fluggastrechte-VO. Er hat sie nur, wenn er seinen Flug an einem Flughafen innerhalb der EU antritt oder wenn der Flug außerhalb des Territoriums der Mitgliedstaaten angetreten wird und die durchführende Fluggesellschaft ihren Sitz in der EU, Island, Norwegen oder der Schweiz hat und Ziel des Fluges die EU ist.

Dies kann dazu führen, dass ein Fluggast lediglich für den Hinflug Rechte aus der Fluggastrechte-VO hat, nicht jedoch für den Rückflug. Fliegt man beispielsweise von der EU in die Türkei mit Turkish Airlines, so hat der Fluggast lediglich für den Hinflug die Rechte aus der Fluggastrechte-VO.

Bei einer einheitlichen Buchung eines Flugs mit direktem Anschlussflug ist laut EuGH die Fluggastrechte-VO auch auf den Anschlussflug anwendbar, obwohl dieser nicht in der EU startet. Beispielsweise hat der Fluggast bei einem Flug von Frankfurt über Dubai nach Bangkok auch für den Flug Dubai-Bangkok die Rechte aus der Fluggastrechte-VO.

Welche Rechte hat der Passagier bei Nichtbeförderung oder Flugausfall?

Sollte der Flug annulliert werden, so kann der Fluggast erstens wahlweise verlangen:

  • Erstattung des Ticketpreises
  • Kostenloser Rückflug zum Abflugort
  • Beförderung zum Zielort

Zweitens steht dem Fluggast grundsätzlich gem. Art. 7 I Fluggastrechte-VO eine pauschale Ausgleichsleistung zu.

Der Entschädigungsanspruch reicht von 250 Euro bis 600 Euro je nach Länge der Strecke.

Diese Rechte (Erstattung ect. und Entschädigungszahlung) stehen dem Fluggast nicht zu, wenn er mindestens 14 Tage vor dem geplanten Abflug informiert wurde oder falls ein Alternativflug zu ähnlichen Zeiten angeboten wurde.

Der Entschädigungsanspruch kann ausgeschlossen sein, wenn außergewöhnliche Umstände für den Flugausfall verantwortlich sind. Außergewöhnliche Umstände können Streik, Wetter, oder Sicherheitsrisiken sein.

Welche Rechte hat der Passagier bei Verspätung des Flugs?

Der Fluggast erhält bei einer Verspätung eine Entschädigung in Form von Mahlzeiten, Getränken, Telekommunikation und notfalls einer Hotelunterkunft inklusive des Transfers. Ab welcher Verspätung die Entschädigung eingreift, hängt von der zurückgelegten Flugstrecke ab. Beträgt die zurückgelegte Flugstrecke 1500 km und weniger, so erhält der Fluggast die Entschädigung ab einer Verspätung von zwei Stunden.

Zudem steht dem Fluggast eine pauschale Ausgleichszahlung, wie bei Nichtbeförderung (s.o.) ab einer Verspätung von drei Stunden zu.

Besonderheit: Durch Verspätung des Zubringerflugs verpasster Anschlussflug

Beispiel: Flug von Berlin-Tegel über Madrid nach San José in Costa Rica

Der BGH hat entschieden, dass ein Fluggast, der bei einem Luftfahrtunternehmen eine Flugroute gebucht hat, die aus mehreren Einzelflügen besteht, auch dann einen Anspruch auf die Ausgleichzahlung für die Distanz der gesamten Strecke hat, wenn er durch die Verspätung des Zubringerflugs den Anschlussflug verpasst.

Was passiert bei Verlust, Beschädigung oder Verspätung des Gepäcks?

Bei Verlust, Beschädigung oder Verspätung des Gepäcks muss das Luftfahrtunternehmen laut Montrealer-Übereinkommen Schadensersatz an den Fluggast zahlen.

Die Höhe des Schadensersatzes für verspätet ankommendes, verlorenes oder beschädigtes Gepäck beträgt maximal rund 1333 Euro. Dies stellt die Höchstgrenze der Entschädigung dar. Die konkrete Entschädigungssumme ist abhängig von der Dauer der Verspätung, dem Wert des Gepäcksinhalts und dem Umfang der Beschädigung.

Taucht ein Koffer nach 21 Tagen nicht wieder auf, gilt er als verloren und der Reisende kann Entschädigung verlangen. Dabei ist es hilfreich, wenn man nachweisen kann, was sich im Gepäck befunden hat. Man sollte daher beim Packen eine Liste des Inhalts erstellen und diese nicht in den Koffer packen.

Die Fluggesellschaft muss jedoch nur den Zeitwert ersetzten, nicht die Neuanschaffung von Koffer und Inhalt. Besonders wertvolle Gegenstände sollten im Handgepäck transportiert werden.

Vor Ort kann sich der Fluggast mit notwendigen Hygiene-Artikeln und Kleidung eindecken. Diese Kosten werden von der Fluggesellschaft erstattet.

Die Beschädigung und Verspätung des Gepäcks muss ich innerhalb einer Frist schriftlich geltend machen, ansonsten verliere ich meine Rechte.

Wie komme ich zu meinem Recht?

Man sollte zunächst eine Beschwerde an die Fluggesellschaft schicken, mit dem die Reise unternommen werden sollte. Im Internet finden sich zahlreiche Musterbriefe, wie beispielsweise auf der Seite des ADAC. Anzugeben sind die Daten der Reise und der genaue Grund der Beschwerde.

Wenn wie Fluggesellschaft die Entschädigung verweigert, gar nicht antwortet oder ein unvorhersehbares Ereignis als Ausrede vorschiebt, können sich Fluggäste kostenlos an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr e.V. wenden.

Bei der Schlichtungsstelle arbeiten Volljuristen und sie gebe eine Empfehlung zur außergerichtlichen Streitbeilegung ab. In weit über 80% der Fälle werden die Vergleichsvorschläge von Passagier und Fluggesellschaft angenommen, sodass ein gerichtliches Verfahren verhindert werden kann. Der Fluggast erhält dann seine 250-600 Euro komplett und muss nichts an Unternehmen wie Flightright oder Claimflights abdrücken. Diese Unternehmen locken Verbraucher damit ihre Ansprüche einzuklagen. Sie behalten jedoch im Falle des Obsiegens 20%- 30% des erstrittenen Entschädigungsanspruchs ein.

Es empfiehlt sich daher, die Ansprüche zunächst selbst geltend zu machen. Lehnt die Fluggesellschaft den Anspruch ab, kann man sich an die Schlichtungsstelle wenden. Dies stellt den kostengünstigeren Weg dar.

Im Studio: Kerstin Anabah, SWR Redaktion Recht und Justiz