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SENDETERMIN Mi, 7.10.2015 | 17:05 Uhr | SWR Fernsehen

Straußen- und Besenwirtschaften Moschtkeller in Oberkirch

Mit Kindergeburtstagen hat alles angefangen auf dem Obsthof der Familie Schappacher in Oberkirch. Irgendwann waren die Eltern so begeistert von dem Hof, dass sie auch ohne Kindergeburtstag kommen wollten. Familie Schappacher hat deshalb vor fünf Jahren ihren alten Keller ausgeräumt und eine Besenwirtschaft eingerichtet.

Die Idee ist eigentlich ganz simpel: Ein Winzer räumt Wohnzimmer oder eine Scheue aus, stellt Stühle und Tische auf und schenkt seinen eigenen Wein aus. Wann genau die Wirtschaft geöffnet ist, erkennen Wanderer und Spaziergänger an einem Besen, der prominent vors Haus gehangen wird. Diese unkomplizierte, traditionelle Gastfreundschaft wollte auch Familie Schappacher anbieten.

Vor fünf Jahren veranstalteten Schappachers regelmäßig Kindergeburtstage. Begeistert waren nicht nur die Kleinen, sondern auch deren Eltern. "Immer öfter haben die Eltern gefragt, ob sie nicht auch mal so vorbeikommen könnten," erinnert sich Alexandra Schappacher. Mit ihrem Mann Markus hat sie damals kurzerhand den alten Keller unter ihrem Haus ausgeräumt und den Besen eröffnet.

Ein Neubau wäre nicht in Frage gekommen – traditionelle Besenwirtschaften in Neubauten findet Alexandra Schappacher "schlimm". Ihr Keller ist über 150 Jahre alt – wie alt genau, kann heute niemand mehr sagen. Früher lagerten Weinfässer in dem Gemäuer.

Für die Einrichtung hat Alexandra Schappacher so gut wie keinen Cent bezahlt. "Möbel zu sammeln und aufzuarbeiten – das war schon immer mein Hobby", sagt die Besenwirtin. Tische, Stühle, Deko – alles trägt ihre Handschrift. "Was mich besonders freut: Manchmal sind sogar die Männer begeistert von der Deko."

Zum Lachen in den Keller gehen

Maximal 40 Plätze darf eine Besenwirtschaft in Baden-Württemberg haben. In dem kleinen Moschtkeller wird es schnell kuschelig, wenn alle Plätze besetzt sind. Und man kommt ins Gespräch, plaudert, lacht. Einzeltische sind nämlich die Ausnahme. Die Gäste sitzen an langen Tafeln, der Moscht nimmt die Hemmungen. Aus schüchternem Zuprosten zum Nachbarn wird irgendwann ein lebendiger Austausch, aus Fremden werden Bekannte. Mittendrin Alexandra Schappacher: "Das ist das Besondere für mich am Besen: Die Begegnung mit den Menschen. Und das fehlt mir dann auch, wenn der Besen nicht geöffnet ist." Zwei Mal im Jahr für je acht Wochen hat der Besen Saison.

Einfache, regionale Küche

Geselligkeit, gutes Essen und Trinken – dafür kommen die Gäste. Im Moschtkeller gibt es Apfelsaft, Moscht und Neuen Wein aus eigenen Früchten – direkt vom Obsthof Schappacher. Traditionell servieren Besenwirte auch einfache Speisen. Kalte oder 'einfache, warme Gerichte' – mehr erlaubt die Verordnung auch nicht. Neben Käse- und Wurstspezialitäten aus der Region stehen "Dinnele" auf der Karte. Sie werden aus frischem Brotteig gemacht, ähnlich wie Flammkuchen mit Schmand, Zwiebeln, Speck, Käse oder Gemüse belegt.

Besenwirtschaft und Kinder?

Gemütlich beisammensitzen und plaudern – für Kinder ist der Besuch in einem Besen eigentlich eine Geduldsprobe. Im Moschtkeller ist das anders, es gibt nämlich einen Spielplatz, Ponys und Rosi und Wilma, zwei Minischweine. Seit eineinhalb Jahren leben sie auf dem Obsthof Schappacher, der mittlerweile ein Bauernhof in Miniatur ist: "Ich habe mir damit einen Kindheitstraum erfüllt. Ich bin als Kind eher steril aufgewachsen, habe später 25 Jahre in einer Apotheke gearbeitet. Das Leben hier ist jetzt ein bisschen wie bei Pippi-Langstrumpf," sagt Alexandra Schappacher.