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SENDETERMIN Do, 11.10.2018 | 23:15 Uhr | SWR Fernsehen

Demenzpflege in Thailand Das Dorf der Vergesslichen

"Das Dorf der Vergesslichen" aus der Reihe "Junger Dokumentarfilm" erzählt von Demenzpatienten aus Europa, die in einem thailändischen Dorf von Einheimischen gepflegt werden. Ihre Familien haben die Entscheidung getroffen, sie fernab ihrer europäischen Heimat pflegen zu lassen: "Baan Kamlangchay" heißt das Pflegeprojekt, das der Schweizer Martin Woodtli aus der eigenen Not heraus aufgebaut hat, weil er für seine pflegebedürftige Mutter in der Heimat keine passende Betreuung fand. Heute sind 14 europäische Patienten Teil des thailändischen Alltags, wohnen in Häusern im Dorf verteilt. In Paaren bewegen sich Patient und Pfleger durch die Straßen, gehen spazieren, kaufen ein, beteiligen sich an traditionellen Festen.

Demenzpatienten aus Europa in thailändischen Dorfgemeinschaften

"Sie wurden von ihren Kindern hierher geschickt. Hier bei uns zahlt man nicht für die Pflege der eigenen Verwandten, sowas gibt es nur bei Ausländern", sagt Nong On, die den Kiosk im Dorf betreibt. Die Kulturen könnten kaum unterschiedlicher sein, und doch scheinen sich die Lebensgeschichten und der Alltag der Einheimischen und der ausländischen Gäste harmonisch zu verbinden.

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Das Dorf der Vergesslichen

Ein außergewöhnliches Pflegeprojekt für Demenzkranke

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Patienten und Pfleger gehen durch das thailändische Dorf „Faham“ spazieren.

Patienten und Pfleger gehen durch das thailändische Dorf „Faham“ spazieren.

Patientinnen Margrit & Ruth sitzen zusammen

Patient Geri und seine Pflegerin Nid.

Kurt und Martin warten auf das Cowboy-Weihnachtsfest.

Ruth und ihre Pflegerin Yee laufen durchs Dorf.

Nid Woodtli erzählt von ihrer Cowboy-Idee zum Weihnachtsfest.

Pflegerin Tay und Kurt auf dem Weg durchs Dorf.

Ein außergewöhnliches Pflegeprojekt

Der Film erzählt von Menschen, die Teil dieser besonderen Welt sind. Er wirft Fragen auf, ohne zu werten. Wie geht es den europäischen Patienten, die nun hier in der Fremde leben? Inwieweit können sie wahrnehmen und begreifen, dass sie weit weg von zuhause sind? "Das Leben ist schön!", sagt Kurt, der seit mehreren Jahren als Patient in der Einrichtung lebt.
Wann und wie er nach Thailand gekommen ist, weiß er nicht so genau: "Vielleicht wollten sie mich abschieben?" Kurze Zeit danach wähnt er sich wieder in Bern. Die thailändische Chefin bringt den Pflegern bei, dass es nicht unbedingt das Beste ist, den Patienten immer wieder zu sagen, dass sie gar nicht zuhause sind.Krankenschwester Beate kommt mehrmals im Jahr aus Deutschland hierher, um das Personal in "Baan Kamlangchay" medizinisch zu unterstützen. Sie mag das insgesamt sehr freie Leben der Bewohner hier: "Noch vor der Gesundheit ist die Freiheit das Allerwichtigste im Leben."

"Das Dorf der Vergesslichen" stellt seine Protagonisten auf liebevolle und lebensbejahende Weise in den Vordergrund, ohne dabei die Ernsthaftigkeit des Themas zu übersehen. Da ist Kurt, der über 70 ist, selbst aber meint, ungefähr 30 Jahre alt zu sein. Da sind die Freundinnen Margrit und Ruth, die sich – in einer Fantasiesprache – bestens verstehen. Martin, der seit kurzem hier lebt, aber glaubt, nie in Thailand gewesen zu sein. Pflegerin Nid, die sich mit unglaublicher Fürsorge ihrem eigenwilligen Patienten Geri widmet. Der thailändische Bürgermeister, der in seinem Ort den Spagat zwischen Offenheit und Tradition schaffen muss. Und die buddhistischen Dorfbewohner, die sich bemühen, den Demenzkranken ein bisschen westliche Kultur zu bieten und eine kuriose Cowboy-Weihnachtsparty organisieren.
Der Film erzählt von Abhängigkeit und Absurditäten, von Vergessen und Erinnern, von Liebe und Freundschaft.

Produktionsnotiz

"Das Dorf der Vergesslichen" ist eine Produktion von kurhaus production in Koproduktion mit dem SWR, gefördert durch die MFG Filmförderung Baden-Württemberg. Das Team rund um Regisseurin Madeleine Dallmeyer: Anne Bolick (Kamera), Aljoscha Haupt (Ton), Robert Wellié (Schnitt), Karin Pallier&Niklas Falcke (Musik), Martha Swierkot (Producerin), Daniel Reich & Christoph Holthof (Produzenten), Marcus Vetter & Gudrun Hanke-el Ghomri (Redaktion SWR).

Der Dokumentarfilm lief im Wettbewerb Dokumentarfilm beim Filmfestival Max Ophüls Preis 2018.