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Frau mit Sonnenbrille

SENDETERMIN Di, 30.6.2020 | 16:05 Uhr | SWR Fernsehen

Sonnenbrillen mehr als ein modisches Accessoire Lichtschutz und Lichtschäden des Auges

Sonnenbrillen sind im Sommer ein Muss. Nicht nur aus modischen Gründen, ist das Tragen sehr wichtig. Hier einige Tipps woran Sie eine gute Sonnenbrille erkennen.

Schutz vor ungefiltertem Licht ist für unsere Augen ein Muss. Frühzeitig und konsequent angewendet, senkt ein optimierter Dreifachschutz vor Spätfolgen. Denn winzige Lichtschäden über einen langen Zeitraum begünstigen Makuladegeneration und Grauen Star.

Anforderungen an Sonnenbrillen

Erhöhte Sehschärfe, erhöhter Farbkontrast und ein angenehm warmer Farbton machen den Sehkomfort einer guten Sonnenbrille aus. Dies wird durch drei Kriterien erreicht.

1. Schutz vor ungefilterten Licht
Die Fassung muss so konstruiert sein, dass möglichst wenig ungefiltertes Streulicht von oben, von unten (Reflektion) sowie besonders von der Seite das Auge erreicht. Kleine Fassungen und schmale Bügel können dies nicht leisten. Im Gegenteil, sie schaden mehr, denn hinter dunklen Gläsern öffnen sich die Pupillen weit und damit können noch mehr UV- und Blauanteile des Lichts ins Auge fallen. Außerdem bieten entsprechend geformte Fassungen auch einen guten Windschutz für die Augen.

2. Schutz der Augenlinse
Weltweit gibt es keine standardisierte UV-Schutznorm. Wir unterscheiden zwischen amerikanischer, australischer und EU-Norm (bis 380nm). Die EU-Norm reicht nach aktuellem Stand nicht aus, sondern der Schweizer Standard von 400-500nm ist richtungsweisend. Es gibt Gläser, die mit „UV-400-Schutz“ gekennzeichnet sind.

3. Schutz der Netzhaut (Sehzentrum)

Der besonders gefährliche Violett- und Blaubereich muss stark gedämpft werden, das erreicht man mit dem Schweizer Standard (siehe Punkt 2).

Tägliche, winzige Lichtschäden sind vom Augenarzt nicht erkennbar, nicht messbar. Über einen längeren Zeitraum, mitunter über 20 Jahre, summieren sich die Lichtschäden mit fatalen Folgen. Sie können zum auslösenden Faktor der altersbedingten Erkrankungen wie „Grauer Star“ (Linsentrübung) und „Makuladegeneration“ Störung des Sehzentrums mit Gefahr von Erblindung) werden.

Sonnenbrillen mit optimierten Sonnenschutz sollten daher frühzeitig und konsequent getragen werden.

Sonnenschutzgläser
Ca. 60% -70% bei schwacher Sonne, Blendschutz
80% -86% bie Sonne, am Meer, im Gebirge
90% -95% bei sehr starker Sonne (südl. Strände, Schnee im Gebirge)

Orange Gläser
40% - 50% starke Kontraststeigerung und Blendschutz bei jedem Licht. Tagesbrille bei Makulardegeneration.

Gelbe Gläser
20% - 25% Blendschutz bei Nachtfahrten. Tagesbrille nach Staroperationen mit farbloser Kunstlinse und bei beginnender Makuladegenaration.

Graue und blaue Gläser schützen die Augen nicht ausreichend. Sicher sind nur Gläser, deren Lichtdämmung vom Hersteller gemessen und den genannten Schutz von Augenlinse und Netzhaut garantieren. Das hängt nicht vom Preis der Sonnenbrille ab. Im Zweifel können Optiker Brillentests, die die drei genannten Punkte berücksichtigen, an vorhandenen oder im Urlaub, im Ausland gekauften Sonnenbrillen vornehmen.

Wer bereits an Grauen Star oder Makuladegenaration erkrankt ist, sollte ganz besonders auf den optimalen Lichtschutz achten. Die klassisch farblose Kunstlinse, die bei einer Staroperation eingesetzt wird, absorbiert, d.h. filtert die schädlichen Lichtanteile schlechter als die entfernte natürliche. Die neuen gelblichen Kunstlinsen vermeiden weitgehend diesen Nachteil. Dennoch ersetzten diese Linsen nicht den optimalen Sonnenschutz.

Bindehautdegenerationen

Neben Schäden der Netzhaut und der Linse können auch bleibende Veränderungen der Bindehaut zum eingeschränkten Sehen führen.
Die Kollagenfasern des Auges verlieren ihre Elastizität. Diese und weitere degenerativen Veränderungen des Gewebes führen zur Schädigung der Hornhaut. Es treten Hornhautveränderungen, die zu einem starken Hornhautastigmatismus (Verlegung der Sehachse) führen können, auf. Verstärkt sind diese Veränderungen in Regionen mit starker Sonnen-, Wind- und Staubexposition beobachtet worden.

In schweren Fällen ist eine Operation notwendig.

Im Studio: Prof. Hansjürgen Agostini, Leitendender Oberarzt der Uni-Augenklinik in Freiburg