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SENDETERMIN Mo, 16.3.2020 | 17:05 Uhr | SWR Fernsehen

Elektroräder E-Bike oder Pedelec?

Radfahren mit Motorunterstützung erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Selbst bei Discounter-Ketten und Baumärkten sind diese Räder schon für wenig Geld zu haben. Allerdings ist bei Niedrig-Preis Modellen auch erhöhte Vorsicht angesagt.

Für wen sind Elektrofahrräder geeignet?

E-Bike

E-Bikes sind inzwischen völlig gesellschaftsfähig.

Zielgruppe für Elektroräder sind all diejenigen, die einerseits gerne mit dem Rad unterwegs sind, aber dabei nicht soviel Kraft aufwenden wollen oder können. Aber auch die, die mit dem Rad zur Arbeit fahren und nicht verschwitzt am Arbeitsplatz ankommen wollen oder dürfen, sind für die Radhersteller eine willkommene Zielgruppe.

Da die Räder meist mit 20-25 kg Eigengewicht erheblich schwerer sind als normale Räder, muss eine längere Radtour aber gut geplant werden. Denn, wenn der Akku erstmal leer ist, sind bereits leichte Steigungen sehr mühsam. Auch ein notwendiges Tragen des Rades bei Treppen, Rampen, Kellerräumen und anderen Hindernissen stellt dann ein erhebliches Hindernis dar. Für den Stadtbetrieb oder Touren unter 100 km pro Tag reicht die Akkukapazität in aller Regel aber sehr gut aus.

Etliche Hersteller insbesondere kleine Manufakturen bieten aber auch E-Bikes bzw. Pedelecs an, die durch die Verwendung besonders leichter Materialien auf ein Gewicht von deutlich unter 20 Kilogramm kommen und damit im Bereich eines normalen Fahrrads liegen.

Ansonsten sind E-Bikes ganz normal zu fahren, sie verfügen meist entweder über eine moderne 8-oder 9-Gang Nabenschaltung, eine Kettenschaltung oder sogar schon eine stufenlos Automatik.

Typen-Unterscheidung wichtig

Fahrräder mit elektrischem Zusatzantrieb gibt es in vielen Ausführungen. Vom bequemen Cityrad mit tiefem Durchstieg bis hin zu Mountainbikes und sogar bei Rennrädern gibt es motorunterstützte Modelle.

Generell unterscheidet man bei Elektrorädern zwischen zwei Bauarten:

Pedelecs

Pedelecs sind Modelle, bei denen der elektrische Antrieb nur einsetzt, wenn die Pedale bewegt werden (Pedal Electric Cycle). Sie sind versicherungs- und zulassungsfrei. Eine Helmpflicht besteht nicht. Die Motor-Unterstützung endet automatisch bei 25 km/h. Je nach Akku-Kapazität, Steigung und Körpergewicht, vor allem aber abhängig vom eigenen körperlichen Einsatz, können auch längere Strecken um die 100 km mit einer Akkuladung zurückgelegt werden.

E-Bikes oder auch S-Pedelecs

Echte E-Bikes bieten alleinigen Stromantrieb bis 24 km/h, und Tret-Unterstützung bis 40-45 km/h. Diese Fahrzeuge müssen aber wie ein klassisches Mofa versichert werden. Zudem benötigt man einen Führerschein und es besteht eine Helmpflicht.

Der Name Pedelec hat sich aber nicht richtig durchgesetzt, mittlerweile wird für alle Elektroräder der Anglizismus "E-Bike" verwendet.

Technik der Pedelecs-Elektroräder

Bei praktisch allen Herstellern besteht ein Elektrorad aus 5 zusätzlichen Komponenten gegenüber einem normalen Fahrrad:

Akku

Er ist entweder an einem speziellen Gepäckträger angebracht, direkt am Rahmen in der Nähe des Tretlagers oder sogar in den Rahmenrohren integriert.

Die Herstellerangaben, wie oft ein Akku wieder aufgeladen werden kann, unterscheiden sich erheblich. Da die Akkus in der Regel aus Nickel-Metall-Hydrid (NiMH), Lithium-Ionen (Li-Ion) oder Lithium-Polymer bestehen, hat man kaum oder keinen Leistungsverlust beim Nachladen nach Teilentladungen (sogenannter Memory-Effekt).

Trotzdem sollten alle Akkus regelmäßig leergefahren werden. Der Akku hält länger, wenn er bei normalen Temperaturen (z.B. in der Wohnung) gelagert wird. Dort finden sich ohnehin leichter die Steckdosen für das Ladegerät, denn Akkus sind temperatursensibel, sie dürfen weder zu kalt noch zu heiß werden.

Achtung: Das Aufladen sollte nicht in der Nähe leicht brennbarer Gegenstände erfolgen. Es passiert zwar selten, aber leider doch immer mal wieder, dass ein Akku beim Aufladen in Brand gerät. Ursache ist dann meist ein interner Defekt z.B. durch einen Sturz oder eine durchgescheuerte Leitung im Gehäuse.

