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SENDETERMIN Do, 24.4.2008 | 23:00 Uhr | SWR Fernsehen

Junger Dokumentarfilm 2008 Fest der Alten

Oma Sophie lächelt ihre Betreuerin an

Oma Sophie lächelt ihre Betreuerin an

»Alt werden ist gut. Aber alt sein ist nicht schön«, sagt Oma Sophie und zieht die Bettdecke fester an ihren Körper. Sie ist 89 Jahre alt, ihr Körper ist schmal, die Demenz hat ihren Geist geschwächt, aber nicht ihren Lebenswillen. Das Bett hat sie schon seit mehr als einem Jahr nicht mehr verlassen, dennoch hängt sie am Leben. Seitdem der Knochenkrebs ihre oberen Halswirbel zerfraß, wird sie ständig von ihrer Schwiegertochter und von ihrem Sohn gepflegt. Es ist eine weitreichende Entscheidung, einen Angehörigen seinen Lebensabend nicht im Pflegeheim verbringen zu lassen, sondern ihn zuhause zu umsorgen. Die Situation fordert Opfer von denen, die die Pflegearbeit auf sich nehmen, von der Familie, die das Privatleben, die eigenen Interessen und Lebensziele zugunsten von Oma Sophie zurückstellt.


»Einer muss es tun, einer muss die Verantwortung tragen«, sagt Schwiegertochter Gabi, die Oma Sophie nun seit mehr als einem Jahr tagtäglich pflegt. Obwohl dies nicht immer einfach ist: »Nachdem die Kinder aus dem Haus sind«, sagt sie, »freust du dich über die neugewonnene Freiheit. Die fällt bei mir weg. Ich habe keine Freiheit, die ich genießen konnte. Denn dann kam schon Oma Sophie.« Auch Sophies Sohn Josef spürt, dass er im Augenblick viel weniger Zeit hat für sich und für seine Frau. »Jetzt ist es so: Du stehst morgens auf, gehst in deinen Job, die Gabi genauso. Du kommst nach Hause, übernimmst dann den Part mit der Oma Sophie und gehst ins Bett. Und am nächsten Tag geht das Spiel wieder von vorne los.«


»Fest der Alten« ist nicht nur ein Porträt einer Frau in ihrer letzten Lebensphase. Es ist ein Film über das Altwerden in unserer Gesellschaft. Was passiert, wenn ein alter Mensch nicht mehr für sich selbst sorgen kann?

Kommt er ins Pflegeheim oder nimmt man ihn doch lieber zu sich nach Hause? Hilft der tägliche Umgang mit dem Altwerden, das eigene Bewusstsein für die Sterblichkeit zu schärfen? Was bedeutet Bettlägrigkeit und Pflegebedürftigkeit für alte Menschen? Was macht ein Leben eigentlich lebenswert? Die Familie hat sich für ein Leben mit Oma Sophie mit allen Konsequenzen entschieden und steht nun im Konflikt zwischen dem Verantwortungsgefühl, die alte Dame bis zu ihrem Tod zu pflegen und dem Wunsch nach Freiheit. Wie werden wir alt in Deutschland?


»Fest der Alten« ist eine Dokumentation über Beziehungen im Kleinen, über Nähe und Zuwendung, und zugleich auch ein Film über eines der vielleicht brisantesten gesellschaftlichen Themen unserer Zeit. »Oma Sophie ist ein ganz wichtiger Bezugspunkt in unserem Leben geworden«, sagt die Schwiegertochter am Ende des Films. »Und was ist, wenn Oma Sophie nicht mehr leben wird?«, wird sie gefragt. »Dann müssen wir uns wieder neue Bezugspunkte suchen.« Die Pflege von alten Menschen ist also nicht immer nur mühsam und entbehrungsvoll, sondern kann Familien auch viel Sinn für ihr Leben geben. »Ich mach’ das gerne, ich muss mich nicht dazu zwingen. Weil ich wusste, worauf ich mich da eingelassen habe,« sagt Gabi. »Solange das geht, gebe ich meinen Teil dazu. Aber ich freue mich jetzt schon auf den Augenblick, wo ich sagen kann: Kapitel zu.«