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SENDETERMIN Mo, 30.11.2009 | 23:00 Uhr | SWR Fernsehen

Junger Dokumentarfilm 2009 Superhelden

Nach dem Vorbild von Robin-Hood

Ein Überfall: Maskierte stürmen in einen Hamburger Feinkostladen, greifen schnell zu und verschwinden ebenso schnell wieder. Was sie tun, ist illegal: Verkleidet mit Comic-Kostümen und Karnevalsmasken, überfällt eine Gruppe junger Leute Edelrestaurants und Gourmet-Geschäfte. Sie nennen sich selbst "Superhelden".

Die Superhelden wissen, wie man Aufmerksamkeit erregt.

Die Superhelden wissen, wie man Aufmerksamkeit erregt.

In einer Pressemitteilung schreiben sie, dass sie angesichts übermäßigen Reichtums in Deutschland nicht länger bereit seien, sich mit Armut, sinkenden Löhnen und schlechten Arbeitsbedingungen abzufinden und sprechen von der "Aneignung des gesellschaftlichen Reichtums". Das Diebesgut verteilen sie an Bedürftige, Kindertagesstätten und Ein-Euro-Jobber. Mit diesen symbolischen Aktionen will die Gruppe vor allem Aufmerksamkeit erregen: "Es wird keine gesellschaftliche Veränderung ohne Ungehorsam und Rebellion geben," sagt einer der Vermummten in die Kamera.


Vorbild 

Die Superhelden blicken auf "Ihre" Stadt

Die Superhelden blicken auf "Ihre" Stadt

"Superman", die Comicfigur, ist das Vorbild für ihre bunten Kostüme. In selbst verfassten Flugblättern rufen sie dazu auf, die sozialen Zustände in unserer Gesellschaft zu verändern und auf politische Entwicklungen Einfluss zu nehmen. Die "Superhelden" ergreifen Partei, sehen sich vor allem auf der Seite der Benachteiligten und sozial schwachen Bürger ihrer Stadt. "Es gibt unglaublich viele Orte des Reichtums und auf der anderen Seite gibt es einfach eine krasse Verarmung", sagt einer der Aktivisten. "Uns geht es einfach darum, deutlich zu machen, dass es da einen Zusammenhang gibt." Gewaltlos protestieren sie gegen Ungerechtigkeit und gegen die soziale Kluft. In ihren Aktionen nutzen sie das Überraschungsmoment, verschwinden so schnell, wie sie auftauchen. Sie nehmen mit, was sie auf die Schnelle in die Hand bekommen, vor allem Luxusartikel. Die Mitarbeiter der Geschäfte bekommen als Zeichen guten Willens Blumen geschenkt. Inzwischen beginnt die anonyme Hamburger Gruppe, ihren Protest über die Grenzen Hamburgs hinauszutragen. So haben die Aktivisten auch beim G8-Gipfel in Heiligendamm in ihren Kostümen gegen negative Folgen der Globalisierung protestiert.  


Im Mittelpunkt 

Das Lachen ist ihr nicht vergangen: Kathi mit Tochter

Das Lachen ist ihr nicht vergangen: Kathi mit Tochter

Es geht den "Superhelden" um die Zukunft von Menschen wie Kathie. Sie ist 30 Jahre alt, alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Ihr Schicksal und ihre Lebensgeschichte stehen im Mittelpunkt der Dokumentation. Aufgewachsen ist sie in Bolivien, seit sieben Jahren lebt sie in Hamburg, studiert Soziologie im letzten Semester. Sie hält sich mit drei kleinen Jobs über Wasser. Nur so kann sie ihren Lebensunterhalt sichern und ihre Kinder ernähren. Tagsüber arbeitet sie in einer Anwaltskanzlei und als Tutorin an der Uni. Abends verteilt sie Flyer. Dazwischen versucht sie, sich auf ihre Prüfungen vorzubereiten und die Aufgaben einer Mutter zu bewältigen. Weil das Geld nicht reicht, fällt sie unter "Hartz IV" und erhält Unterstützung vom Sozialamt.

 

"Ich gebe mein bestes für diese Gesellschaft," sagt Kathie über ihre Situation. "Ich studiere, habe gute Noten, arbeite und habe Kinder in die Welt gesetzt. Und was bin ich? Ein Asi. Ich habe nicht mal Geld für die Klamotten meiner Kinder." Einmal in der Woche geht Kathi mit ihren Freundinnen los und sammelt Essen aus den Müllcontainern der Supermärkte: "Wenn wir von dem leben würden, was uns zur Verfügung steht, dann würden wir nur Weißbrot essen, Tost, fertige Mortadella und Scheibletten-Käse und ich sehe nicht ein, am Essen zu sparen. Und ich hole mir das Essen auch - egal wie."


Das Beste daraus machen 

Trotz ihrer Bemühungen und guten Qualifikation macht sich Kathi wenig Hoffnung, dass sich an ihrer Situation in absehbarer Zeit etwas ändern wird. Sie versucht, das Beste aus ihrer Situation zu machen. Ob ihr die Aktionen der "Superhelden" helfen? Jedenfalls empfindet sie Sympathie für die gewaltlosen Überfälle und öffentlichkeitswirksamen Aktionen: "Krawall ist für mich eine super legitime Form von Widerstand." Die "Superhelden" selbst wissen um die Illegalität ihrer Aktionen. Sie müssen damit rechnen, erkannt, verhaftet und verurteilt zu werden. Deshalb zeigen sie sich im Film nur mit Maske.


Die Frage nach dem Sinn

"Wrestler" beim Posing

"Wrestler" beim Posing

"Superhelden" erzählt die Geschichten von jungen Menschen, die um ihre Existenz und um Perspektiven in ihrem Leben kämpfen: Mehrfachbelastungen, Leben am Rande der Armut bei der jungen Mutter Kathie, und der aktive Protest der Gruppe "Superhelden", der in illegale Aktionen mündet. "Die Frage danach, ob es Sinn macht,", sagt einer der "Superhelden", "finde ich eingeschränkt. Es macht einfach Spaß, sich zu wehren und zu rebellieren und mit anderen zusammen etwas zu entwickeln."