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SENDETERMIN Do, 20.4.2006 | 23:20 Uhr | SWR Fernsehen

Junger Dokumentarfilm 2006 Barrio Pablo Escobar

Barrio Pablo Escobar

Wberney Zabala

Bürgermeister Wberney Zabala in seinem Viertel, dem Barrio Pablo Escobar

Das "Barrio Pablo Escobar" ist ein Stadtviertel in der kolumbianischen Großstadt Medellín, es hat 12.000 Einwohner, seine Häuser sind aus Stein, aber man findet sie auf keinem Stadtplan. Erbaut wurde es in den 80er Jahren für die Bewohner einer staatlichen Müllkippe vom Chef des Medellíner Kokainkartells, Pablo Escobar. Bis heute - zehn Jahre nach Escobars Tod - erkennt der kolumbianische Staat dieses Viertel nicht an, seine Bewohner leben in Illegalität.

Ohne staatliche Unterstützung sind die Bewohner darauf angewiesen, sich selbst zu organisieren. Wberney Zabala ist der "Bürgermeister" des Viertels. In seiner Jugend kämpfte er in einer Nahkampfeinheit des kolumbianischen Militärs gegen die Guerilla, sein Bruder stand auf der anderen Seite. Wberney ist die soziale Integrationsfigur des Viertels. Wertevermittlung, Friedensarbeit und Betreuung der Kinder stehen im Mittelpunkt seiner Arbeit.

Unterstützung bekommt Wberney durch den gelähmten Luis Angel, der sein Haus zu einer kleinen Bibliothek umfunktioniert hat. Weil es keine Schule gibt, ist dies der einzige Ort im Viertel, an dem Kinder etwas lernen können und beaufsichtigt werden.

Muchachos vor Mauer

Muchachos vor Mauer

Die Schattenseite des Viertels ist die Gewalt, mit der zahlreiche Jugendbanden seit jeher die Bewohner terrorisierten. Marlon, ein 21-jähriger Bandenchef,erzählt, wie Escobar arme Jugendliche als Auftragskiller für seinen Kampf gegen den kolumbianischen Staat rekrutierte. "Man muss ihm dankbar für die vielen Häuser sein, aber er hat unsere Jugend zerstört und Medellín viele Tote geschenkt".

Wberney Zabala hat erkannt, dass die Illegalität des Viertels der Weiterentwicklung der Bewohner Grenzen setzt. Mit Hilfe der von ihm geführten kommunalen Selbstverwaltung versucht er, einen Legalisierungsprozess in Gang zu bringen. So gelingt es ihm, Kontakte zu einem "legitimen" Bürgermeister von Medellín aufzubauen, ein erster Schritt zur angestrebten Legalisierung des Viertels.



Filmemacher Jan Gabriel

Filmemacher Jan Gabriel

Jan Gabriel wurde am 09.11.1974 in Waiblingen geboren. Nach dem Abitur und Zivildienst war er zwei Jahre lang als Sterbebegleiter tätig. Von 1996 - 1998 studierte er Politikwissenschaften an der FU Berlin. Von 1997 bis 2001 wirkte er bei zahlreichen Dokumentarfilmproduktionen als Kameraassistent und Tonmann mit. Seit 2001 absolviert er ein Regiestudium an der Filmakademie Baden-Württemberg.


Preise und Nominierungen

3. Preis des Eine-Welt-Filmpreis NRW 2005

Förderpreis der baden-württembergischen Filmindustrie 2005

Sendung vom

Do, 20.4.2006 | 23:20 Uhr

SWR Fernsehen