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SENDETERMIN Do, 25.10.2018 | 23:45 Uhr | SWR Fernsehen

Junger Dokumentarfilm Helden der Krise

Seit Jahren befindet sich Griechenland in der Krise, finanziell wie auch gesellschaftlich. Wie aber sieht das Leben der Menschen in Griechenland konkret aus? Welche Sorgen und Nöte prägen ihren Alltag? Gibt es auch Lichtblicke? Die Filmemacherin Rebekka Kaufmann nimmt die Zuschauer mit zu Panagiotis, Georgia und ihrer Tochter Vasiliki, die mitten in Athen wohnen und ums wirtschaftliche Überleben kämpfen. Vor allem ihre Wohnung, Zentrum und letzter Rückzugsort der Familie, soll vor der drohenden Zwangsversteigerung bewahrt werden. Inmitten sozialer Spannungen und Auseinandersetzungen versucht diese Familie, einer fast ausweglosen Situation Solidarität, Mitmenschlichkeit und Hoffnung entgegen zu setzen.

Der Film "Helden der Krise" begleitet eine griechische Familie aus Athen in ihrem alltäglichen Existenzkampf. Mutter Georgia arbeitet sechs Tage in der Woche – für einen Hungerlohn. Vater Panagiotis findet seit Monaten keine Arbeit, und die 18-jährige Tochter Vasiliki ringt um ihren Schulabschluss. Jeder auf sich gestellt, würde inmitten der Krise zerbrechen, doch zusammen, als Familie, geben sie sich gegenseitig Halt.

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Junger Dokumentarfilm – Helden der Krise

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Familienfoto 2006, vor der Krise. © SWR/AMA Film/Rebekka Kaufmann

Familienfoto 2006, vor der Krise. © SWR/AMA Film/Rebekka Kaufmann

Panagiotis und Georgia demonstrieren gegen Zwangsversteigerungen © SWR/AMA Film/Rebekka Kaufmann

Panagiotis sucht nach Arbeit © SWR/AMA Film/Rebekka Kaufmann

Georgia und Basiliki reden über ihre Zukunft.© SWR/AMA Film/Pavlos Kosmidis

Die eigenen vier Wände sind ihr gemeinsames Lebenszentrum und zugleich der letzte Rückzugsort: Hier wird zusammen gekocht, mit Freunden gefeiert und gemeinsam nach Lösungen gesucht. Umso tragischer ist es, dass selbst dieser Ort nicht mehr sicher ist. Als 2011, drei Jahre nach der Finanzkrise, das Restaurant der Familie endgültig Pleite ging, verschuldeten sie sich, und ihre Wohnung wurde, wie tausende andere auch, zur Zwangsversteigerung freigegeben.
Niemand weiß, ob sich der Prozess der Enteignung durch Blockaden und Demonstrationen im Gerichtssaal noch stoppen lassen wird ...
"Die Zinsen steigen immer weiter", sagt Panagiotis, "dabei haben wir unseren Kredit eigentlich schon abbezahlt.
Schlimm ist vor allem, dass ich mit dem Restaurant auch meine Arbeit als Koch verloren habe. Wenn wir der Bank nicht bald das Geld geben, nehmen sie uns die Wohnung weg und geben sie zur Zwangsversteigerung frei. Meine Wut darüber ist sehr groß. Die kommen mit der Polizei in unsere Wohnung, verprügeln uns, nehmen uns die Schlüssel ab und sagen, die Wohnung gehört der Bank oder dem Staat. Unsere harte Arbeit. Wie ist das möglich?"

Der Film begleitet Georgia und Panagiotis zu ihren Treffen mit anderen Betroffenen. Hier informiert und organisiert man sich, spricht sich gegenseitig Mut zu. In Griechenland, einem Land wachsender Ungleichheit, befinden sich viele Menschen im freien Fall. Sparmaßnamen sollen helfen, Griechenlands wuchernde Staatsschulden abzubauen, umgerechnet 30.000 Euro pro Kopf. Doch der Preis dafür sind massive gesellschaftliche Spannungen und ein ausgehöhltes Sozialsystem. Auf Druck der internationalen Kreditgeber werden Häuser und Wohnungen von tausenden, verschuldeten Familien zwangsversteigert und viele sind von Obdachlosigkeit bedroht.


Eine neue Wendung gibt die 18-jährige Vasiliki dem Film. Sie erscheint auf den ersten Blick verschlossen und ganz in ihr Smartphone versunken. Doch nach und nach öffnet sie sich. Vasiliki erzählt über ihre Kindheit und über ihren verlorenen Traum, Balletttänzerin zu werden: "Wenn du seit deinem fünften Lebensjahr tanzt und plötzlich bist du 13 und deine Eltern sagen dir: ›Deine Ballettstunden können wir uns jetzt nicht mehr leisten, wir bezahlen schon deinen Nachhilfeunterricht…‹". Vasiliki schweigt für einen Moment, bevor sie fortfährt: "… an diesem Tag wurden mir meine Flügel abgeschnitten."

Hineingeboren in eine scheinbar perspektivlose Situation, zeigen diese jungen Menschen dennoch eine erstaunliche Lebenskraft und einen starken Willen, ihren eigenen Traum von der Zukunft zu gestalten. Der Film ist dieser humorvollen jungen Generation gewidmet, die überraschend reflektiert ist.

Produktionsnotiz

Eine Gemeinschaftsproduktion von AMA FILM, der Filmakademie Baden-Württemberg und dem SWR für die Reihe "Junger
Dokumentarfilm" in Zusammenarbeit mit der MFG Filmförderung Baden-Württemberg.

Sendung vom

Do, 25.10.2018 | 23:45 Uhr

SWR Fernsehen