Bitte warten...

SENDETERMIN Mi, 28.1.2009 | 17:05 Uhr | SWR Fernsehen

Indien Öko-Urlaub in Indien

In dem südindischen Dorf mit dem unaussprechlichen Namen Sreekandamangalam können verantwortungsbewusste Touristen einen so genannten "nachhaltigen Urlaub" erleben. Ein knapp 20 Jahre altes Projekt hat sich hier mittlerweile als Normalität etabliert. Davon profitieren Natur und Einheimische im Urlaubsland. - Und für die Gäste ist dies eine ganz neue Erfahrung.

Das „BASIS-Projects“ (Basic Agricultural and Social Improvement Schemes) wurde 1989 von Leela und Mathew Moozhiyil gegründet. Seither können kleine Urlaubergruppen aus Deutschland nach Sreekandamangalam in dem indischen Bundesstaat Kerala reisen, ein kleines indisches Dorf mit einem etwa zwei Hektar großen Projektgelände.


Der Begriff Nachhaltigkeit...

Sreekandamangalam, Urlauber beim Entspannen

Sreekandamangalam, Urlauber beim Entspannen

...stammt aus dem Umweltschutz und wird mittlerweile auch in der Tourismusbranche verwendet. Unter einem nachhaltigen Urlaub verstehen man, dass die Touristen keine die Zukunft belastenden Schäden in der Natur und im Ökosystem des Gastgeberlandes anrichten sowie auf niemandes Kosten und Nachteil verreisen. Das heißt, die Bevölkerung des besuchten Landes soll wirtschaftlich und sozial vom stattfindenden Tourismus profitieren - und nicht etwa sogar Nachteile durch Urlauber erhalten. Nachhaltigen Tourismus pflegen seit einiger Zeit verschiedene Projekte in einigen Ländern, so auch in Indien. Für die Gäste ist dies eine ganz neue Erfahrung.


Das Dorf Sreekandamangalam

Sreekandamangalam, Dorfschule

Sreekandamangalam, Dorfschule

Hier verdienen keine Veranstalter an den Gästen, sondern die Dorfbevölkerung selbst. Mit den Einnahmen aus Tourismus werden Kindergärten gebaut sowie eine ökologische, nachhaltige Landwirtschaft initiiert und Biogasanlagen im Dorf finanziert. Es wurde zum Beispiel eine Nähschule errichtet, in der sich vor allem Frauen ausbilden lassen, die dann später den Touristen eigens angefertigte Maßkleidung wie Hemden oder Blusen anfertigen und verkaufen. Es gibt in dem Dorf auch eine Kunstschule, eine Schreinerei und eine Schmiede, deren Absolventen sich ihr Geld zum Leben mit Verkäufen ihrer hergestellten Produkte verdienen oder mit dem Ausbau neuer Touristenunterkünfte. Die Touristen sind direkt im Dorf in einfachen kleinen Appartements untergebracht. In einem separaten Waschtrakt hat jeder Gast eine eigene Dusche.


Vermittlerrolle zwischen den Kulturen

Indien, Kontakt mit Einheimischen

Indien, Kontakt mit Einheimischen

Der Projektleiter will erreichen, dass die Gäste hier nicht nur herkömmlichen Urlaub machen. Sie sollen vor allem auch Kontakt zu den Menschen im Dorf aufnehmen. Man soll sich gegenseitig kennen- und verstehen lernen. Mit ein bisschen Englisch und gutem Willen bekommt man schnell Kontakt. Die Touristen lernen einiges über die indische Lebensphilosophie, über die Gesellschaftsstruktur, das Kastenwesen und das Zusammenleben von Christen, Hindus und Moslems. Die Dorfbevölkerung profitiert vor allem sozial von den Kontakten zu den Gästen. So meint Projektleiter Mathew Moozhiyi: „Wenn die Europäer zu uns kommen und wir erfahren mit denen eine Gleichberechtigung, Unbefangenheit mit der Kastenzugehörigkeit, dann gibt das uns allen ein Selbstwertgefühl. Das ist eine Entfaltung, das ist ein großer Entwicklungsbeitrag.“ Dadurch lernen Inder, in ihrer Gesellschaft kasten- und geschlechterbedingte Schranken abzubauen. Dem Projekt fällt somit eine Vermittlerrolle zwischen zwei Kulturen zu.


Sightseeing

Indien, Tänzer beim Tempelfest

Indien, Tänzer beim Tempelfest

Zum Projekturlaub dazu gehört auch, das Land zu erkunden. Wer will, kann religiöse und kulturelle Feste besuchen: Immer wieder findet in der Nähe des Dorfes eine hinduistische Hochzeit statt, ein Tempelfest oder ein traditionelles Tanzfest. Außerdem werden vom Projekt aus Bootsfahrten auf den Backwaters Keralas angeboten. Oder man kann auch mal auf einem Elefanten reiten. Zudem wird eine einwöchige Rundreise durch Kerala und eine der Nachbarstaaten Tamil Nadu oder Karnataka angeboten. Besucht werden meistens: die Tempelstadt Madurai in Tamil Nadu, das Tierschutzreservat um den Periyar-See, die Gewürz- und Teeplantagen in den Kardamom-Bergen, die beiden großen Städte in Kerala, Cochin und Trivandrum, sowie der Kovalam Beach, der nach Goa bei Touristen beliebteste Strand Indiens.


Adresse:

BASIS-Projects

Dr. Mathew Moozhiyil

P.O. Sreekandamangalam

Kottayam 685 682

Kerala, Indien

basis@dataone.in
www.basis-projects.de/

Aktuell im SWR