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Eisenbahnpionier Emil Kessler aus Baden-Baden Erfinder und Architekt der Lok „Rhein“

In seiner Maschinenfabrik hat die Dampflokomotive „Rhein“ das Licht der Welt erblickt. Mehr als 800 Lokomotiven hat Emil Kessler (eigentlich Keßler) insgesamt in seinen Fabriken bauen lassen. Die Biografie eines außergewöhnlichen Ingenieurs.

Das Eisenbahnzeitalter begann in Baden-Württemberg mit der Eisenbahnstrecke zwischen Mannheim und Heidelberg, die im September 1840 eröffnete. Die ersten Lokomotiven dafür lieferten jedoch die Engländer. Sie waren es auch, die ihre Fachleute für den Bau von Dampflokomotiven nach Deutschland schickten.

Porträt von Emil Kessler

Emil Kessler, geboren 1813, ist einer der bedeutendsten Ingenieure in der Geschichte des Südwestens

Emil Kessler arbeitete mit englischen Ingenieuren zusammen und stellte 1841 seine erste Lokomotive fertig - die Badenia“. Schnell löste er sich jedoch von den englischen Vorbildern, entwickelte eigene Ideen und Pläne für seine Lokomotiven. Seine dreiachsige Güterzuglokomotive war die erste Gebirgslokomotive in Deutschland und wurde noch bis in das 20. Jahrhundert verwendet.

Emil Kessler: Eine bedeutende Persönlichkeit der Industrialisierung

Kessler war immer wissbegierig und neugierig: Er unternahm Studienreisen nach England, Österreich, Paris und in die Schweiz. Dort besuchte Kessler verschiedenste Werkstätten und hielt neue Anlagen wie Kräne, Pumpen oder Dampfmaschinen in eigenen Zeichnungen fest.

3:18 min

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Ein Pionier im Südwesten

Video-Porträt: Eisenbahnunternehmer Emil Kessler

Stefan Keber

So wurde der Ingenieur der versunkenen Lok „Rhein“ zu einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der beginnenden Industrialisierung im Südwesten.

An der Polytechnischen Schule in Karlsruhe studierte Kessler Maschinenbau und Bauingenieurwesen. Mit gerade einmal 24 Jahren gründete er 1837 mit seinem Geschäftspartner Theodor Martiensen in Karlsruhe die „Maschinenfabrik von Emil Kessler und Theodor Martiensen“. Nachdem Martiensen fünf Jahre später aus dem Unternehmen ausstieg, führte Kessler die Firma alleine unter seinem Namen weiter.

Die Maschinenfabrik Esslingen

Die Maschinenfabrik Esslingen auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1906.

Talent und Ehrgeiz vereint

Bis Ende 1845 hatte Kessler schon 40 Lokomotiven und circa 150 Personen- und Güterwagen fertiggestellt. Ein Jahr später gründete er bereits sein zweites Unternehmen: Die Maschinenfabrik Esslingen.

Sein Karlsruher Werk musste jedoch kurz darauf durch die Wirren der Revolution 1848 und einer anhaltenden Wirtschaftskrise Insolvenz anmelden. Dabei verlor Kessler fast sein gesamtes Geld. Doch er ließ sich von diesem schweren Rückschlag nicht unterkriegen und kämpfte sich mit Talent und Ehrgeiz zurück.

Nicht nur deshalb war er bei seiner Belegschaft hoch angesehen: Außerdem führte er soziale Zusatzleistungen für die Fabrikarbeiter ein, z.B. eine betriebliche Krankenversicherung. Emil Kessler wurde 1854 der Titel „Ritter des Ordens der württembergischen Krone“ verliehen, welcher mit dem persönlichen Adelstitel verbunden war. 1867 starb er in Esslingen am Neckar.