Man sollte darauf achten, dass das Ladegerät bei Erreichen des vollen Ladezustands automatisch auf Erhaltungsladung umstellt, und man nicht den Akku nach dem Laden vom Ladegerät trennen muss. Ein zweiter Akku ist nützlich und bequem. Die Kosten für einen Akku liegen bei ca. 400 bis 700 Euro.

Leider gibt es noch keine einheitlichen Akkus und Ladegeräte, so dass man z.B. bei einem längeren Radurlaub einfach an bestimmten Stationen oder Gasthäusern/Restaurants/Hotels einen leeren Akku gegen einen vollen Akku tauschen könnte.

Interne Steuerung

Die Steuerung sorgt für die Weiterleitung des Stromes und der Spannung von der Batterie zum Motor. Dabei wertet sie die Signale der Gangschaltungshebel am Lenker und des Tretsensors aus. Ebenfalls integriert sind Funktionen wie Spannungsüberwachung des Akkus, Temperaturüberwachung und Strombegrenzung des Motors.
Auch die Beleuchtung des Fahrrads wird bei den modernen Modellen über den Akku realisiert. Einen Dynamo brauchen diese Räder nicht mehr.

Die modernste Variante der Steuerungen bei E-Bikes mit Heckmotor lädt den Akku sogar wieder auf, wenn das Fahrrad abgebremst wird oder einen Berg hinunterrollt.

Sensoren

Die Sensoren werden meist am Tretlager eingebaut und überwachen je nach Hersteller, die Trittfrequenz und die aufgewendete Kraft des Fahrers. Ein Sensor am Laufrad überwacht die gefahrene Geschwindigkeit.

Steuerung und Display

Mit einer Steuerung am Lenker wird zum einen der Motor ein- und ausgeschaltet und sie dient zur Regulierung der gewünschten Unterstützung. Bei einigen Modellen mit kraftmessendem Sensor im Tretlager ist eine manuelle Steuerung nicht oder nur als Vorwahl vorhanden.

Je besser die Motorsteuerung vom Hersteller ausgelegt ist, umso größer ist auch meist die Reichweite pro Akkuladung. Man kann durchaus sagen, je mehr Informationen über den Zustand des Akkus auf einem Display angezeigt werden, umso ausgeklügelter ist die elektronische Motorsteuerung.

Motor

Der Antriebsmotor sind mehrere hundert Watt starke, extrem klein und flach gebaute Elektromotoren. Je nach Modell ist der Motor im Vorderrad eingespeicht, direkt am Tretlager integriert oder in der Hinterradnabe eingebaut.

Vor- und Nachteile der Elektroräder

Alle Elektroräder bieten dem Radfahrer eine echte Unterstützung, je nach Hersteller und Antriebskonzept spürt man dies mehr oder weniger stark.

Nachteilig ist in jedem Fall das deutlich höhere Gewicht der Fahrräder. Dies spürt man dann besonders, wenn man ohne Motorunterstützung fährt oder das Rad tragen muss. Auch beim Bremsen sind das höhere Gewicht und die höhere Fahrgeschwindigkeit zu berücksichtigen, der Anhalteweg verlängert sich.

Das höhere Gewicht und die größere Belastung des Materials erfordern eine angepasste Rahmenbauweise und stärkere Bremsen, was das Rad per se teurer macht als ein Fahrrad ohne Elektromotor. Bei billigen E-Bikes sollte man deshalb ein besonderes Augenmerk auf die Konstruktion des gesamten Rades richten.

Für kurze Strecken ist die Kapazität der Akkus immer ausreichend. Da die Motorunterstützung sehr individuell geregelt werden kann, sind Aussagen über die Reichweite einer Akkuladung sehr schwierig. Im Durchschnitt kann man auf jeden Fall mit 50 bis 100 km Reichweite mit einer vollen Akkuladung rechnen.

Beachtet werden muss die höhere Geschwindigkeit, die man mit einem Elektrorad erreichen kann. Die Empfehlung, beim Radeln einen Helm zu tragen, gilt hier natürlich besonders. Handschuhe und evtl. weitere Schutzkleidung sind empfehlenswert.

Um die 2.000 bis 3.000 Euro muss man für ein gutes Elektrorad rechnen. Einsteigermodelle finden sich bereits ab 1.100 Euro. Hier sollte man sich aber genau über die Fertigungsqualität informieren und Testberichte anschauen.

Auch wenn eine Akkuladung nur ein paar Cent für Aufladung über Nacht kostet, so steigt mit einem Elektrorad natürlich der Stromverbrauch des Haushalts. Diese sind jedoch im Vergleich zu den Betriebskosten eines Autos viel geringer.

Studiogast: Stephan Fischer, Fahrradfachhändler aus Kircheim/Teck