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SENDETERMIN Fr, 5.10.2018 | 0:15 Uhr | SWR Fernsehen

Junger Dokumentarfilm Sehnsucht nach Myanmar

Die Autorin Seng Mai Kinraw hat einen leisen, gefühlvollen Dokumentarfilm geschaffen, in dem sie sich auf Suche nach der eigenen Heimat, der eigenen Identität macht. Der Film der in Myanmar geborenen und aufgewachsenen Autorin ist eine Reise zu den Stationen ihrer Kindheit, zu ihrer Familie und zu alten Freunden. Die jahrelange Militärdiktatur im damaligen Burma und der Umstand, dass der Vater das Land als Arbeitsmigrant schon früh verließ, haben die Familie geprägt.

104-jä̈hrige Urgroßmutter mit Urenkeln in Myitkyina

104-jä̈hrige Urgroßmutter mit Urenkeln in Myitkyina


„Als meine Oma krank wurde, wurde die Entfernung zwischen uns unerträglich. Und obwohl sie sich wieder erholte, blieb die Sehnsucht nach ihr. Ich wollte zurückkehren. Ich wollte sie sehen. Ich wollte einfach nur Ihre Hand halten“.

Reisen in das Land der Eltern - auf der Suche nach Identität

Also macht sich Seng Mai Kinraw auf die Reise. Entstanden ist ein intimer Blick auf die Verbindung zur Familie, und ein sehr persönliches Portrait des modernen Myanmar. Die Arbeitsmigration der Eltern, eine bis 2011 währende Militärdiktatur, und ihr eigenes Studium, das sie nach Deutschland bringt, konnte diese Verbindung nicht zerreißen. Im Gegenteil. Da ihre Eltern – typisch für deren Generation- der Arbeit hinterher zogen, geht die Reise zu den Stationen ihrer Kindheit quer durchs Land. So entstehen in den Treffen mit Familie und Kindheitsfreunden gleichsam private wie exemplarische Szenen eines Landes im Aufbruch und einer jungen Frau auf der Suche nach Identität.

Zugfahrt von Myitkyina nach Mandalay

Zugfahrt von Myitkyina nach Mandalay

Kamera filmt Land und Menschen zwischen Modernsierung und Idyll

Die Gegenwart der Kamera fängt all diese Ebenen unaufdringlich ein: politisches Gestern und das heutige Myanmar schwingen leise doch stetig mit – in den poetischen Bildern ebenso wie in den Beziehungen der Filmemacherin zu den Frauen, die sie einst aufzogen. Auf ihrer Reise durch ein Land zwischen Modernisierung und zeitvergessenem Idyll trifft sie jene wieder, die ihr die Sehnsucht eingepflanzt haben die sie von Deutschland zurück hierher zog: in Form von Geborgenheit, Wärme und lebendiger Erinnerung; durch die Erzählungen von Gesten, die in die Zukunft zeigen; und auch in Gestalt des Regens, der allgegenwärtig scheint, den die Kamera immer wieder einfängt, und der alles verbindet: die Oma, die Mutter, die Jugendfreundin, die geblieben ist - sogar die Filmemacherin und ihren Vater- den großen Unbekannten. „Solange ich mich erinnern kann, waren abwesende Väter fester Bestandteil unserer Gesellschaft.“

 

Zugfahrt von Myitkyina nach Mandalay

Zugfahrt von Myitkyina nach Mandalay

Aufbruchsstimmung im Schatten einer Diktatur

So wird der Film zu einer Reise zwischen den Zeiten und ein einmaliger Einblick in die Seele eines Landes, das nach jahrelangem Zwang im Schatten einer Diktatur so etwas wie Aufbruchsstimmung erlebt. "Regen", sagt Kinraw, "fragt nicht um Erlaubnis. Er kommt einfach." So wie die Sehnsucht, die keine Distanz kennt. Die Filmemacherin spürt, dass sie ihre Zukunft nur Leben kann, wenn sie dieser Sehnsucht nach Myanmar nachgeht. Aus der Reise in die Vergangenheit wird ein Weg in die Zukunft. Ein zärtlicher Film voller Hoffnung für ein umkämpftes Land.

Poe Oo und Mai Seng in Mandalay

Poe Oo und Mai Seng in Mandalay


Produktionsnotiz:

"Sehnsucht nach Myanmar" ist eine Gemeinschaftsproduktion von avindependents Film & TV GmbH mit der Filmakademie Baden-Württemberg und dem SWR für die Reihe Junger Dokumentarfilm in Zusammenarbeit mit der MFG Filmförderung Baden-Württemberg.

Es feierte seine Deutschlandpremiere auf den 50. Hofer Filmtagen 2016 und erhielt das Prädikat "Besonders wertvoll".

Sendung vom

Fr, 5.10.2018 | 0:15 Uhr

SWR Fernsehen