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Testament und  Füllfederhalter liegen auf einem Tisch.

SENDETERMIN Do, 25.4.2019 | 17:05 Uhr | SWR Fernsehen

Erben und vererben Wann ist der richtige Zeitpunkt, ein Testament zu machen?

Klar, denkt nicht jeder gern darüber nach, was nach seinem Tod mit seinem Hab und Gut passieren soll. Wer das jedoch sauber geregelt haben will, für den gibt es nur einen richtigen Zeitpunkt ein Testament zu machen und das ist sofort!

Wie Sie ein Testament erstellen

Jeder, der mindestens 16 Jahre alt ist, kann ein Testament erstellen. Volljährige können es frei formulieren oder eine Vorlage nutzen.

Für ein handschriftliches Testament reicht es aber nicht, wenn Sie nur eine Vorlage unterschreiben: Sie müssen das Testament komplett von Hand schreiben, damit es wirksam ist. Statt ein Testament handschriftlich zu schreiben können Sie auch ein Testament notariell beurkunden lassen. Das notarielle Testament hat den Vorteil, dass der Erbe später nicht extra einen Erbschein beantragen muss, den er ansonsten braucht, wenn Grundstücke vererbt worden sind.

Wie viel Sie ein Testament beim Anwalt und beim Notar kostet

Beim Notar sind die Gebühren festgeschrieben und abhängig vom Wert des zu vererbenden Vermögens. Bei 100.000 Euro Vermögen kostet ein notarielles Testament ca. 500 Euro, bei 500.000 Euro Vermögen ca. 1.200 Euro und bei 1 Mio. Euro Vermögen ca. 2.000 Euro. Beim Anwalt kann und sollte das Honorar ausgehandelt werden, pauschal oder nach Zeitaufwand.

Was passiert, wenn es kein Testament gibt

Gibt es kein Testament, tritt die gesetzliche Erbfolge ein: Dann erben zuerst die nächsten Verwandten. Gibt es keine Verwandten mehr, erbt der Staat. Der erbt allerdings nicht die Schulden.

Wohin mit dem Testament

Sie können Ihr Testament zu Hause aufbewahren. Allerdings ist es ratsam, dass Sie Ihr Testament beim örtlichen Amtsgericht, Nachlassabteilung, hinterlegen. Das kostet Sie einmalig 93 Euro. Das Amtsgericht informiert das Zentrale Testamentsregister darüber, dass beim Amtsgericht ein Testament von Ihnen hinterlegt ist.

Wie Sie sicherstellen können, dass Ihr letzter Wille auch beachtet wird

Sie können im Testament anordnen, wer dafür sorgen soll, dass Ihre Wünsche im Testament auch durchgesetzt werden. Das nennt sich Testamentsvollstreckung. Die hat sich bewährt, wenn Minderjährige oder mehrere Personen erben sollen oder ein Unternehmen in den Nachlass gefallen ist. Gerade bei Erbengemeinschaften hilft eine Testamentsvollstreckung Streit zu vermeiden.

Kann ich ein Testament jederzeit ändern oder bin ich daran gebunden?

Ein Einzeltestament kann jederzeit abgeändert werden. Das ist wichtig, denn ein Testament sollte immer auf die aktuelle Situation abgestimmt sein. Deswegen sollten Sie es in regelmäßigen Abständen und bei einer neuen Lebenssituation wie z.B. Heirat oder Geburt eines weiteren Kindes auf einen eventuellen Änderungsbedarf überprüfen.

Haben Eheleute ein gemeinschaftliches Testament errichtet, wird dieses grundsätzlich bindend, wenn der erste Ehegatte gestorben ist. Gleiches gilt für den Erbvertrag, der den Zweck hat, eine Bindungswirkung für alle daran beteiligen Personen herzustellen.

Was Sie tun können, wenn Sie nur Schulden erben

Als Erbe haften Sie unbeschränkt für alle Schulden des Nachlasses. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute ist: Sie können die Haftung beschränken.

Hierfür gibt es verschiedene Instrumente wie die Nachlassverwaltung und die Nachlassinsolvenz. Wenn Sie als Erbe eine Überschuldung feststellen, sollten Sie sich schnell kompetent anwaltlich beraten lassen. Unter Umständen haben Sie auch noch die Möglichkeit, die Erbschaft auszuschlagen. Dafür müssen Sie aber strenge Fristen einhalten, die noch dazu sehr kurz sind!

Erbengemeinschaft: Wenn Sie nicht allein erben

Der Nachlass gehört bei einer Erbengemeinschaft allen Miterben zusammen. Sie können sich das so vorstellen, dass der ganze Nachlass in einem großen Sack ist, der von allen Miterben gehalten wird. Es darf aber kein Miterbe allein hineingreifen und sich etwas herausnehmen, wenn nicht alle Miterben einverstanden sind.

Der Nachlass muss bis zur Teilung von allen Miterben zusammen verwaltet werden. Am besten ist es natürlich, wenn die Teilung einvernehmlich erfolgt. Andernfalls wird es teuer und langwierig, z.B. wenn Grundstücke teilungsversteigert (also zwangsversteigert) werden müssen, weil sich die Miterben nicht einig sind, ob und zu welchem Preis das Grundstück verkauft wird.

Wichtig: Kein Miterbe hat einen Anspruch darauf, dass der Nachlass oder Teile davon „freihändig“ – also privat – verkauft werden.

Im Studio: Gerhard Ruby, Deutsches Forum für Erbrecht